Dienstag, 1. November 2011

[NaNoWriMo] Tag 1

So. Mein erster Erfolgspost. Erstes Kapitel fertig! :)

Geschriebene Wörter: 3366


Ich bin stolz auf mich. Ob ich damit voll zu frieden bin ist eine andere Sache. In dem Kapitel sind auch irgendwie direkt mal Sachen passiert, die nicht eingeplant waren, z.B. das Erzählen der Geschichte über den Krieg und blablabla...ich weiß nicht, ob der Anfang dafür passend gewählt war, mhhhh...aber wie war das Thema so schön? Dont get it right, get it written! Das hab ich getan, aber ich habe jetzt schon den Drang noch mal alles zu lesen und zu schaun, ob das überhaupt Sinn macht und die Fehler zu zählen, von denen sich bestimm trillionen eingeschlichen haben, weil ich abends einfach zu müde für sowas bin! So genug gerechtfertigt! xD Ich präsentiere: Kapitel eins.

Muss ich das anders formatieren?
Mit Zeilenabstand oder so, damit ihr es besser lesen könnt?
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Kapitel 1

Die Kunst der Schatten


- Fallon -

Der helle Mond am Himmel schenkte der Umgebung sein schummriges Licht. Er hing zwischen dichten, dunkelgrauen Wolken, die in jedem Fall Regen bedeuten würden. Es war kalt geworden, denn die Temperaturen sanken stündlich. Nebel wabberte über den Friedhof von Edenville, zwischen den Gräbern hindurch wie der modrige Atem der Toten selbst. Die Kirchturmuhr schlug gerade Eins. Die Glocke verhallte langsam in der Stille der Nacht. Wind begann rasselnd durch die Löcher der alten Gruften zu pfeifen, Blätter tanzten einer unsichtbaren Spur folgend den Weg entlang und erste Wassertropfen segelten vom dunklen Horizont hinab zur Erde.
„Ich hasse Regen“, murmelte ich. Unruhig stand ich unter der dicken Eiche, die nahe dem Friedhofstor, das um diese Uhrzeit längst geschlossen war, aus dem Boden schoss. Ich zog mir die Kapuze meines schwarzen Umhangs weiter über den Kopf, sodass mein tintenschwarzes Haar fast gänzlich darunter verschwand.
„Regen kann nur von Vorteil sein.“
Ich legte den Kopf schräg und betrachtete Frost. Frost, der im Gegensatz zu mir nie fror, trat aus dem Schatten der Eiche und ließ den Blick über den Friedhof schweifen. Ich schlang die Arme um meinen Körper und folgte ihm. Ich begann leicht zu zittern. Eine Nacht wie diese – trist, kalt und nass – gefiel mir ganz und gar nicht. Das war lächerlich, wenn man bedachte, womit ich mein Geld verdiente. Frosts Miene glich dem düsteren Himmel. Ich fragte mich, ob diese dauernde Anspannung ihn jemals verlassen würde. Seitdem ich ihn kannte, trug er immer diese unheilvolle Miene zu Schau, als würde jeden Moment die Welt zusammenbrechen. Vielleicht war das eine Nebenwirkung des Jobs. Vielleicht würde ich, nach dreißig Jahren genauso verbittert und alt aussehen wie er. Als er sich erneut umsah und ungeduldig mit dem Fuß wippte musterte ich ihn intensiver. Sein kantiges Gesicht war von Falten durchzogen und blutleer, als gehöre er genauso unter die Erde, wie die Toten die uns umgaben. Sein langes braunes Haar war von unzähligen grauen Strähnen durchzogen und ließen ihn noch älter wirken. Er hatte mir die Gesichtshälfte mit der Narbe zugewandt. Sie zog sich von seinem Scheitel, bis über Augenlid und Wange, hinab zum Kinn. In all der Zeit in der wie uns kannten hatte er mir nie die Geschichte dazu erzählt. Er würde das auch nie tun, da war ich mir sicher. Seitdem wir beide zusammen arbeiteten hatte