Mittwoch, 5. September 2012

[BUCHREZENSION]




Titel: -
OT: Vado Mori
Autor/in: Markus Blättler
Genre: All Age Fantasy
Buchreihe: ?





Markus Blättler, 1967 in Basel geboren, ist beim KantonBasel-Stadt als kaufmännischer Sachbearbeiter angestellt. Er ist ausserdem Hausmann und Figurenspieler an einem Basler Kleintheater.«Vado Mori» ist sein Debüt- roman, an dem er über 3 Jahre geschrieben hat. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Basel.



Deutsch
Broschiert/ 24,00€
Seiten: 528
Verlag: Münster Verlag



Englisch
Noch nicht erschienen.
Genaueres unbekannt.


Langatmig, aber äußerst spannend!


Kurzbeschreibung

«Plötzlich erfüllt Unruhe die Basler Rheinpromenade. Ein Hund beginnt kehlig zu bellen. Verzerrte Stimmen werden laut. Gesichter drehen sich zum Flussufer. Das Kreischen einer Frau zerreißt vollends die sommerabendliche Stimmung. Die Fährglocke wird geschlagen, und Menschen setzen sich in Bewegung. Thea läßt die Becher fallen. Das ungute Gefühl, das sie bisher wie eine kleine Flamme zu kontrollieren vermochte, breitet sich nun wie ein Lauffeuer in ihr aus. ‹Kilian›, stammelt sie mit aufsteigender Panik.» Hätte Thea Blum, Schülerin am Gymnasium Leonhard, den tödlichen Unfall verhindern können? Von Selbstvorwürfen geplagt, glaubt sie immer öfter, eine fremde Stimme in ihrem Kopf zu hören. Diese flüstert ihr Unverständliches zu: «Esteradon.» Während ihr Vater sich wieder im Alltag zurecht zu finden versucht, freundet sich Thea mit Kerstin, Schulkollegin und selbsternannte Nachtjägerin, an. In ihrem Beisein entwickelt Thea gefährliche Fantasien und erlebt dabei, dass die Grenze zwischen Leben und Tod nicht unverrückbar ist – eine ebenso unheimliche wie herbeigesehnte Erfahrung: Denn Thea will ihren verunglückten Bruder wiederfinden. Dafür begibt sie sich in eine andere Welt … nach Esteradon und löst damit Ereignisse aus, deren Ursprünge weit zurück gehen – bis ins mittelalterliche Basel. Bald steht Thea vor der schwersten Entscheidung ihres noch jungen Lebens.

Buchgestaltung

Mir gefällt das Cover! Das Auge mit dem Motiv darin wirkt mysteriös und passt auch recht gut zum Thema des Buches, weil Thea schließlich anfängt ihre Augen für eine andere Welt, die der Tote zu öffnen. Vado Mori ist daher auch ein gut gewählter Titel! 

Was besonders hervor sticht, ist die Innengestaltung des Buches. Vor jedem Kapitel befinden sich Holzschnitte (zumindest denke ich, das es welche sind ;P) und die abgedruckten Bilder darauf sind einfach zum fürchten! Sie peppen die Atmosphäre zwischendurch sehr gut auf und sorgen für Gruselstimmung. Außerdem gibt es unter jedem Bild einen kleinen Vers zum Totentanz – da hat sich jemand wirklich Mühe gemacht und ich finde solche kleinen Extras in Büchern toll!

Meinung

Der Einstieg ins Buch wird dem Leser sehr leicht gemacht, denn obwohl der Autor dazu neigt seine Sätze zu verschachteln, ist sein Schreibstil wirklich gut. Eine Mischung aus Detailreichen Beschreibungen und gut geführten Dialogen, lassen sowohl die Charaktere, als auch die Umgebung sehr authentisch erscheinen.

