Montag, 7. November 2011

[NaNoWriMo] Tag 7

Heute Mal ganz kurz.

Doofer Tag, viel Arbeit, wenig Zeit zum schreiben.

Geschriebene Wörter: 1098

Badadabaaaaaaam…



Kapitel 5

Falsches Vergessen

- Fallon -



Die Gilde der Nekromanten war eine alte Villa im gotischen und viktorianischen Stil. Die Außenfassade des Gebäudes hatte sich im Laufe der Jahre abgenutzt und von der Farbe war kaum noch etwas übrig geblieben. Einige der Fensterläden hingen schief und manche fehlten ganz. Die Villa hatte breite Erkerfenster, war durch jede Menge Stuckaturen verziert und besaß zwei Türme im Nordflügel, auf dem kleineren der beiden, der ein Spitz zulaufendes Dach hatte saß ein Wasserspeier, der mich jedes Mal mit seiner hässlichen Fratze anzustarren schien, wenn ich den langen Weg zur Villa hinaufging. Das Gründstück der Gilde war alles andere als schön. Es grenzte – wie sollte es auch anders sein – an einen kleinen Friedhof und eine Kapelle an, der Garten war völlig verwildert und manchmal kam es mir vor, als sei ich auf einer Expedition, weil jedes Mal eine neue Pflanze oder neues Unkraut aus dem Boden geschossen war und den abgetretenen Weg für sich beanspruchte. Wenn das Gras noch hoher wachsen würde, bräuchte ich einen Kompass um die Eingangstür zu finden. Und die Steinmauer, die das Gebiet umschloss wurde dann auch unnötig. Lord Dashby hatte einmal erwähnt, dass er den Fler, den das Ganze verströmte sehr mochte. Wahrscheinlich, war das seine Methode, um das Image unsere Gilde aufrecht zu erhalten. Die bösen, gruseligen Totenbeschwörer leben in der Villa des Schreckens, auf dem Land des Verderbens, von dem niemand, der es betritt je zurückkehrt. Wenn der Vollmond über der Gilde schwebte hätte man daraus eine richtig schöne Horrorgeschichte machen können. Ich musste mir aber eingestehen, dass ich die Villa genau so mochte, wie sie war. Die knarrenden Dielen über die ich als Kind gerne gelaufen war oder die kleinen Ritzen im Mauerwerk durch die ich früher hinausgespäht hatte, wenn man mir Hausarrest erteilt hatte, all das schenkte mir ein Stück Geborgenheit. Als ich mich entschlossen hatte auszuziehen hatte niemand mich aufgehalten. Es stand allen Mitgliedern der Gilde frei hier zu leben und wo immer sie auch mochten. Ich war gegangen, weil ich es nicht mehr ertragen hatte ständig beobachtet zu werden. Vielleicht war ich ein wenig paranoid, aber ich mochte die Blicke nicht, die mir überall hin zu folgen schienen, als habe Lord Dashby jeden einzelnen beauftrag mich im Auge zu behalten. Jetzt kam ich nur noch zu Unterrichtszwecken, Besprechungen oder um mir einen Auftrag vom schwarzen Brett zu suchen her. Ein Rabe flog krächzend über meinen Kopf hinweg und setzte sich auf eine kahle Eiche, nähe der Veranda. Wind kam auf und wirbelte mein Haar durcheinander. Ich trat rasch ein, damit mein Körper gar nicht erst beschließen konnte zu frieren.
„Guten Abend, Fallon“, sagte eine träge Stimme und ein Arm legte sich um meine Schulter. Logan, Dens Bruder. Die beiden waren wie Tag und Nacht. Logan erfüllte alle Klischees, die einem bei dem Wort Nekromant in den Sinn kam. Dunkel, mysteriös und wahnsinnig. Sein langes, schwarzes Haar verdeckte die Hälfte seines Gesichts, unter seinen Augen lagen tiefe Schatten und ich hatte ihn noch nie eine andere Farbe als schwarz tragen sehen. Sein Gesicht glich stets einer Trauermiene und seine Stimme, der einer sterbenden Schildkröte, rau und fipsig. Es gab Tage an denen er kein normales Wort sagte, sondern nur in Reinem, Gedichten oder Rätseln sprach. Er war einfach seltsam und roch auch seltsam. Nach Graberde und nassen Blättern. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, womit er seine Freizeit verbrachte, während Den über Büchern hockte und studierte. Trotz seinem Status als Irrer, war Logan sehr gefragt. Er übernahm immer die Aufträge, die sonst keiner wollte und er kam nie zurück, ohne auf ganzer Linie vollen Erfolg gehabt zu haben.
