Samstag, 5. November 2011

[NaNoWriMo] Tag 5


Heute gibt’s nicht viel zu berichten.
Wochenende: Juhu! :)

Ich habe Kapitel 3 zu Ende geschrieben und es gefällt mir sehr gut. Ich bin echt vollkommen zufrieden damit. Ich hätte auch eigentlich genug Zeit, um noch mal drüber zu lesen, aber das hab ich mir ja verboten. Alles in einer Stunde geschrieben, ohne Blockade und 
mit viel Spaß dabei :)


Geschriebene Wörter: 2096

 Tadaaaaaaa ;P




Es war etwas, das ich gut konnte – mich in Angelegenheiten einmischen, die mich nichts angingen. Es war meine Neugier. Und welcher Mensch mochte es nicht Geheimnissen auf die Spur zu kommen? Vielleicht würde ich an ein Druckmittel gelangen, damit Frost mir etwas mehr über meine Herkunft erzählte. Der Gedanke gefiel mir.
Zielstrebig mied ich die großen Einkaufstraßen und schlug den Weg zum Denkmalplatz ein. Diesen einfallsreichen Namen verdankte der weitläufige Platz vor der St. Katherines Kathedrale dem steinernen Antlitz des derzeitigen Königs, Arthur Nightfall. Der Steinbildhauer, der es erschaffen hatte, hatte mit einem Timecressler zusammen gearbeitet. Durch einen Bann alterte es zeitnah mit dem echten Arthur Nightfall, so hatte ich über die Jahre hinweg beobachtet, wie der alte Mann noch älter wurde, sich sein Gesicht veränderte, härter und unnachgiebiger wurde und der einst stolze Ausdruck einer schwächeren Miene wich, als habe er seine Entschlossenheit mit jedem Tag mehr und mehr eingebüßt. Ich hatte mich schon immer gefragt, was passieren würde, wenn der König starb. Würde dieses Denkmal dann zu Staub zerfallen? Die Idee für das Denkmal hatte überall ziemlich großen Anklang gefunden, der Gedanke, der dahinter steckte war der, dass sich die Bürger so immer ein genaues Bild des Königs machen konnten. Ich verharrte eine Minute, um es genauer zu betrachten. Arthur Nightfall war in einem hohen Alter in sein Amt getreten, weil sein Sohn an einer schweren Krankheit gelitten hatte und dann gestorben war. Es war Gesetz, das der vorgeschlagene Thronfolger in einem Ausnahmefall wie diesen nur durch ein Elternteil und keine Geschwister ersetzt werden durfte. Also hatte Arthur Nightfall sich ein weiteres Mal auf den Thron gesetzt. Ich sah auf und ließ den Blick nach Norden gleiten. In der Ferne konnte ich den Lumen Tower sehen, dessen silberne Anzeigetafel in dicken, eckigen Zahlen und Buchstaben, die Tage und Stunden herunter zählte, bis der Herrschaftswechsel stattfinden würde.
Ein ewiger Kreislauf aus Veränderungen.
Ich bog in die Treskargasse ab, über in die man über einen Schleichweg hinter der Kathedrale gelangte und fühlte mich gleich heimischer. Die Treskargasse war zwar kein Schwarzmarkt, weil hier offiziell niemand etwas illegales verkaufte, aber jeder wusste, das man hier alles bekommen konnte, wenn man wusste, wo man suchen musste. Über den schmalen Gängen, dunklen Schaufenstern und schmutzigen Werbeschildern schien stets ein düsterer Schleier zu hängen, so als würde die Sonne sich weigern über diesem Teil der Stadt zu scheinen. Ich beschleunigte meine Schritte, weil man nie wissen konnte, wer sich hier so rum trieb und ich schon einigen seltsamen Gestalten begegnet war, denen ich gerne aus dem Weg ging, bis ich mein Ziel erreicht hatte. Über dem Laden hing ein Handbemaltes Schild mit der Aufschrift Tore des Todes, was weder der Name des Ladens war, noch dazu diente, auszusagen, was hier verkauft wurde. Der Laden hieß so, damit niemand es wagte ihn aufzusuchen. So wurde klar gestellt, dass die Ladenbesitzer, keine