Sonntag, 2. September 2012

[BUCHREZENSION]



Titel: Tiefenrausch
OT: Renegade
Autor/in: J.A.Souders
Genre: YA Fantasy, Dystopie
Buchreihe: The Elysium Chronicles #1


Englisch Schwierigkeitsgrad: ?




J.A. Souders besaß schon als Kind eine lebhafte Phantasie: Um mit den Monstern unter ihrem Bett Freundschaft zu schließen, erzählte sie ihnen vor dem Einschlafen Geschichten. Heute engagiert sie sich als Autorin in zahlreichen Creative Writing Workshops. »Renegade« ist ihr Debütroman. J.A. Souders lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Florida.




Deutsch
Gebunden/ 16,99€
Seiten: 386
Verlag: IVI


Englisch
Gebunden/ 14,65€
Seiten: 368
Verlag: Tor Books



Erfrischend anders? Da muss ich widersprechen!


Kurzbeschreibung

Evies Leben ist perfekt – perfekt geplant und überwacht von Mutter, der Herrscherin über die Unterwasserstadt Elysium. Schon bald soll die 16-Jährige über die geheimnisvolle Welt regieren. Doch als sie sich ausgerechnet in ihren Feind verliebt, wird klar, dass das perfekte Leben in Elysium eine einzige Lüge ist. Elysium liegt am Grund des Meeres, abgeschirmt vom Rest der Welt. Dort hat Mutter ein Paradies für all jene Menschen geschaffen, die vor den Kriegen der Oberfläche fliehen konnten. Sie organisiert den Alltag der Bewohner, schützt sie vor Gefahren und regelt sogar die Geburten. Doch dieser Friede wird teuer erkauft – Gefühle sind in Elysium verboten, Berührungen unter Liebenden werden mit dem Tod bestraft. Evie vertraut in dieses System – doch als Gavin, ein Oberflächenbewohner, in ihre Welt eindringt, weckt der junge Mann Zweifel in ihr: Warum plagen sie Erinnerungslücken? Weshalb besteht Mutter auf Evies tägliche Therapie-Sitzungen? Und wieso kann sie sich durch Gavin an Dinge erinnern, die absolut unmöglich sind? Evie erkennt, dass sie Teil eines gewaltigen Plans ist, aus dem es für sie ohne Gavin kein Entrinnen gibt.

Buchgestaltung

Ich finde es wirklich schade, dass das Mädchen auf dem deutschen Cover schwarze Haare hat und nicht blonde. Dabei wäre das Motiv ansonsten sehr gelungen! Leider kann es mit dem Englischen nicht mithalten. Evie in ihrem Garten, mit dem Ausblick aufs Meer…das Motiv sieht nicht nur zauberhaft aus, es passt auch noch gut!

Renegade ist natürlich ein absolut perfekter Titel, obwohl der deutsche Zusatz, im Zusammenhang dann gar nicht mehr passt. Übersetzt dass doch mal bitte! Renegade = Abtrünnig oder vielleicht die Abtrünnige auf Evie bezogen oder eben Gavin und dann dahinter Tiefenrausch…ähm, alles klar!

Meinung

Ich versuche jetzt mal möglichst sachlich zu erklären, was mir an dem Buch alles nicht gefallen hat und warum es eine so niedrige Wertung von mir bekommt. Ich kann echt nur ehrlich sagen, das es mir wirklich im Leserherz weh tut, dass dieses Buch so schlecht bei mir abgeschnitten hat, weil ich a) mich sehr lange auf das Buch gefreut habe und ich b) dieses als Rezensionsexemplar erhalten habe und ich keinesfalls undankbar erscheinen möchte.

Das Konzept des Buches mag auf den ersten Blick sehr viel versprechend sein und wie so viele, die vom Buch enttäuscht wurden, war mir schon klar, das es sich hier nicht um Meeresbewohner in Form von Meerjungefrauen oder magischen Kreaturen handelt. Die Idee des Buches ist, auch, wenn viele Leser diesen Eindruck gewonnen haben, keinesfalls neu oder innovativ. Es gibt unzählige ältere Bücher, sowie diverse Filme, die die Idee einer Unterwasserwelt besser dargestellt haben, als es die Autorin tut. In diesem Buch wird kaum erklärt, wie die Welt entstanden ist, erbaut wurde oder wieso genau diese Menschen dort leben. Vage Tagebucheinträge und/ oder das Ausrotten der alten Bewohner von Elysium waren mir nicht genug als Antwort.

