Donnerstag, 9. Mai 2013

[BUCHREZENSION] Artikel 5





Titel: Artikel 5
OT: Article 5
Autor/in: Kristen Simmons
Genre: YA, Fantasy, Dystopie
Buchreihe: Article 5 #1










Kristen Simmons lebt in Tampa, Florida. Sie studierte Psychologie und Sozialarbeit an der University of Nevada und arbeitet heute als Psychotherapeutin mit Traumapatienten und Missbrauchsopfern. »Artikel 5« ist Kristen Simmons erster Roman.





Deutsch
Broschiert/ 16,99€
Seiten: 432
Verlag: IVI


Englisch
Gebunden/ 13,50€
Taschenbuch/ 7,90€
Seiten: 365
Verlag: Tor Teen







Bis zur Hälfte super, dann nur noch langweilig...



Kurzbeschreibung

Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen ... Religiöser Fanatismus hält Einzug in die Vereinigten Staaten: Wer gegen die strengen Statuten der Moralmiliz verstößt, dem stehen öffentliche Demütigung, Haft und sogar der Tod bevor. Die 17-jährige Ember lebt mit ihrer Mutter allein und versteckt. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen wird ihre Mutter verhaftet. Sie hat gegen Artikel 5 der Moralstatuten verstoßen, weil sie nicht mit Embers Vater verheiratet war. Ember wird in einer Besserungsanstalt für Mädchen gebracht und lernt dort Hass, Gewalt und fanatische Moralisten kennen. Sie weiß, sie muss ihre Mutter retten, koste es was es wolle ... und dazu braucht sie Hilfe des Mannes, der ihre Mutter verhaftet hat: Embers große Liebe, Chase.
Buchgestaltung
Mir gefällt die englische Ausgabe um Länger besser, weil sie eben sehr viel „dystopischer“ aussieht, als nur das verängstigte Gesicht des Mädchens auf der Deutschen. Es ist auch nicht so, das Ember vom Charakter her so „verstört“ oder „ängstlich“ ist, daher passt das Motiv nicht ganz so gut. Super ist jedoch, das der Titel übernommen würde, den mit dem „Artikel 5“ setzt sich die Geschichte erst in Bewegung. Das ist der Grund, warum sich Embers Leben verändert...
Meinung

„Artikel 5 ist ein Buch, dem man auch abnimmt, das es eine Dystopie ist“ – so Bouqueen bei einem ihrer Updates bei Goodreads (verklag mich nicht fürs zitieren, Jana :P) – und da kann ich nur vollkommen zustimmen! Wo viele Geschichten versuchen etwas Neues aufzubauen, setzt Artikel 5 auf das alte bewährte Konzept aus einer Regierung, die die Menschen unterdrückt, ihnen körperliche Gewalt antut und auch ansonsten die Welt in zwei Lager spaltet, das aus den Anhängern der gesetzestreuen Bürger und den Leuten des Widerstands besteht. Was mir besonders gut gefallen hat, war das die Geschichte so viel schneller ins Rollen kommt, als ich es mir ausgemalt habe. Der Klappentext verrät mal nicht alles, denn die darin genannten Situationen kommen schon auf den ersten dreißig Seiten vor. Ember landet schneller als ihr lieb ist in der Resozialisierungsanstalt und kaum dort angekommen, wird sie gezwungen sich anzupassen und geschlagen.

Etwas schade – und das zieht sich leider durch das ganze Buch – fand ich, das man als Leser so wenig über den Weltenentwurf erfährt. Man weiß zwar in etwa, wie es in Embers Welt zugeht, aber genaue oder detaillierte Informationen gibt es nicht. So folgt dieser Roman dem, was man als Dystopie Fan schon kennt und kann eher schlecht als recht an den wichtigen Stellen überraschen. Zu Gute halten kann man der Autorin dafür aber die Erzählgeschwindigkeit, denn auch, wenn Artikel 5 selten als innovativ zu bezeichnen ist, so ist das Buch in der ersten Hälfte so spannend geschrieben, das es mich sehr gut packen und auch unterhalten konnte.

Was ich wirklich sehr mochte, war, das Ember und der Love-Interest Chase sich noch von früher kennen und besonders in den Anfängen des Buches, gibt es dutzende Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit der beiden. Das hat einfach so wunderbar nachvollziehbar gemacht, wieso besonders Ember Chase gegenüber solche Gefühlte empfindet und auch, viel die Gründe erklärt, wieso beide einander wieder so rasch vertrauen. Allgemein fand ich es einfach gelungen, das die Autorin zwischenzeitlich immer wieder so tiefgründig auf das Gefühlsleben beider Charaktere eingegangen ist. Die Rückblicke sorgten außerdem ebenfalls dafür, das man sich ein gutes Bild vom alten Chase und dem damaligen Leben der beiden machten konnte.