er nicht mehr als Geringschätzung für mich übrig. Er hatte mir nur allzu oft deutlich gemacht, das er nicht daran glaube ich würde jemals die nötige Begabung entwickeln, um in seine Fußstapfen treten zu können. Das wollte ich auch gar nicht. Alles, was ich wollte waren ein Dach über dem Kopf, etwas zu essen und genug Geld, um mich nötigenfalls alleine durchschlagen zu können. All das bot mir die Gilde. Es gab keinen anderen Ort auf der Welt, an dem man mich aufgenommen hätte. Der Gedanke daran versetzte mir einen Stich und ich verdrängte die Erinnerungen bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatten in mein Bewusstsein zu drängen. Die Vergangenheit war…Vergangenheit. Sie gehörte nicht in meine Gegenwart. Schon gar nicht an einen Ort wie diesen, in einer Nacht wie dieser. Ich brauchte all meine Konzentration. Ich –
„Sie kommen.“
Ich sah auf. Tatsächlich. Das Geräusch eines Autos drang an meine Ohren. Ja, so konnte nur ein Auto klingen. Flykarts waren viel leiser, verursachten kaum Geräusche. Nur alte Wagen klangen so laut, weil ihre Motoren noch mit Benzin liefen. Wer konnte sich das heutzutage noch leisten? Bingo. Nur reiche Menschen. Adelige Menschen. Sie stellten diese alten Gerätschaften zur Schau als gäbe es nichts besseres um herauszuposaunen, das sie das nötige Kleingeld hatten, um diese längst in Vergessenheit geratenen Stücke am Leben zu erhalten. Meiner Meinung nach gehörten sie in ein Museum, so wie viele anderen Dinge aus dem 21 Jahrhundert auch. Scheinwerfer blitzen in der Dunkelheit auf, ließen Lichtreflexe durch die Luft tanzen, bis sie abrupt erloschen und dem Schein mehrere altmodischer Taschenlampen wichen.
Da schien jemand wirklich nostalgisch zu sein. Autotüren wurden zugeschlagen, leise Stimmen ertönten, Schritte auf dem Asphalt, die verstummten sobald die Sohlen die erdigen Friedhofswege berührten. Ich fragte mich, wer auf solche einem Friedhof liegen konnte, der das Interesse eines Adeligen geweckt hatte. Dieser Friedhof war alt, abgelegen. Auf so etwas wurden arme Menschen begraben. Auf so einem Friedhof würde ich irgendwann einmal begraben werden, einsam und verlassen vom Rest der Welt. Eigentlich war ich es so gewohnt. Es würde sich also selbst nach meinem Tod nichts ändern. Das war nicht gerade tröstend. Würde es überhaupt jemanden geben, der ein Begräbnis für mich organisierte? Frost wäre sicher dazu verpflichtet, doch bei seinem Gemüt und dem Hang immer mal wieder ein Glas Scotch zu viel zu trinken würde er wahrscheinlich vor mir ins Gras beißen. Seufzend betrachtete ich die Ankommenden.
„Das wird aber auch Zeit“, flüsterte ich mit einem Blick auf meine Armbanduhr. Sie waren ganze zwanzig Minuten zu spät. Aber wie Callen sagen wurde, man sollte niemals die Hand beißen die einen füttert. Und diese reichen, verzogenen Menschen waren es, die uns bezahlten, also hielt ich den Mund, als sie sich uns näherten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Eine Oma mit Gips wäre schneller gewesen. Ich spähte durch die Düsternis und versuchte mir Details einzuprägen. Details waren wichtig, falls etwas schief lief. Nicht, das es das tun würde. Nicht mit Frost als Partner. Mit der Ankunft der Fremden begann der Regen allmählich wieder klein bei zu geben. Meine Augen wanderten über die unbekannten Gesichter. Drei Personen. Zwei hoch gewachsene, breitschultrige Männern, die den Eindruck