Der Schreibstil des Buches ist schön flüssig gehalten, wie man es bei Jugendbüchern gewohnt ist und dennoch hat er seine eigene Note, die bei mir nicht so gut ankam. Evie ist zu Beginn des Buches und auch gegen Ende wie ein kleiner Robotor. Am Anfang wiederholen sich mehrere Passagen immer wieder und den Grund dafür erfährt man erst später. An sich hat mir die Idee dahinter gefallen, aber durch diese mechanische und kalte Protagonistin fiel es mir schwer, diese sympathisch zu finden. Evie ist das, was man allgemein ruhig, naiv und folgsam nennt. Ihr Charakter erschien mir bis über die Hälfte des Buches als sehr gewöhnungsbedürftig. Auch, wenn die Autorin ihre Gründe hat, Evie diese Eigenschaften zu zuschreiben, so hat es mir nicht gefallen, den Gedanken einer verwöhnten Person zu folgen, die niemals etwas hinterfragt hat oder eigenständige Gedankengänge vollbringt. Selbst in ihrem Fall kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie man so sein Leben verschwenden kann. Es liegt doch schon in der menschlichen Natur, seine Grenzen zu testen etc.

Die ersten 100 Seiten waren mir zudem ein richtiges Dorn im Auge. Evies „Mutter“ möchte unbedingt, das ihre Tochter sich verpaart und im Bezug darauf eine Entscheidung trifft, folglich wird die ersten 5/6 Kapitel fast nur über dieses Thema gesprochen und das war ehrlich gesagt etwas, dass mich nicht sonderlich interessiert hat. Zwischenzeitlich gab es einige schockierende Momente, aber ich habe die Spannung nicht gespürt, weil es bei mir so ankam, als würde die Autorin Mord und Gewalt als Stilmittel einsetzten, um den Leser aus der Reserve zu locken. Das gibt es in vielen Dystopien, aber wo mich in anderen Büchern solch perfide Kälte zutiefst erschüttert oder berührt, habe ich diese hier nur als schlecht inszeniert empfunden. Die Bewohner Elysiums leben in einer strengen Diktatur und unterwerfen sich allen Gesetzten, die ihre „Mutter“ ihnen auferlegt, egal wie grausam diese sind.

Eine kleine Wende schleicht sich in das Buch, als der Oberflächenbewohner Gavin mit Evie zusammen trifft und die beiden sich anfreunden, weil Evie von Gavin fasziniert ist. Das lustige an der ganzen Sache ist aber, das Gavin wirklich exakt die Fragen stellt, die einen als Leser brennend interessieren z.B. wie ist Elysium entstanden, warum will Evie ihm helfen oder warum ist die Mutter die alleinige Herrscherin, wenn sie doch ganz offensichtlich Elysium nicht alleine gebaut hat? –und was Evie darauf antwortet ist einfach zu komisch: Ich weiß es nicht. Das ist schon fast ihre Standart Aussage und somit fallen sämtliche interessanten Themen unter den Teppich und das Leben kann weiter gehen. Was mir auch vom ersten Moment an unbegreiflich war, war was genau beiden aneinander finden. Sie kennen sich kaum, Evie rettet ihn aber trotzdem und die Flucht der beiden gestaltet sich hier als romantische Liebe zwischen Verfolgung und Angst. Gavins Charakter ist nichts Besonderes und eine besondere Eigenschaft, die ihn auszeichnet hat er auch nicht. Evie als Person entwickelt sich aber im Verlauf des Buches weiter, mehr dazu gleich.

Nachdem die beiden sich also zusammen auf die Flucht vor der Mutter begeben, handelt das Buch – ungelogen – von nichts anderem mehr. Und jetzt kommen die vielen unlogischen Szenen ins Spiel, die mich wirklich sehr amüsiert haben. Auf ihrer Flucht passieren nämlich einige kuriose Dinge, die höchst seltsam sind. Hier mal einige Beispiele (leichte Spoiler!) Die beste Szene ist die, in der die beiden sich in einer geheimen Wand verstecken, Gavin noch einmal zurück läuft, um eine andere Fußspur zu verteilen, damit diese die Wachen ablenkt und er schnell zurück in die Wand huscht. Die Spur müsste doch folglich vom Wandschrank zur Geheimwand verlaufen, es sei denn der Junge hat zwischenzeitlich fliegen gelernt. Die Wachen kommen also, sehen die Spur, schauen in den Schrank (ui, leer!) und verschwinden darauf hin. Ebenso nehmen die Wachen Aussagen von Zeugen, die beide gesehen haben nicht ernst, denn ich zitierte (etwas wage): „Die beiden werden ja wohl nicht so dumm sein und über einen bevölkerten Platz laufen. Der Zeuge hat gelogen!“

