Freitag, 20. Juli 2012

[BUCHREZENSION]


Titel: Düsteres Verlangen
OT: This Dark Endeavor
Autor/in: Kenneth Oppel
Genre: YA, Historie, Fantasy
Buchreihe: This Dark Endeavor #1


Englisch Schwierigkeitsgrad: ?




Oder direkt beim Verlag? :)



Der Kanadier Kenneth Oppel gilt als literarisches Phänomen. Er veröffentlichte sein erstes Kinderbuch, von Roald Dahl dazu ermutigt, mit 14 Jahren. Inzwischen Veröffentlichungen von zahlreichen Romanen und Drehbücher. Er lebt mit seiner Familie in Toronto.



Deutsch
Gebunden/ 16,95€
Seiten: 384
Verlag: Belz & Gelberg


Englisch
Gebunden/ 15,00€
Taschenbuch/ 7,99€
Seiten: 304
Verlag: Simon & Schuster



 Nicht schlecht, aber auch nicht überzeugend...


Kurzbeschreibung

Die Zwillingsbrüder Frankenstein, vereint und zugleich entzweit in der Liebe zu einem Mädchen. Doch dann erkrankt der eine schwer. Dunkle Mächte sollen Rettung bringen und stellen alles in Frage, was je über das Leben, die Liebe und den Tod behauptet wurde...

Genf, um 1800: Victor und Konrad Frankenstein lieben einander so innig, wie es nur Zwillinge vermögen. Allein die schöne Elizabeth steht zwischen ihnen. Dann erkrankt Konrad plötzlich an einem lebensgefährlichen Fieber. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Victor, rasend vor Verzweiflung, ist bereit, alles für seinen Bruder zu tun. Im Chateau Frankenstein stößt er auf eine geheime Bibliothek, in der ein Buch das "Elixier des Lebens" verspricht. Dessen Zutaten scheinen der Phantasiewelt eines kranken Geistes zu entstammen. Oder doch nicht? Zusammen mit Elizabeth macht sich Victor auf die Suche. Unvorstellbare Prüfungen erwarten die beiden aber auch unerwartete Versuchungen. Was wird stärker sein: Bruderliebe oder Leidenschaft? 

Buchgestaltung

Im Englischen gibt es zum Buch Cover wie Sand am Meer und keines davon gefällt mir so richtig. Ich finde alle Cover haben eines gemeinsam und zwar spiegeln sie eine sehr düstere Atmosphäre wieder, von der ich im Buch leider nichts gespürt habe. Der Titel passt dennoch sehr gut und wurde auch gut übersetzt. Mir gefällt das deutsche Cover am besten, da es Victors Zwiegespaltenenheit toll darstellt. 

Meinung

Beim Lesen dieses Buches habe ich drei Phasen durchlaufen und dabei habe ich mich gefühlt wie auf einem Schiff. Der Boden unter meinen Füße wankte und schwankte und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich es genießen soll, das so mit meinen Gefühle gespielt wird oder ob ich es einfach satt haben sollte…tolle Metapher, oder? xD

Phase 1: Pure Begeisterung

Als ich den Klappentext las war ich wirklich hin und weg von der Geschichte oder besser gesagt, ich fand sie sehr interessant und wollte sie gerne lesen. Wie sich heraus stellte, hat der Autor hier ein paar fantastische neue und tolle Ideen, um frischen Wind in ein Genre zu bringen, das von einer nie endenen Flut an Einheitsbrei überschwemmt wird – das Ende wird wohl nie in Sicht sein.

Jeder kennt doch zumindest halbwegs die Geschichte von Frankenstein und darauf eine Geschichte aufzubauen oder besser gesagt, diese neu zu interpretieren ist hier sehr gut gelungen. Das Buch wird aus der Sicht von Victor erzählt und die Ereignisse sind immer wieder überraschend und nichts davon hat man so schon einmal gelesen/gesehen, wenn man sich die Geschichte von Frankenstein vorstellt. Hier geht es vielmehr um Victor als eine Person, nicht um irgendwelche Monster oder Verrückten.

Die Geschichte macht den Einstieg auch sehr leicht. Spannend wird von einem Kampf erzählt, von finsteren Träumen und die Charaktere, die dem Leser vorgestellt werden wirken geheimnisvoll und tiefgründig – man will mehr erfahren.

Die Welt/Zeit wird gut beschrieben, das Leben von Victor, dessen Umgebung, seine Freunde/Familie – der Autor macht einen guten Job, indem er uns seine Figuren auf eine interessante Art und Weise nahe bringt. Als es dann jedoch an den Plot geht, ging meine Beigeisterung etwas flöten…

Phase 2: Gähnende Langeweile

Was für mich zunächst spannend und unterhaltsam war, wurde schnell zu einer sehr laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangen Geschichte, bei der ich sehr oft nach dem roten Faden suchte. Im Klappentext wird bereits alles abgeklärt, was Wissenswert ist und wirklich mehr passiert dann geschlagene 150 Seiten auch nicht. Victors Bruder wird krank, der Junge will ihm helfen und zusammen mit seinen Freunden suchen sie Zutaten für einen Unsterblichkeitstrank zusammen, wobei sie Hilfe eines Alchemisten bekommen. Es gibt zwar einige nette Dialoge und auch das dauerhafte Leiden von Victors Bruder ist melodramatisch nicht zu verachten, aber so wirklich abgekauft habe ich die Absichten der einzelnen Personen niemanden.

