Sonntag, 6. November 2011

[NaNoWriMo] Tag 6

Wow. Die erste Woche des NaNoWriMo ist fast zu Ende.

Geschriebene Wörter: 2783


Ich muss sagen, ich hätte nicht gedacht, dass es mich wirklich so motivieren würde, immer weiter zu schreiben oder täglich zu schreiben. Irgendwie ist das ein tolles Gefühl. Ich bin auch sehr stolz auf meine Statistik. Sehr selbst! :)

Zu erreichende Wörter: 50.000

Geschrieben Worte vom 1. – 6. November:

12198

Ich habe tatsächlich über 10.00 Wörter geschrieben! :D


Trotz vieler Schwächen, freue ich mich auch darauf, das die Geschichte nach dem Beenden des 4. Kapitels endlich ins Rollen kommt…leider muss ich ab morgen wieder jeden Tag arbeiten, der einzige freie Tag ist der Dienstag, sogar das Wochenende muss ich arbeiten und ich befürchte, das ich dann wieder ziemlich unter Druck geraten werden…das gefällt mir nicht -.-

Whatever…es geht weiter…



Kapitel 4


Geflügelte Diebe

- Ivy -



Grimmler waren die Untergebenen der Wächter. Cross schickte einen Mann namens Dutch. Ich hatte ihn noch nie gesehen. Er war Mitte vierzig, hatte eine stämmige Figur, breite Schultern und trug sein Haar kurz. Seine Augen waren wachsam, sein Blick schneidend. Er traf uns an einem der Hinterausgänge der Schule und schickte einige seiner Begleiter hinein, um Ms Marbour zu holen. Dutch drängte Oz und mich in ein Elektrokart und schob die Tür direkt hinter uns zu. Wir saßen schweigend nebeneinander und warteten. Keine zwei Sekunden später startete der Wagen und flog los. Die ganze Stadt hatte Tunnelsysteme unter der Erde, die eigens dafür errichtet worden waren, um Mitglieder der Königsfamilien auf sicheren und unbekannten Wegen von einem Ort zum anderen zu bringen. Einer der Eingänge lag in direkter Verbindung zur Echelon Akademy. Das Licht vor den Fenstern wich Dunkelheit und ein beklemmendes Gefühl brauchte meine Handflächen zum schwitzen. Ich hasste diese Tunnel. Die Enge schnürte mir die Kehle zu und mein Fluchinstinkt setzte ein. Oz nahm meine Hand und drückte sie fest. „Tief durchatmen“, sagte er lächelnd. In den nächsten Stunden ging alles so schnell, dass ich später nicht mehr genau wusste, wer mir alles dieselben Fragen gestellt hatte und wessen Beschluss ich es am Ende zu verdanken hatte, dass ich nie wieder in die Schule zurückkehren würde. Kaum waren wir hinter den schützenden Mauern der Königssiedlung angekommen, trennte man Oz und mich. Dutch führte mich durch unzählige Flure, von deren Existenz ich nicht einmal geahnt hatte in das Hauptgebäude der Residenz meiner Familie, wo meine Tante Pearl bereits auf mich wartete.
Tante Pearl war eine Frau in den Siebzigern, deren hagere, dünne Gestalt mich immer einen abgestorbenen Baum erinnerte. Sie gehörte zu jener Sorte Frau, die sehr viel Wert auf ihr Äußeres legten und daher hatte sie auch heute, ihr faltiges Gesicht durch einen Hauch Make-up zum Strahlen gebracht, ihr langes, ergrautes Haar zu einer kunstvolle Frisur geflochten und trug ein hübsches, elegantes schwarzes Kleid, das die Farbe ihrer Augen zur Geltung brachte. Augen, die stets Ruhe, aber auch Bitterkeit widerspiegelten.
„Ivory“, sagte sie und schloss mich in ihre knochige Arme. Ihr vertrauter Geruch nach Seife und Vanille verdrängte den Rest meiner Platzangst.
„Wir haben einiges zu besprechen.“