Auf ihrer Flucht fallen Gavin dann mal eben wieder bedeutende Fragen ein und kurz darauf fallen den beiden wie durch Zauberhand die Antworten in den Schoss. Gavin fragt sich mal wieder, wie Elysium entstanden ist und SCHWUPS im nächsten geheimen Versteck finden die beiden Tagebücher. Die beiden reden über eine Rebellion und SCHWUPS finden sie Waffen, die eine gescheiterte beweisen.

Ich saß zwischendurch ungläubig vor dem Buch und dachte: WAS?!

Die ganze Handlung erschien mir einfach zu bizarr und unrealistisch. Zum Ende hin kommt es aber noch besser. Die Autorin hat hier ein, zwei wirklich tolle Wendungen eingebaut, die man so gar nicht erwartet und die auch vieles erklären und das verdient wirklich Respekt, aber leider war meine Freude darüber nur von kurzer Dauer, denn…

ACHTUNG SPOILER *bitte markieren*

Es kommt heraus, das Evie eine Vollstreckerin ist, deren Konditionierung fehlgeschlagen ist. Evie hat daher mehrere Ausraster und ermordet wahllos irgendwelche Menschen, nicht nur Wachen, sondern auch Zivilisten wohl gemerkt. Gavin sieht das aber alles ganz locker und hat keine Angst vor Evie. Irgendwann am Ende kommt dann noch eine Horde kannibalistische Zombie Experimenten Menschen, die den beiden den Weg zu den U-Booten versperren. Mir sind da fast die Augen aus dem Kopf gefallen Oo Eine gute Erklärung dafür gibt’s aber auch nicht.

SPOILER ENDE

Diese Ereignisse waren für mich sehr verirrend und der Sinn dahinter ist mir immer noch nicht ganz klar. Das Buch endet dann zwar nicht direkt mit einem Cliffhänger, wirft aber noch mehr unbeantwortete Fragen auf und kommt etwas unglückselig als Happy End rüber. Mir ist schleierhaft, wie man nach solch einer Tortour immer noch so glücklicher sein kann, nur, weil man einander hat.

Dinge, die mir am Buch gefallen haben. 1) Evie macht eine tolle Entwicklung durch, wird nach und nach menschlicher und ihr Geheimnis ist fast einen Oscar wert. Mir hat es gefallen, dass die Autorin versucht hat, ihrer Protagonistin Ecken und Kanten zu geben. 2) Der Beginn des Buches und die Beschreibungen der Orte sind wirklich schön bildlich gehalten und regten die Phantasie an. 3) Es gab auf der Flucht oftmals spannende Szenen, die durchaus unterhalten konnten.


Alles in allem hat mir das Buch nicht sehr gut gefallen. Für meinen Geschmack blieben die ganzen Versprechungen anderer positiver Rezensionen aus. Ich empfand die Geschichte nicht als erfrischend anders, die Atmosphäre war nicht fesselnd und aufregend und die Charaktere entweder stereotypisch oder unzugänglich.

Da Geschmäcker aber immer verschieden sind, so bin ich mir sicher, das „Renegade“ viele Leser begeistern kann. Es hat ein gutes Konzept und gestaltet sich sicher für andere spannender und romantischer, als für mich. Ich empfehle einfach mal in die Leseprobe hinein zuschnuppern. 


3/10



 Trotzdem ein herzliches Dankeschön an den 
IVI-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! :)

Kommentare:

  1. Geile Rezension !
    War ja voll von dir zu erwarten. Aber du hast dich echt realtiv objetiv ausgedrückt, also verstehe ich gar nicht, warum du dich so schlecht fühlst :)
    Ich fand es toll und Ende :D

    xoxo, Feyza

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  2. @Feyza: Du immer xDD xoxo? Haha :D dann xoxo zurück ;P

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Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D

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