erwecken als seien sie Zwillinge. Beide hatten die gleiche ovale Gesichtsform, mit einem markanten Kiefer und runden, wachsamen Augen. Sie trugen dunkle Anzüge. Vermutlich irgendwelche Designerstücke. Der kleinere von beiden hatte blonde Haare, die im unvorteilhaft in die Augen fielen. Der andere trug seine dunklen Haare kurz geschoren. In einer seiner Pranken hielt er einen Regenschirm über den Kopf der Person die er begleitete. Prinz Charming und seine Bodyguards. Reizend. Der junge Mann den sie beschützen war übrigens tatsächlich ein Prinz. Er gehörte zu einer der vier Dynastien die unser Land regierten. Wenn ich mich nicht irrte stand seine Familie auf Platz drei, was die Thronfolge anging. Das hieß erst müsste der derzeitige König abtreten und anschließend die Prinzessin der Crownfield Familie. Jep, ich hatte meine Hausaufgaben gemacht. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken durfte, dann war Archibald Deszortes ein Arschloch, der vorhatte das ganze Land zu versklaven und die Gesellschaft in Klassen zu unterteilen, damit er auch genau wusste, wer seiner würdig war und wer nicht. Als hätten die vier Familien, die unser Land regierten nicht schon alle Fäden in den Händen. Ich versuchte mir oft vorzustellen, wie alles vor dem dritten Weltkrieg ausgesehen hatte. Als die Menschen, die einen Chant besaßen, die Syder, noch angesehen waren und mit den normalen Menschen auf einer Stufe standen. Als sie alle in Frieden zusammen lebten und man bewundert wurde, wenn man ein magisches Talent besaß, nicht verachtet.  Das alles hatte sich geändert, als eine Familie, die Crownfields, mit besonderen Chants, andere davon überzeugten sich ihnen anzuschließen und sich über die normalen Menschen zu erheben. Es gab zwei Parteien, jene, die sich der Organisation Thunderstorm anschlossen und versuchten gegen die Crownfields vorzugehen und jene, die sich als Anhänger dieser Familie outeten. Was zuerst ein einziges Land betraf, verbreitete sich, wie ein Lauffeuer auf der Welt, Länder schlossen sich zusammen, gründeten Allianzen und der Höhepunkt des ganzen war ein Krieg, der alles, was an Geschichte zuvor existierte übertraf. Demokratien wurden abgeschafft und adelige Dynastien erhoben sich. Als im Laufe der Jahre der einzige Führer der Crownfields verstarb, verlor diese Seite an Macht und Elan. Es wurde ein Abkommen ausgehandelt. Die Seite der Rebellen und die Seite der Syder wählten jeweils zwei Familien aus, die zusammen einen Rat bildeten und einige Jahre später die oberste Regierungsform. Nach fast zehn Jahren hatten beiden Parteien den Schaden des Krieges beglichen und das Rechtssystem verbesserte sich stetig. Der demokratische Zustand, der vor dem Krieg herrschte wurde nicht wieder hergestellt und Menschen mit Chants galten seit jeher als etwas Abnormales. Das alles geschah lange, sehr lange, bevor ich überhaupt geboren wurde, aber Geschichte war Teil meiner Ausbildung und irgendwie hatten mich die Fakten immer fasziniert. Mit dem Anbruch eines neuen Jahrhunderts, das als Milleniumswende bezeichnet wurde, kamen neue Gesetzte. Das Einsetzen von Magie wurde wieder legalisiert und Syder begannen sich zu Gilden zusammen zu schließen. Die derzeitig amtierenden Königsfamilien hatten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und wie man so schön sagte, regierten es mit Recht und Ordnung. Natürlich gab es immer noch schwarze