Was mir besonders gut gefallen hat, war, das die Geschichte fast sofort startet und man mitten ins Geschehen geworfen wird. Das war ziemlich spannend und seinen Roman gleich mit einem Tod einzuleiten wirft natürlich viele Frage auf. Ein Großteil des Buches findet an Theas Schule statt. Als Leser erfährt man viel über ihren Alltag, ihre Familie und ihr Leben und das war sehr interessant beschrieben. Der Autor hat sehr viel Tiefgang in Theas Leben eingebaut und mir war sie sofort sympathisch. Sie ist eines dieser jungen Mädchen, die trotz eines Verlustes ihre Stärke bewahren und immer schlagfertig und eigenständig bleiben. Ihr Verhalten im Zusammenspiel mit ihren Klassenkameraden war dazu oft unfreiwillig komisch und es gab viele Stellen, an denen ich laut lachen musste, wenn Thea sich mit dem Klassenclown oder dem Möchtegern Schönling auseinander setzen musste. Allgemein war das ganze Geschehen an der Schule sehr realistisch beschrieben und das war mal eine gelungene Abwechslung zu den ganzen Jugendbüchern, die sich immer nur mit dem guten Aussehen der männlichen Charaktere oder deren Geheimnisse befassen!

Was für den einen also eine nette Abwechslung sein kann, wird für andere Leser aber vielleicht auch ein bisschen zu viel des Guten sein. Über zweihundert Seiten lang beschäftigt sich die Handlung nämlich viel mit verschiedenen Strängen, die einem zeitweilig etwas unwichtig erscheinen und erst sehr spät zusammen laufen. Man sollte also etwas Geduld mitbringen. Mich hat das eher weniger gestört, obwohl ich dadurch den Roman öfters aus der Hand gelegt habe, weil die vielen Informationen und Charaktere nicht immer leichte Kost waren. Der typische Jugendroman ist Vado Mori also nicht unbedingt – was eben Geschmackssache ist!

Der wohl allergrößte Pluspunkt des Buches ist aber die unverbrauchte und innovative Idee hinter dem Konzept des Romans. Es geht um den Totentanz, das Wandern in eine andere Welt und hier hat der Autor gekonnt die Gegenwart mit der Vergangenheit verbunden und sogar noch historische Ereignisse mit eingebracht! Ich fand das alles sehr faszinierend und dadurch, dass Thea im Unterricht dieses Thema bespricht, werden dem Leser auch gleich viele, wichtige Fakten geliefert. Das war eine tolle Art Info-Dumpin zu betreiben. Wobei man hier auch wieder sagen muss, dass es teilweise zu viel auf einmal zu verarbeiten gab und manche Dinge für das Ende des Buches fast irrelevant waren.

Richtig Spannung kommt auf, als Thea sich mir Kerstin anfreundet und die beiden Mädchen Stück für Stück heraus finden, was es mit der seltsamen Stimme auf sich hat, die Thea immer zu hören glaubt. Das Zusammenspiel der beiden Charaktere hat mir wirklich gefallen! Besonders toll fand ich auch, dass der Roman so fast ganz ohne Liebesgeschichte oder die Erwähnung dergleichen auskommt. Das ganze Rätsel raten und erforschen von Geheimnissen, sowie viele nette Wendungen haben der zweiten Hälfte des Buches etwas fesselndes verliehen, sodass man richtig in den Bann der Story gerät und am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte zu lesen.

Das Ende des Buches hat zudem ein packendes und auch ein wenig trauriges Finale und der Abschluss der Geschichte war so gut inszeniert, das alle Fragen beantwortet wurden. Irgendwie habe ich aber trotzdem das Gefühl, als würde da noch etwas kommen ;P


Ein sehr interessantes, gut geschriebenes Debüt, das durch tiefgründige und authentische Charaktere überzeugt, sowie mit einer neuen Idee punktet. Stellenweise ist der Roman jedoch zu zäh und etwas langatmig, was für ungeduldige Leser (wie auch ich teilweise einer bin ;D) nicht immer ganz reizvoll ist. Alles in allem empfehle ich auch den Roman trotzdem, wenn ihr a) gerne, lange detailreiche Geschichten lest oder b) einfach mal was Neues im Jugendbuch Genre sucht.

Anmerkung: Ein Preis von 24€ ist vielleicht etwas happig für ein broschiertes Buch, aber ihr bekommt hier immerhin über 500 Seiten Leseerlebnis, was man von anderen Büchern der Preisklasse nicht unbedingt behaupten kann!

7/10



 und besonders dem Autor persönlich, 
für das tolle Buch & die liebe Widmung! :)



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