Kunden außer Nekromanten akzeptierten. Ich drückte die Klinke und ein schriller Schrei ertönte – der Ersatz für ein Glöckchen, das das Eintreten eines Kunden verriet, aber ich war diese Art von Begrüßung gewohnt und erschrak nicht mehr. Als Frost mich das erste Mal hier her mitgenommen hatte, war ich vor lauter Schreck gestolpert und hatte ein Regal umgestoßen, dessen Inhalt mich vierzig Lyx Münzen gekostet, Geld, das ich nicht hatte. Frost musste meine Schulden begleichen und ich brauchte ganze vier Monate, um ihm jede einzelne Münze zurückzahlen zu  können. Die andere Option wäre ein Tauschgeschäft gewesen, aber die Marchardi Schwestern hatten unmenschliche Vorstellungen von Tauschgeschäften. Die jüngere der beiden, Lia, saß hinter dem Tresen und hatte ihre Augen auf eine Kristallkugel fixiert, in der ein roter Nebel herum wabberte. Ihr langes schwarzes Haar reichte ihr bis zur Hüfte und floss in Wellen über ihre Arme, den Rücken und die Brust. Sie hatte ein Herzförmiges Gesicht, mit großen, smaragdgrünen Augen und schmalen Lippen, beides in dunklen Tönen geschminkt, was ihre Haut weiß wie Schnee wirken ließ. Stumm hob sie den rechten Arm und wies auf die rechte, von drei Türen, die nebeneinander lagen, die Augen unablässig auf die Kristallkugel gerichtet. Ich betrat den Raum, auf den sie gedeutet hatte und fand mich promt in totaler Dunkelheit wieder. Der Laden der Marchardi Schwestern bestand ausschließlich aus Deckenhohen Regalen voller seltsamer Dinge, die wie ein Labyrinth aneinander gereiht kaum Platz zum atmen ließen. Ich hatte noch nie eines der Zimmer hinter den drei Türen gesehen, die immer verschlossen zu sein schienen. „Fallon“, sagte eine ruhige, helle Stimme, die ich kannte. „Was willst du hier, so ganz allein?“
„Ich brauche etwas, Lacey.“
„Du hast nichts, was mich interessieren könnte.“
Das stimmte. Ich hatte nicht mehr als sechs Lyx Münzen in meiner Tasche und besaß außer einer kleinen Silberkette, die mir Mindi geschenkt hatte nichts, das man als wertvoll bezeichnen könnte.
„Es gibt immer etwas, das dich interessiert“, sagte ich rasch. Vor meinen Augen begannen kleine Lichter zu tanzen, als habe ich direkt in ein gleißendes Licht gesehen. „Für den Anfang kann ich das Aschepulver verschwinden lassen.“
Lektion Nr. 1 für Syder, die einen Deathchant haben. Du kannst alle Dinge, die der Tot berührt hat beeinflussen. Ich begann meine Fingerspitzen aneinander zu reiben. Innerhalb kürzester Zeit kräuselte sich die Düsternis zu einem kleinen Knäuel zusammen, das als schwerer Klumpen auf den Boden klatschte. Der Raum entpuppte sich als gemütliches Zimmer voller Sessel und Sitzkissen. An den Wänden hingen bizarre Masken und Regale, auf denen Gläser und Fläschchen aufgereiht standen. An der Decke hin ein kleiner, aber kunstvoller Kronleuchter, der aus unzähligen Edelsteinen bestand. Fenster gab es keine. Ich trat gegen die Aschepulverkugel, sodass sie vor Laceys Füße rollte.
„Ich glaube, du hast gerade jemandem das Leben gerettet“, sagte sie. Sie hatte unglaubliche Ähnlichkeit mit ihrer Schwester, dieselben Gesichtszüge und großen Augen, dieselben schmalen Lippen, die ihrer Miene immer etwas Ausdrucksloses verliehen, selbst, wenn sie Emotionen zeigte. Der einzige Unterschied lag darin, das Lacey mindestens zwei Köpfe größer war und ihr Haar so kurz trug, das es kaum ihre Ohren bedeckte. Frost hatte einmal erwähnt, dass sie älter war als er, aber sie wirkte kaum älter als ich selbst. Niemand würde sie älter als siebzehn, höchstens achtzehn schätzen. Die Marchardi Schwestern waren keine Syder, aber welchen Zauber Lacey auch immer für sich entdeckt hatte, er verfehlte seine Wirkung offenbar nicht.