Und mit diesem Satz fing die Fragerei an. Mehr als drei Stunden verbrachte ich im Teesaal, damit bekannten und unbekannten Gesichtern jede Einzelheit wiederzugeben. Über Ms Marbours Verhalten. Clives Hologramm. Die wichtige Nachricht. Ich beantworte alles ehrlich und gewissenhaft, aber ein Detail ließ ich aus: den Ort, an dem er mich treffen wollte. Es würde sich wie ein Verrat anfühlen, wenn ich diesen Treffpunkt verriet. Clive hatte die Botschaft verschlüsselt, damit ich die Einzige war, die ihn verstehen konnte. Tante Pearl wich keine Minute von meiner Seite. Am Ende des Tages begleitete sie mich zu meinen Zimmern, doch anstatt mir eine Pause zu gönnen, begann sie das ernste Gespräch, von dem ich gewusst hatte, dass es kommen würde. Gefahr. Keine Akademy Besuche mehr. Sicherheit gibt es nur im Schloss. Vertrauen. Es tat ihr sehr leid. Das waren die Wortfetzen, die ich im Gedächtnis behielt, als sie mich verließ. Zum Abschied küsste sich mich aufs Haar und lächelte mich traurig an. Sie meinte es gut. Ich erwiderte, das Lächeln, wenn auch nur halbherzig. Ich hatte genickt und alles bejaht, weil es keinen Zweck hatte, mich dagegen zu sträuben. Ob ich nun mit den Meinungen, der Berater, Wächter oder meinen Eltern übereinstimmte, die Wahrheit war nicht zu leugnen: Man hatte mich gefunden. Man hatte die Akademy aufgesucht, in dem Wissen, das ich Clives Schwester war, ich seine Nachricht entwirren konnte. Jemand kannte meine Identität. Oder zumindest die Verbindung zwischen Clive und mir. Die Sorge um ihn machte mich krank.
Kopfschmerzen machten mir das Nachdenken schwerer, ich fror und die Angst vor dem Unbekannten ließ meine Hände zittern. Ich war keine Kämpferin. Ich hatte nicht das nötige Durchhaltevermögen, die Ausdauer oder die Schnelligkeit und Körperbeherrschung, die Clive besaß. Neben ihm kam ich mir immer klein und schwach vor, nicht mehr als seine jüngere Schwester. Oz hatte mir Selbstverteidigung beigebracht, aber trotz seiner Bemühungen würden mir diese Übungen niemals etwas nützen. Sobald meine Gefühle aus dem Gleichgewicht gerieten, sobald sie eine Grenze überschritten, setzte mein Chant ein und…ich warf mich auf mein Bett und vergrub das Gesicht in einem Kissen, als könne ich so die Tränen ersticken. Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging während ich einfach nur da lag und schluchzte, aber als ich es schaffte mich wieder zu beruhigen, hatte sich der Himmel vor den Fenstern verdunkelt. Ich zog die Knie an den Körper und mein Blick glitt über meine Besitztümer, die in den Augen vieler so wertvoll waren, mir aber kaum etwas bedeuteten. Meine Mutter hatte diese Zimmer für mich eingerichtet. Es war einer der wenigen Tage gewesen, die wir zusammen verbracht hatten. Ich erinnerte mich gerne daran, wie es sich anfühlte mit ihr zu Lachen, wie sie mir übers Haar gestrichen hatte und mir sagte, wie sehr sie mich liebte. Schöne Tage wie diese waren selten. Es gab strikte Zeitpläne, an die meine Eltern sich hielten. Beim bloßen Gedanken an die Abfolge aus Ratstreffen, politischen Meetings und Besuchen in anderen Ländern schwebte das Wort Langeweile wie eine Leuchttafel in meinem Geist. Zeit war es die wertvoll war. Keine hübschen Möbel, seidene Vorhänge, exquisite Gemälde oder antiker Schmuck. Ich stand vom Bett auf, ging auf einen der Balkone hinaus und ließ die Abendluft meine Tränen trocknen. Der Anblick des weitläufigen Gartens, der tausenden Hektar grüner Flächen, unzähligen Blumenbeeten und den vielen Kieselsteinwegen, die akkurat und mit viel Mühe und Sorgfalt zwischen den Stauen und Springbrunnen angelegt worden waren, ließ mich träumen. Freiheit. Als Kind hatte ich gedacht, ich würde Freiheit erlangen, wenn ich es bloß schaffte, das Ende des Gartens zu erreichen. Über die Mauer zu klettern, meine Arme auszustrecken als seien es Flügel und die Chance zu nutzen einfach davon zu laufen. Ich hatte es nie geschafft. Irgendetwas hatte mich immer angelenkt. Clive.
Wo steckst du nur? Geht es dir gut?
Jemand klopfte an die Tür und ließ sich selbst herein. Mit gesenktem Blick stellte eines der Dienstmädchen ein Tablett mit Essen auf die lange Mahagonitafel neben meinem breiten Kleiderschrank.
„Ihr solltet etwas essen, Mylady“, flüsterte sie.