Schafe unter ihnen, aber selbst Mitglieder der vier adligen Familien mussten die Rechte einhalten und würden bei einem Bruch nicht so einfach davon kommen. Ich war so vielen Menschen mit verschiedenen Ansichten begegnetet, das es einem regelecht Kopfschmerzen bereitete zu sehen, wie einige Menschen, die das schwarze Jahrhundert, so wurde die Vergangenheit, in der all das Chaos passiert genannt, noch immer an alten Vorstellungen festhielten. Kurz gesagt: es gab Menschen, die Syder fürchteten und hassten und Menschen, die sie beauftragen und beneidetet. Ich hatte beiderlei erlebt. Als Kind hatte ich mir immer gewünscht einen so besonderen Chant zu besitzen, wie es Frost tat -  damals war ich ein richtiger Fan von ihm gewesen – aber nachdem sich das erste meiner Talente zeigte mieden mich die Kinder, mit denen ich immer gespielt hatte. Ihre Eltern verboten mir, sie weiter zu besuchen und ich verstand nicht warum. Als ich älter wurde und zu verstehen begann, was das schwarze Jahrhundert für Nachwehen hinterlassen hatte, wusste ich, dass man in dieser Welt immer auf der Hut sein musste.
Ich riss mich aus meinen Gedanken los, betrachtete Mr Deszortes und war mir ziemlich sicher zu wissen, was er von Leuten wie mir und Frost hielt. Er war ungefähr einen Kopf größer als ich, hatte ein hübsches Gesicht mit adligen Zügen, seine hohen Wangenknochen und die gerade Nase sprachen eindeutig dafür und verblüffend grüne Augen. Wie zwei Smaragde strahlten sie aus ihren Höhlen. Das konnte mich nicht einschüchtern, aber unheimlich fand ich es trotzdem. Meine eigenen Augen waren grau wie Sturmwolken, eine Farbe, die an hellen Tagen eher Schlammpfützen ähnelte, wie Frost mich gerne einmal erinnerte und keineswegs so schön. Der Prinz war jünger als ich erwartet hatte, vielleicht ein paar Jahre älter als ich. Irgendetwas störte sein Gesamtbild, aber ich wusste nicht was. Seine Augen, es musste an seinen Augen liegen…
„Sie müssen Frost sein“, sagte Archibald mit in einer monotonen Stimmfarbe, ganz so als würde er sich verstellen. Frost stand ungerührt da und die beiden trugen ein kurzes Blickduell aus.
„Und wer ist das?“ Er deutete mit dem Finger auf mich.
„Eine talentierte Göre, die heute Nacht ihren Auftrag ausführen wird.“
„Wird sie das?“, fragte Archibald. Gott, was für ein bescheuerter Name.
„Wenn es Ihnen nicht passt können Sie gerne wieder zu ihrer Limousine zurück schleichen“, fügte ich hinzu und nun ruhten seine grünen Augen auf mir.
„Es war nicht vereinbart, dass jemand so…unerfahrenes den Job erledigt.“
„Es war vereinbart, dass jemand den Job erledigt“, erwiderte Frost. „Sie haben niemand bestimmten angefordert. Vielleicht möchten Sie Rücksprache mit dem echten Prinzen halten?“
Ha! Frost hatte es auch bemerkt!
Der falsche Archibald zog elegant eine Augenbraue hoch.
„Wie konnten Sie den Glamour durchschauen?“, fragte er.
„Bitte“, sagte ich spöttisch. „Das soll ein Glamour sein? Erstens würde kein Prinz, sich wahrhaftig allein nachts aus seinem sicheren Palast begeben und zweitens sind diese Augen so leuchtend hell, das die Farbe nur unnatürlich sein kann. Wer hat euch einen so billigen Glamour verkauft, wenn er noch nicht einmal eine echte Augenfarbe hinbekommt? Lass mich raten…Mary Serpens Gilde, richtig? Die alte Hexe sollte endlich in den Ruhestand gehen.“
Ich verabscheute sie. Nein, ich hasste sie. Aber das war eine andere Geschichte, wieder eine, die nicht in diese Nacht gehörte…