Neben ihr stand ein Junge, der dem Aussehen nach, ebenfalls mein Alter zu sein schien. Er trug seltsame Kleidung, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Sie wirkten alt und abgetragen. Eine viel zu große Mütze, aus verblichenem Leder, um die eine Fliegerbrille geschnallt war, wie es sie nur in Museen gab, saß auf seinem braunem Haar, er trug eine Jacke und Stiefel aus dem selben Material und einen Gürtel, der aus unzähligen kleinen Taschen bestand.
„Geh und komm niemals zurück“, sagte Lacey abweisend. „Du solltest, Fallon danken, Himmelsjunge. Diese Asche ist mehr wert als euer beider Leben.“
Er verzog keine Miene, senkte den Blick und verschwand, wie befohlen. Lacey bückte sich und nahm die schwarze Kugel, ging zu einem der Regale und ließ diese in eine leere Flasche gleiten.
„Was suchst du?“, fragte sie, mir den Rücken zugewandt.
„Ich weiß es nicht genau.“
„Nun, das ist eine Herausforderung“, erwiderte Lacey und blickte über ihre Schulter. Sie wies mich an mich zu setzten und ich suchte mir ein großes flauschiges Kissen aus. Ich war noch immer darüber verwundert, wie hell und nett dieser Raum wirkte, wo der Ladenbereich, so kalt und gruselig war.
„Jemand wird versuchen meine Erinnerungen zu löschen oder zumindest versuchen, sie zu verändern. Wie kann ich das verhindern?“
Laceys Augen huschten zu der Tür, die im selben Moment auf ging.
„Ich habe ihm das falsche mitgegeben. Es wirkt nicht“, flüsterte Lia, die ich noch niemals laut hatte sprechen hören. Ihre Worte waren ein Wispern, so hauchdünn, das ich kaum verstand, was sie gesagt hatte. Lacey sah ihre Schwester an und es war mir unmöglich zu sagen, welchen Gedanken die beiden austauschten. Ein normaler Mensch hätte in diesem Fall vielleicht gelächelt oder sich bedankt, doch die Mienen beider Mädchen blieben blank. Es schaffte eine Atmosphäre, die mir das Gefühl verlieh, unsichtbar zu sein. Der stumme Bann zwischen den beiden brach abrupt und Lia schloss die Tür mit einem Knall. Verwirrt sah ich Lacey an.
„Frost war heute hier. Er ist derjenige, der deine Erinnerungen manipulieren wird. Welche Gründe er auch haben mag…natürlich kann man eine Person wie Frost nicht täuschen. Er traut keiner Menschenseele über den Weg. Lia hat ihm eine unwirksame Essence verkauft. Du musst also nichts weiter tun, als dich dumm zu stellen, Fallon.“
„Was?“, fragte ich verblüfft. „Wie konntest du, ihr wissen…was?“
Lacey seufzte. „Es ist diese dämliche Kristallkugel. Lia hat sie einem Reisenden abgeluchst. Irgendein seltsamer alter Kauz. Er besitz schwarz magische Objekte.“
„Tun das nicht viele?“, fragte ich.  
„Sicher“, sagte Lacey. „Aber, er handelt mit Blutmagie.“
„Dieser rote Nebel in dem Kristall ist Blut?“, fragte ich entsetzt. Ich hatte nicht viel über Syder gehört die Blutmagie benutzen, aber eines wusste ich: Blutmagie zählte zu den acht reinen Künsten. Chants, die von mächtigen Sydern ausgeführt wurden. Chants, die einer verbotenen Kategorie angehörten, weil sie moralisch nicht vertretbar waren. Die acht reinen Künste waren nicht verboten worden, aber bei all den Gesetzten, die man als Syder beachten musste, nutze einem ein solcher Chant kaum etwas. Deathchants waren der Liste knapp entgangen. „Dieser Typ ist also ein Rang Zero Syder?“