„Weißt du, wo Oz steckt?“
„Der junge Herr Oscar befindet sich momentan in einem Gespräch mit König Nightfall. Er bat mich, Ihnen auszurichten, das er heute Abend vorbei schauen wird.“
„Danke, Clara“, murmelte ich und für einen Moment meinte ich Überraschung darüber, dass ich ihren Namen kannte, in ihrer Miene aufblitzen zu sehen. Irgendwo in der ferne wurden Stimmen laut und etwas ging zu Bruch. Interessiert blickte ich an ihr vorbei zur Tür hinaus. Clara versperrte mir zuerst die Sicht und als die Tür ins Schloss fiel verblichen auch die Geräusche.
Als der Geruch von Gemüsesuppe an meine Nase drang merkte ich erst, wie hungrig ich war. Widerwillig setzte ich mich an den Tisch und starrte auf das Tablett. Ein Teller Suppe, frisches Brot, Hühnchen und Pudding. Ich begann zu essen, aber bereits nach wenigen Bissen, verlor ich die Begeisterung dafür, trotz Appetit. Ich musste unentwegt an Clive denken. Missmutig schob ich das Tablett von mir weg. Clive. Clive. Clive. Wie eine Melodie war übertönte sein Name alles andere in meinen Gedanken. Ich ging zu meiner Spiegelkommode hinüber und sah die Fotos an, die in silbernen Rahmen darauf Platz fanden. Clive und ich, als Kinder am See. Wir beide, ein paar Jahre älter, bei einem Tanz auf dem Geburtstag von Lyra Deszortes. Zusammen bei einem Besuch im Museum, am Weihnachtsabend…diese Bilder wirkten alle so normal. Wenn wir zusammen waren, gewann das Leben ein Stück Normalität zurück. Ich liebte meinen Bruder so sehr, das es schmerzte. Von einem Impuls gepackt, stürmte ich aus dem Raum. Meine Schuhe hallten über den polierten Marmor. Ich begann zu rennen. Atemlos erreichte ich den zweiten Stock und hielt vor einer großen Doppeltür inne.
Langsam betrat ich Clives Zimmer, machte so vorsichtig Schritte, als würde der Boden unter meinen Füßen weg brechen, sollte ich mich zu schnell bewegen. Ich schaltete eine kleine Lampe an, die auf einem Schränkchen neben Clives Schreibtisch stand und erstarrte. Chaos. Herausgerissene Schubladen, offene Schränke, Papiere und Bücher auf dem Boden verteilt, unachtsam weggeworfene Kleidung und andere Utensilien lagen überall herum. Wie versteinert stand ich da, während mein Herz schneller schlug.
Hatte Clive das getan? Hatte jemand sein Zimmer durchsucht?
Ich schluckte schwer. Meine Augen suchten alles ab. Ein Rascheln ließ mich herumfahren und instinktiv griff ich nach dem nächst besten in meiner Reichweite – Briefbeschwerer. Welch Ironie. Die Waffe des Tages. Ich hielt den Atem an und näherte mich der Geräuschquelle, den Brieföffner fest umklammert. Dann erblickte ich ein Tier. Ein kleines Äffchen. Ich war so verdutz, das mir wortwörtlich der Unterkiefer herunter klappte. Ein kleines Äffchen, mit schwarzem Fell und einem weißem Tupfer, um das rechte Auge. Es krabbelte zwischen Clives Sachen herum und wühlte darin herum. Es richtete die Ohren auf und wackelte mit dem Schwanz, als es mich bemerkte.
Aber ein Äffchen konnte doch unmöglich dieses Chaos angerichtet haben!
Ich knipste ein weiteres Licht an und musterte das winzige Geschöpf.
„Oh, nein…“, flüsterte ich, als ich auf seinem Rücken ein Zeichen entdeckte, eingebrannt auf seine Haut, über die dort kein Fell mehr wuchs. Hastig wandte ich mich um und stieß mit jemandem zusammen. Eine Hand legte sich auf meinen Mund, eine andere presste etwas Kühles gegen meine Kehle. Ich blickte in das vermummte Gesicht eines Mannes mit gelben Augen. Er drängte mich weiter zurück, bis ich gegen eine Wand stieß.
„Ein Laut und ich schneide dir die Kehle durch“, sagte er eisig.
„Wird er nicht“, sagte eine zweite Stimme. Ein Junge mit seltsamen Klamotten trat aus den Schatten eines Vorhangs. „Wir suchen nur etwas. Mehr nicht.“