„Hallo, Logan“, sagte ich seinen Tonfall imitierend. Er seufzte in mein Ohr.
„Fallon, Fallon…Den hat mir von seinem Besuch erzählt. Weißt du, dass du dem Kerl ganz schön zu schaffen machst? Die Sorge um dich steht ihm ins Gesicht geschrieben. Ich finde es eher beeindruckend, wie du es immer wieder schaffst, Frosts Aufmerksamkeit gezielt auf dich zu richten. Was ist es diesmal? Wieder ein explodierter Grabstein? Hast du jemanden die ewige Ruhe gestohlen, weil du ein Grab falsch versiegelt hast?“
Ich schon seinen Arm von mir weg. „Nichts dergleichen“, sagte ich genervt. „Und sag deinem Bruder, er kann sich seine Sorge für jemand anderen aufheben. Ich bin die Mühe nicht wert.“
„Genau das habe ich ihm auch gesagt“, erwiderte Logan und grinste anzüglich. „Ich weiß doch, dass dein Herz nur mir gehört.“ Er ließ eine meiner Haarsträhnen durch seine Finger gleiten. „Ein Einzelgänger.“
„Ich muss zu Frost.“
„Sicher.“ Logan trat zurück und deutete eine Verbeugung an. „Adios.“
Ich ließ Logan stehen und rannte die breite Treppe in den ersten Stock hinauf. Frosts Unterrichtszimmer lag im Südflügel, aber ich wusste, dass er in der Bibliothek sein würde. Diesen Raum suchte er sich immer für deine Standpauken aus. Wahrscheinlich, damit die Bücherwände seine Schreie dämpften. Der Mann hatte ein ziemlich lautes Organ. Ich kannte das zur Genüge. Als ich mich der Bibliothek näherte, hielt ich neugierig an, als mein Name zur Sprache kam. Gespräche belausche war immer interessant.
„…wird das Mädchen zum Problem werden.“
Frost, ernst und verächtlich.
„Das ist Unrecht, Beckons. Sie trägt daran keine Schuld. Fallon weiß nichts. Sie kennt nicht einmal ihren Nachnamen. Sie mag vielleicht ein respektloses Gör sein, das einem immer Ärger bereitet, aber sie ist loyal und stark. Jemand wie sie hat es nicht verdient so behandelt zu werden.“
Es war schwer anhand der ruhigen Worte aus zu machen, wer Fosts Gesprächspartner war. Nicht viele nannten ihn bei seinem Vornamen.
„Ich bin da anderer Meinung“, erwiderte Frost. „Sie haben ihr vielleicht versprochen auf das Mädchen zu achten, ihr ein zu Hause zu geben, aber Sie wissen, das dies bald nicht mehr möglich sein wird. Sobald Fallon achtzehn wird, wird sie den Test machen. Sie wird herausfinden, dass sie keine von uns ist. Sie wird unserer Verderben werden.“
Keine von ihnen? Unser Verderben werden? Und wer war sie? Wovon redeten die beiden da bitte? Über meine Mutter? Über meinen Chant?
Ich drückte mich flach an die Wand und presste die Lippen aufeinander, um keinen Laut von mir zu geben. Das Gespräch wechselte abrupt in eine Sprache, die ich nicht kannte. Mit klopfenden Herzen, ging ich den Flur zurück und kam denselben Weg mit extra lauten, stampfenden Schritten entlang. Es hatte keinen Sinn in die Unterhaltung zu platzen und Antworten zu fordern. Ich musste auf anderem Weg an Erklärungen gelangen. Als ich die Bibliothek betrat war Frost alleine. Keine Spur einer andern Person. Er stand vor der Wand mit den vielen Landkarten und dem Globus. „Frost?“
„Ah, Fallon. Du bist pünktlich.“

- Kapitel 4, Forsetzung folgt -


Kommentare:

  1. ok dieser teil war eindeutig zu kurz, dafür aber wieder super spannend. ich freue mich schon auf den nächsten teil.

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  2. danke, liebe nadja ^^
    deine kommentare schaffen bei mir immer gute laune ;P

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