Ein Alchemist der aus reiner Ehre einem jungen Mann hilf irgendeinen Trank zusammen zu brauen und das ganz ohne Gegenleistung? Mag ja sein, das in früherer Zeit die Menschen etwas mehr Wert auf die Ehre und ihr Wort gegeben haben, aber so selbstlos ist doch niemand? Ich konnte förmlich riechen, wo hier der Gegenspieler sein Unwesen treibt und die Naivität von Victor war teilweise echt zum Haare raufen. Dazu kommt, dass mir seine Person immer unsympathischer wurde. Er ist ein verzogener, sehr egoistischer Mensch, der seine Bedürfnisse hinter augenscheinlich guten Taten verbirgt und ohne seine Freunde kaum selbst etwas zu stande bringen würde. Jedes Mal, wenn er sich hilflos fühlte oder es war, verwandelte er sich in eine Art zickiges Kind, das herum jammert/motz, weil es seinen Willen nicht bekommt.

Seine düstere Seite ist also gar nicht so düster, sondern eher von der Verzweiflung geleitet unselbstständig und maßlos gierig zu sein. Die ganze Sache mit den „verbotenen Künsten“ aka die Alchemie-Bücher war wiederum ganz gut beschrieben. Wie Victor sich Stück für Stück in den Worten verliert und sein Wunsch nach solch einer Macht wächst – DAS war ansatzweise etwas, das ich mir unter „düsteres Verlangen“ vorstellen konnte.

Die Nebencharaktere sind ganz nett, aber neben Victor wirkt sein Bruder einfach nur blass und warum Elizabeth die Herzensdame der Brüder ist, blieb mir auch sehr unverständlich. Sie hat einige starke Momente, aber mehr kann man ihr nicht anrechnen. Ihr Charakter bedient sich einiger Klischee und ist farblos.

Phase 3: Hoffnung und unerfüllte Hoffnung

Das Liebesdreieck hat die Geschichte wirklich verbessert. Ich glaube, das ist ein Satz, den ich so kaum in den Mund nehme, aber bei diesem Roman ist es wahr. Die Konkurrenz, die Victor bis dahin immer in seinem Bruder steht, treibt ihn ab dem Zeitpunkt, ab dem er merkt, das er sie liebt, irgendwie in den Wahnsinn und das war dann auch der Zeitpunkt an dem ich endlich die knisternde Atmosphäre zu spüren bekam. Die vielen Tricks, die er benutz, um beide auseinander zu treiben waren wirklich listig und dazu sehr unterhaltsam und auch spannend.

Die Beziehungen der Charaktere untereinander wird vertief und man kann einige Veränderungen/Entwicklungen beobachten, die den Roman wieder zu einem Buch machen, das man gerne weiter liest. Zudem liegt im letzten Teil des Buches der Fokus auch wieder stärker auf den Alchemisten Künsten und man erfährt endlich etwas mehr über die ganze Sachen, die bis dahin für meinen Geschmack entweder zu wage oder zu Textbuch mäßig erklärt wurden.

Zum Ende hin baut sich auch eine enorme Spannungskurve auf und es endet nicht alles ganz so rosig für die ein oder andere Person, was zur Abwechslung auch nicht schlecht war. Trotzdem waren die Wendungen nicht gerade unvorhersehbar. Ich finde auch, dass durch das letzte Kapitel das Ausklingen der Geschichte gar nicht möglich war, obwohl ich finde, dass die Geschichte in sich abgeschlossen ist, was mich etwas gestört hat. Das soll sicher ein Hinweis auf Folgebände sein, aber mir hat da einfach das gewisse Etwas gefehlt, das einen entweder so packt, das man es kaum erwarten kann weiter zu lesen oder einen eben davon überzeugt es nicht zu wollen.


Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Spannend, aber ebenso langweilig. Mir gefiel das Buch relativ gut, aber wirklich überzeugen konnte es mich nicht. Trotz spannender Anfangs – und Endphase, fiel der Mittelteil für meinen Geschmack zu lang aus. Mir fehlte ein sympathischer Charakter im Buch und die Handlung empfand ich stellenweise als nicht nachvollziehbar.

 Ich empfehle „Düsteres Verlangen“ nur bedingt. Ein Roman für Fans der etwas langsameren Geschichten, die viel Wert auf Erzählungen legen.


5/10


 Auf Englisch ist Band 2 bereits erschienen. Auf Deutsch muss man sich wohl noch etwas gedulden, aber wahrscheinlich kann man mit dem Folgeband im August 2013 rechnen.




Für dieses Rezensionsexemplar! :)

Kommentare:

  1. Dann bin ich mal gespannt, wie es mir gefallen wird :) Hab mir die englische Ausgabe geholt... Wenn ich den Klappentext lese, spricht es mich auch total an, aber langweilige Bücher sind ja auch nicht gerade mein Ding ^^ Mal sehen, wies wird.
    LG, Katrin

    AntwortenLöschen
  2. Ich werde es nicht lesen :) Mittelmaß muss ich mir in letzter Zeit nicht antun^^ Bin ja gerade dabei Das göttliche Mädchen zu erleiden :( Schrecklich!

    AntwortenLöschen

Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D