Mehr nicht? Diese beiden waren in die Residenz einer Königsfamilie eingebrochen! Ein Ort, der durch etliche Banne, Flüche und andere Chants geschützt wurde. Ganz zu schweigen von den unzähligen Wächtern, die als Sicherheitsdienst fungierten. Es war unmöglich hier herein zu kommen.
Wie hatten sie das geschafft?
Der Junge trat an mich und den Fremden heran und forderte ihn mit einer Geste auf, das Messer sinken zu lassen. Der ältere Mann grummelte etwas und ließ von mir ab. Schwer atmend sackte ich zu Boden. Der Junge beugte sich zu mir herab. „Keine Angst, wir töten keine Dienstboten. Wenn du still bist, werden wir dir nichts tun. Verstanden?“
Ich nickte rasch. Das Äffchen hüpft auf seine Schulter und er begann seinen Kopf zu kraulen. Zufrieden gab es ein paar Laute von sich.
„Hast du etwas gefunden, Piff?“, fragte de Junge, aber das Äffchen, das nicht antworten konnte, klettere auf seinen Kopf und macht es sich auf seiner Mütze gemütlich. Die ganze Erscheinung des Jungen deute auf das hin, was er war: ein Luftpirat. Ich hatte Geschichten über sie gehört, aber nie geglaubt, dass diese wahr sein würden. Es hatte seit Ewigkeiten keine Überfälle mehr gegeben. Unsere Luftflotte war gut, unsere Schiffe besser ausgestattet, als die alten derjenigen, die sich als Luftpiraten bezeichneten. Das Zeichen auf dem Rücken des Äffchens bewies es. Es waren drei senkrechte Wellen, das uralte Runensymbol für das Element Luft. Der Mann, der keine so freundliche Stimme wie der Junge hatte und anscheinend auch nur halb so wenig Geduld, stampfte nach geschätzten zehn Minuten wieder auf mich zu, packte mich am Kragen und begann mich zu schütteln. Dieses Mal war die Welle der Panik, die über mich herein brach schwächer. Ohne nachzudenken sammelte ich all meine Kraft in einem tritt, der seine Wirkung nicht verfehlte. Ich traf ihn am Schienbein und der Mann fluchte. Ich tauchte unter seinen Armen hindurch und rannte auf die Tür zu. Sie fiel direkt vor meiner Nase zu. Der Junge mit dem Äffchen packte mein linkes Handgelenk. „Das war keine gute Idee.“
„Dieses Miststück!“ Der andere war plötzlich neben  mir, griff in mein Haar und zog meinen Kopf nach hinten. „Was fällt dir eigentlich ein?“, fragte er zornig.
Ich stöhnte laut auf. „Hör auf damit, Jack!“, fuhr der Junge ihn an. Jack zog fester an meinem Haar. Tränen brannten in meinen Augen.
„Ich sagte, du sollst aufhören.“
„Oder, was? Wirst du es deinem Vater erzählen? Lass mich einfach meinen Spaß haben, wenn wir schon nicht gefunden haben, wonach wir suchen.“
„Du tust ihr weg“, stellte der Junge ruhig fest.
„Das ist der Sinn der Sache. Das kleine Biest hat mich getreten.“
Jack schubste mich, sodass ich nach vorne auf die Knie fiel.
„Sie hat Angst. Und sie ist nur ein Mädchen.“
Beide sahen auf mich hinab. Ich ballte die Hände zu Fäusten. Das Äffchen sprang von der Mütze des Jungen und tapste auf mich zu. Seine kleinen Finger nestelten an meiner Kleidung, dann meinem Haar und schließlich an der Kette, die ich trug. Ich wollte ihn von mir herunter zerren, aber ich brachte es nicht fertig, ein so winziges Geschöpf zu verletzten.
„Piff, was…?“ Die Augen des Jungen leuchteten auf. „Sie hat es!“, entfuhr es ihm fassungslos. „Bist du etwa…?“ Als wäre ihm bewusst, was er soeben ausgesprochen hatte drehte er sich blitzschnell um, aber Jacks Faust sauste bereits auf sein Gesicht zu und er schaffte es nicht mehr auszuweichen. Ich nutze die Gelegenheit, um aufzustehen und eilte auf Clives Kleiderschrank zu. Er hatte dort immer eine Waffe versteckt. Er war sich sicher, dass ich es nicht wusste, aber ich hatte ihn einmal dabei beobachtet, wie er sie dort verstaut hatte. Ich schob die Kleider auseinander, riss zielstrebig ein loses Brett aus der Rückwand und griff hinein. Meine Finger schlossen sich um etwas Hartes und ich zog es heraus, drehte mich um und hielt das Gefundene empor. Eine leere Schwertscheide. Wo war seine Mecherpistole? Ein Lachen ließ mich zusammen zuckten. Jack baute sich vor mir auf. Er war drei Köpfe größer als ich und bestimmt auch dreimal so schwer. Hinter ihm richtete sich der Junge langsam vom Boden auf. Das Äffchen, das noch immer an meinem Hals hing, wie eine viel zu schwere Kette, kreischte. Wie konnte bei all dem Lärm niemand etwas bemerken? Jemand musste doch etwas hören!