Die Reise der beiden ist lange Zeit ein Kampf ums überleben. Mir gefiel, wie die Autorin die Flucht der beiden so abwechslungsreich gestaltet hat und sie eigentlich nie auch nur eine ruhige Minute hatten. Trotzdem schafft Simmons es, genug Momente für schöne Dialoge zu nutzen, die viele Konflikte hochschaukeln und für jede Menge Zoff und Unstimmigkeiten zwischen Ember und Chase sorgen. Es war mal etwas anderes zu lesen, wie die Protagonisten mit sich selber kämpfen, anstatt sofort die perfekte Einheit zu bilden, die unbesiegbar alles schafft. Das ist wahrscheinlich ein weitere Grund, warum ich Artikel 5 so gerne gelesen habe. Ich hatte zwar nie das Gefühl, die Charaktere komplett verstehen zu können, aber durch den hart erarbeiteten Zusammenhalt und die Pläne wurden mir beide sympathisch, weil sie nach dem Motto gelebt haben: wenn du etwas willst, musst du dafür kämpfen.

Für einige, gut eingesetzte Lacher, sorgten in der Geschichte übrigens die Klischee, die die Autorin beabsichtigt bloßstellt. So denkt Ember öfters über Dinge nach, die sie sofort verwirft und regt sich dann selber über die dämlichen Fehler auf, die sie fast begangen hätte. So wurden viele Szenen zwischen ihr und Chase unfreiwillig komisch, was mich zumindest sehr amüsiert hat!

In der zweiten Hälfte des Buches ging es allerdings mit dem Plot rasch Bergab. Ich hätte so gerne wieder etwas mehr der Abwechslung der erste Hälfte gehabt. Im Prinzip ging dort die Flucht der beiden Charaktere weiter und ich wusste zeitweilig gar nicht mehr genau, wo der rote Faden war. Oft hatte ich das Gefühl, das die Autorin dies selber nicht so genau wusste. Der Fokus lag immer auf der Rettung von Embers Mutter, aber spätere liefen beide nur noch von A nach B, dann zu C rüber zu D und die Seiten füllten sich mit meiner Meinung nach unnötigen Ereignissen.

Auch der Widerstand und die damit verbunden Charaktere kommen erst sehr spät ins Spiel und tauchen dann erst wieder gegen Ende des Buches aus. Was ich davon halten soll, weiß ich auch noch nicht genau. Für mich fühlte es sich so an, als würde da einfach etwas fehlen...die Geschichte ist nicht offen, aber auch nicht abgeschlossen.




Artikel 5 ist ein spannender Debüt Roman, der viele dystopische Elemente gut umgesetzt hat. Die Charaktere sind interessant, das Gesamtkonzept zwar nicht neu, dafür aber unterhaltsam und schnell erzählt. Leider sackt der Roman im Gesamtbild in der zweiten Hälfte zu schnell ab und die Autorin hält sich zu viel mit Nebensächlichkeiten auf, die sich bis zum Ende hin zu sehr ziehen. Trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus – für alle, die gerne Dystopien lesen, ist Artikel 5 ein vielversprechender Auftakt!






Auf Englisch ist Band zwei bereits erschienen.
Die deutsche Ausgabe kommt am 1. Oktober!






Für dieses Rezensionsexemplar! :)

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension :) Eigentlich wie immer. Dankeschön, dass du alles so genau beschrieben hast. Ich gehe dann mal gerade bei der 2. Hälfte mit weniger Erwartungen ran, damit ich nicht allzu enttäsucht werde :D

    LG, Feyza

    AntwortenLöschen
  2. Band 2 kommt im Herbstprogramm unter dem Titel "Gesetz der Rache"
    (Erscheinungstermin 01.10.2013?) :-)

    lg
    Steffi

    AntwortenLöschen
  3. Hab mal nur das Fazit gelesen, weil ich selbst gerade am Rezension schreiben bin :D Mir hat das Buch gut gefallen, das einzige was mich gestört hat, war, dass die Geschichte stellenweise so konstruiert wirkt. Und das versuche ich gerade in meiner Rezi verständlich zu erklären :'D

    AntwortenLöschen

Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...