Archibald lächelte.
„Wenn es Ihnen nicht passt, dass er mich an seiner Stelle geschickt hat können Sie gerne auf ihre Bezahlung verzichten“, sagte er und äffte meinen Tonfall von vorhin nach. Ich antwortete nicht. Ich brauchte das Geld und Frost würde mich umbringen, wenn ich den Auftrag vergeigte.
„Schön“, sagte ich. „Sie haben uns nicht genau gesagt, um welches Grab es sich handelt.“
„Es liegt etwas weiter östlich. Eine Frau namens Aloise Hitchen.“
Das genügte an Information. Grab und Name. Mehr mussten wir nicht wissen.
Finde das Grab. Erwecke den Toten. Lass den Auftraggeber seine Fragen stellen. Versiegle das Grab endgültig. Schnell, einfach, effizient. Das würde ich hinbekommen. Ich hatte die Nekromanten oft bei ihrer Arbeit beobachtet. Es hatte nicht besonders schwer ausgesehen, aber Frost wurde nie müde zu wiederholen, dass man dafür Talent benötigte – was ich nicht hatte – und einen konzentrierten Verstand – den ich nie aufbringen konnte. Frost fielen immer neue Dinge ein, die es an mir zu bemängeln gab. Ich konnte die Gelegenheit nutzen, im ihn zu beweisen, was in mir steckte. Nein, ich würde es für mich tun. Wenn ich erst einmal einen richtigen, echten Auftrag erledigt hatte würden die anderen der Gilde mich sicher respektieren…okay, Wunschtraum. Mit etwas Glück würden sie aufhören sich das Maul über mich zu zerreißen. Warum man mich aufgenommen hatte und blablabla…
Mindi sagte immer, das seit meiner Ankunft dort nichts Aufregenderes geschehen war, über das es zu lästern galt. Mindi war Frost Nichte und die einzige, die ich ansatzweise als Freundin betrachtete. 
„Fallon“, zischte Frost. Ich sah ihn an und nickte grimmig.
„Ich möchte Sie bitten mir die Berechtigung zu übergeben“, forderte ich Archibald auf und stellte dabei meinen freundlichste Miene zur Schau. Er warf einem seiner Beschützer einen kurzen Blick zu und dieser zog eine Pergamentrolle aus dem Innenfutter seines Jacketts. Ich nahm das Dokument entgegen und prüfte das Wachssiegel, dann brach ich es, um den Inhalt auf seine Richtigkeit zu prüfen. Etwas mit Blut zu schreiben war der einzige Weg ein Dokument herzustellen, das nicht verändert werden konnte. Es gab keine Magie, keinen Chant, der etwas so willensstarkes wie ein Blutdokument ändern konnte. Deshalb war dies die einzige Berechtigung, die wir akzeptierten. Es genügte, es in den Händen zu halten, um zu spüren, ob es echt war oder nicht. Jemand war bei der Anfertigung entweder besonders dumm oder besonders klug gewesen, denn es erlaubte dem Träger des Papiers das Öffnen des Grabes von Aloise Hitchen. Dem Träger, niemand Bestimmten, so etwas war eine Seltenheit. Normalerweise gab es immer eine Person deren Name auf dem Dokument eingetragen war. A S H? Aloise Hitchen hatte es selber aufgesetzt? So musste es sein, sie hatte sicher einen zweiten Namen, den wir nicht kannten.
„Stimmt etwas nicht?“, fragte Frost mit leiser Stimme.
„Nein, alles in Ordnung.“
Mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen sah Archibald mich an.
„Dann folgen Sie mir, verehrte Nekromanten.“
Im selben, unglaublich langsamen Tempo ging er voran, um uns den Weg zum Grab zu zeigen. Während ich so hinter ihm her ging, hätte ich ihm am liebsten in den Arsch getreten. Ich wäre fasst mit ihm zusammen gestoßen, als er abrupt stehen blieb. Er stieß etwas aus, das nach einem Knurren klang.