Zero war die höchste Klasse, in die man als Syder eingeteilt werden konnte. Ich glaubte, das, wenn jemand sich je dazu bekennen sollte einen solchen Rang inne zu halten, er augenblicklich weggesperrt würde. Die Ränge waren eine Sache, die Syder selbst eingeführt hatten. Dieses Klassensystem sollte dazu dienen, den Machtkampf unter den Gilden interessanter zu gestalten. Es gab viele rivalisierenden Gilden und viele brüsteten sich damit, besonders viele Rang A Syder an Bord zu haben. Es gab bestimmte Kriterien, unter denen man eingestuft wurde und einen Test, den man ablegen musste, wenn man achtzehn wurde. Man bekam also einen Stempel aufgedrückt, damit die normalen Menschen wussten, mit wem sie es zu tun hatten. Die Königsdynastie unterstütze diese Idee, machte aber kein Gesetz daraus. Man hatte also noch immer den freien Willen, zu entscheiden, ob man wissen wollte welchem Rang man angehörte oder nicht. Die meisten machten den Test, allein aus dem Prinzip, um ihre eigenen Chants besser einschätzen zu können. Es war eine Art von Selbstschutz. Man sagte, dass der Vorfahre der Crownfields, der, der das schwarze Jahrhundert eingeleitet hatte, ebenfalls ein Rang Zero Syder war. Da aber in den alten Aufzeichnungen, die lückenhaft und teilweise verloren waren, noch nicht einmal sein Name stand, war ich der Meinung, das es nicht mehr als ein Gerücht war.
„Also?“, sagte ich drängend.
„Nein“, antwortete Lacey. „Er handelt nur damit.“
„Trotzdem ist es der Beweis, dass es Rang Zero Syder gibt“, sagte ich nachdenklich. „Hat der Kerl einen Namen?“
„Diese Information ist kostbar“, stellte Lacey fest. „Ich denke, du hast für heute genug Informationen bekommen. Komm wieder, wenn du etwas anzubieten hast.“
Da konnte ich nicht widersprechen. „Danke“, murmelte ich zum Abschied.
„Lia mochte dich, von dem Moment an, da du unseren Laden betreten hast und das Regal umgestürzt ist“, sagte Lacey. „Es war ein Tag an dem sie fast gelächelt hat. Ich kenne Frost schon sehr lange, Fallon. Wenn er beschließt, das es besser ist, etwas zu vergessen, dann solltest du das auch.“
Für diesen Rat bedankte ich mich nicht. Ich ließ Lacey alleine, ging zu Lia, die wieder die Kristallkugel anstarrte und musterte neugierig den roten Nebel.
Regel Nr. 2 für Syder mit Deathchants: Blut, egal in welcher Form bedeutet Leben und Leben ist unbeeinflussbar für uns. Deshalb würde auch kein Nekromant in der Lage sein Dokumente für das öffnen eines Sarges zu fälschen. Die Kristallkugel hatte eine hypnotisierende Wirkung. Ich sah rasch wieder weg. „Wir sehn uns, Lia. Viel spaß mit…dem Ding.“
„Fallon?“, hauchte Lia, als ich schon fast aus dem Laden war.
„Ja?“
„Im Himmel schwebte ein kleiner Stern. Die Einsamkeit trieb ihn so fern, das all sein Licht längst verglüht war, als er endlich die Wahrheit am Ende seiner Reise sehen konnte.“
Es klang wie ein Kinderlied und jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken, wie es sonst nur Friedhöfe in einer schwarzen Nacht voller Tod taten.
„Das kommt mir bekannt vor“, sagte ich unsicher. „Ist es ein Gedicht?“
Lia schüttelte den Kopf.
„Was ist es dann?“
„Der Anfang und das Ende deiner Geschichte.“
„Das verstehe ich nicht“, gab ich zu.
„Das wirst du.“
„Dann…werde ich das wohl“, sagte ich lahm, machte auf dem Absatz kehrt und verließ die Tore des Todes so schnell, als sei ich auf der Flucht.

- Kapitel 3, Ende - 


1 Kommentar:

  1. Hi ich bin leider erst jetzt zum weiterlesen gekommen. Das Ende ist ja wirklich gruselig. Aber ich mag deine Geschichte nach jedem Teil mehr.

    glg Nadja

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