„Gib mir dein Medaillon, Prinzessin!“, forderte mich Jack auf. Er riss sich die Maske vom Gesicht und entblößte sein entstelltes Gesicht. Er hatte ein blindes Auge, seine Haut war pockenarbig, als hätte man sie verbrannt und sein Mund war voller fauliger Zähne. Die gierigen Finger des Affen begannen wieder an der Kette zu zerren. Clive hatte sie mir geschenkt. Sie war nicht mehr als ein Stück Metal, das aussah wie ein Schlüssel ohne Zähne. Nach all den Ereignissen, mit denen er zu tun hatte, durfte ich mir aber sicher sein, das sie alles andere als wertlos war.
„Ich bin die Prinzessin“, sagte ich. „Und somit ein Syder. Ich habe einen Elementechant, Feuer“, fuhr ich überzeugend fort. „Ich werde diese Kette schmelzen, wenn ihr nicht sofort verschwindet. Ich werde sie zerstören!“
Ich ließ die Schwertscheide fallen und fuhr mit meinen Fingern zu dem Anhänger, der auf meiner Brust ruhte.
„Du bluffst. Ich werde sie dir von deinem toten Hals reißen.“
Jack warf sich auf mich und wir gingen zu Boden. Das Äffchen hatte sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Der Sturz presste mir sämtliche Luft aus den Lungen und ich versuchte vergeblich zu schreien. Seine rauen Finger streiften über mein Gesicht, den Hals hinab.
Du solltest niemals vergessen, dass du einen Chant hast, Ivy. Er wird dir eines Tages das Leben retten. Versprich mir, dass du ihn nicht vergisst. Clives Worte in meinem Geist gaben mir Mut und Kraft. Tödliche Ruh tilgte die Frucht. Als habe ich keine Kontrolle mehr über meinen Körper, bewegten sich meine Hände, ohne das ich es beabsichtigt hatte. Meine Hände schlossen sich um Jacks Gesicht und im gleichen Moment wurde auch er ruhig, hörte auf sich zu bewegen. Sein Körper begann zu zittern, er schloss die Augen, rollte von mir herunter und blieb regungslos liegen. Seine Brust hob und senkte sich und ich wollte schon erleichtert ausatmen, als ein Schauder seinen Körper überwältigte und sein Atem mit seiner letzten Bewegung erstarb. Zeitgleich flutete Jacks gesamte Lebenspanne vor meinem inneren Auge vorbei, drückte als solch schwere Last auf meine Seele, das mir Übel wurde und der Schrei, der mir eben noch in der Kehle gesteckt sich endlich befreite. Er erstarb erst, als meine Stimme wegbrach. Ich fühlte mich benommen und ausgelaugt und schaffte es nicht mehr mich aufzurichten. Hilflos lag ich neben der Leiche eines Mannes, den ich durch meinen Chant getötet hatte.
Mein Blick verschwamm. Ich spürte, wie mir die Kette vom Hals genommen wurde und hörte den Jungen ein paar undeutliche Worte flüstern. Dann wurde alles um mich herum schwarz. Und in der einsamen Dunkelheit, war alles, was blieb Erinnerungen, die nicht mir gehörten.

- Kapitel 4, Ende - 










Kommentare:

  1. Wow ich habe irgendwie das Gefühl jeder neue Teil ist noch spannender als der letzte. :D

    glg Nadja

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  2. @nadja: vielen, vielen lieben dank :)

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  3. OMG! der chant ist echt grausam, ich kann ivy echt verstehen! ich liebe deinen stil und deine geschichte und ich bewundere dich, weil ich wollte eig. auch mitmachen, aber mir fehlt dafür iwie das durchhaltevermögen...:(

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