Ich lugte am ihm vorbei und sah die Quelle seines Ärgers. Das Grab war bereits geöffnet wurden. Nicht auf eine professionelle Art, sondern auf eine ganz grauenhafte. Erde lag überall verstreut, als wäre das Grab explodiert. As ich in das Loch sah würde mir fast übel. Zwischen zertrümmerten Sargbrettern, lag die Leiche von Mrs Hitchen, den toten Körper vollkommen verdreht, als habe ihr jemand sämtliche Gliedmaßen gebrochen und – ihr Kopf fehlte. Ich stauchelte fast, als ich zurück trat und Frost schob mich grob zur Seite.
Der falsche Archibald stand einfach stumm dar und starrte auf eine Stelle neben dem Grabstein. Zögernd trat er näher heran und beugte sich hinab.
Seine Begleiter rührten sich nicht, zeigten keine Regung.
„Ich alarmiere die Wächter“, sagte Frost.
„Nein!“, zischte Archibald tödlich. „Niemand unterrichtet die Wächter.“
„Das haben Sie nicht mehr zu entscheiden“, erwiderte Frost. „Dieser Vorfall muss gemeldet werden.“
Ich atmete ein paar Mal tief durch und versuchte meine zitternden Knie wieder zu beruhigen. Reiß dich zusammen, Fallon! Doch das war gar nicht so einfach. Eine enthauptete Leiche, ein geschändetes Grab…wer zur Hölle hatte das getan?
„Können Sie feststellen, ob sie geweckt wurde?“, fragte der Prinz. Frost ging nicht darauf ein. Ich zwang mich die Leiche ein zweites Mal anzusehen und mein Blick glitt hinunter zu ihren Handgelenken. An dem rechten war ein kleines, rotes Symbol eingebrannt. Man hatte sie geweckt. Jemand war vor uns hier gewesen, hatte Aloise von den Toten zurück gebracht und ihre Leiche danach für alle anderen unbrauchbar gemacht. Prinz Archibald würde seine Antworten niemals erhalten.
„Hören Sie“, begann Archibald und seine Stimme änderte die Tonfarbe beim sprechen. „Es ist wichtig. Sie müssen mir helfen. Es geht hier um weitaus mehr, als Sie sich vorstellen können.“
„Natürlich können Sie nichts genaueres sagen“, antwortete Frost kalt. „Sie machen sich keine Gedanken darüber, wie es für Fallon und mich aussehen wird, wenn man dieses Grab so vorfindet, sondern nur Gedanken, um ihr Anliegen. Schein so, als hätten Sie ein paar Feinde, Mr Deszortes.“
„Sie haben Recht, ich kann Ihnen keine Informationen geben, aber ich kann…“ Er zog sich einen Ring von seinem linken Mittelfinger. „Das hier tun.“
Noch während er sprach löste sich der Glamour von ihm, als streifte er eine zweite Haut ab. Schimmernd löste sich das Gesicht von Archibald Deszortes auf und zurück blieb ein anderes. Der Unbekannte zog sich zwei weitere Ringe vom Finger und augenblicklich verflüchtigten sich beide seiner Begleiter zu schwarzen Nebel, der eine Sekunde in der Nachtluft verharrte und dann die Form zweiter Krähen annahm. Die Vögel flogen auf und davon. Ich starrte ihn mit offenem Mund an. Er hatte absichtlich einen schlechten Glamour benutz, um die Aufmerksamkeit von seinen Begleitern abzulenken! Oder vielleicht, um eine Täuschung, die keine war zu verschleiern? Ich war  verwirrt und gleichzeitig beeindruckt.
„Clive Crownfield“, sagte Frost, der den Jungen anscheinend kannte.
„Was?“, stieß ich hervor. Doch jemand aus einer der königlichen Familien?
Der Junge, der nun ein weicheres Gesicht hatte, hellblondem, statt dunklem Haar und blauen statt grünen Augen nickte ernst.
„Das ist mein Name. Ich biete Sie, Frost, sie müssen mir sagen, ob jemand Aloise erweckt hat.“
„In der Tat“, antwortete Frost. „Es kann nicht besonders lange her sein. Das Zeichen an ihrem Handgelenk ist frisch. Fallon und ich waren eine Stunde vor der vereinbarten Zeit hier, das heißt der Täter muss früher zu geschlagen haben.“
Clives Miene war ein Zusammenspiel aus Erkenntnis und Sorge.
„Sie müsse gehen. Ich werde mich darum kümmern, das niemand erfährt, das sie heute Nacht hier waren.“
Frost wand sich ohne Diskussion ab, als wolle er dem Befehl folge leisten.
„Was geht hier vor?“, fragte ich an niemanden bestimmten gerichtet. Frost kannte Clive. Frost beantwortete seine Fragen und…das alles ergab keinen Sinn. Etwas vor den Wächtern verheimlichen? Warum?
Frost packte meinen Arm. „Fallon, wir gehen.“
„Nein“, erwiderte ich und riss mich los. „Und fass mich nie wieder so an!“
Ich schritt an dem Grab vorbei auf den Grabstein zu, aber Clive versperrte mir den Weg. „Du solltest auf deinen Lehrer hören.“
„Was steht auf dem Grabstein?“, wollte ich wissen.
„Geh oder du wirst es bereuen.“
„Sagt der falsche Prinz, der doch einer ist.“
Clives dunkelblaue Augen sahen mich entschlossen an.
„Geh!“, wiederholte er mit Nachdruck.
„Ich mag Lügner nicht. Ich mag Geheimnisse nicht.“
„Das geht uns nichts mehr an, Fallon. Komm oder ich sorge dafür, dass man dich aus der Gilde wirft“, mischte sich Frost ein. „Sofort.“
Ich senkte den Kopf, so, als würde ich kurz nachdenken und meine Augen suchten, so schnell es mir bei der dämmrigen Beleuchtung möglich war, den verwitterten Grabstein ab. Eine verwitterte Inschrift, ein Zitat, der Abdruck eines Engels…nichts ungewöhnliches, bis auf…einen kleinen Blitz in der untersten Ecke des Steins, leuchtend, in scharlachroter Farbe oder Blut.
„Fallon!“, brülle Frost so heftig, das es mir durch Mark und Bein drang. Mit einem letzten verärgerten Blick auf Clive schloss ich mich Frost an. Wir waren längst durch das Friedhofstor gegangen, als Frost begann eindringlich auf mich einzureden und mir ausdrücklich verbot, jemals, in meinem ganzen Leben, über diese Nacht zu sprechen. Ich hörte kaum zu, alles, woran ich denken konnte war der Blitz. Thunderstorm. Unheil. War es möglich, das es etwas gab, von dem alle glaubten, es sei längst ausgestorben?


- Kapitel 1, Ende -

Kommentare:

  1. Wui ein sehr interessantes Kapitel. Ich finde es gut so, wie es ist :)
    Und dein Schreibstil ist total toll :x
    Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg! Ich werde definitiv morgen wieder lesen.^^

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  2. Find ich auch, ich würde da nichts mehr ändern :)

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  3. Wow das erste Kapitel ist schon mal sehr vielversprechend. Wirst du die anderen Kapitel auch online stellen?

    glg Nadja

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  4. @lisa danke x) das freut mich :D
    @flame danke!
    @nadja: ja, werde ich, alles, was ich schreibe xD

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  5. Na, jetzt muss ich auch mal meinen Senf dazu geben ;) Mir gefällt dein Schreibstil echt gut. :D
    Wie viele Stunden hast du an dem Kapitel geschrieben? Du warst nämlich schon richtig fleißig! Weiter so!
    Hach, ich wollte schon immer mal einem Autor über die Schulter schauen xD

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  6. @lisa: danke ^^ mh, etwas mehr als 2 stunden, glaub ich :)

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