Mittwoch, 7. August 2013

[BUCHREZENSION] Die Seele des Stachelschweins


Titel: -
OT: Die Seele des Stachelschweins
Autor/in: Anne Mehlhorn
Genre: YA, Romance, Endzeit
Buchreihe: Nein?!






Anne Mehlhorn, Jahrgang 1990, wuchs in Aue im Erzgebirge auf und studiert seit 2011 an der HTWK Leipzig Verlagsmanagement. Sie begann schon früh mit dem Schreiben von Kurzgeschichten und veröffentlichte in ihrer Jugend zwei davon in Anthologien. Mit siebzehn verfasste sie ihren ersten abgeschlossenen Roman. Neben dem Studium arbeitete sie einige Jahre lang selbständig als Werbetexterin. ›Die Seele des Stachelschweins‹ ist ihre erste Verlagsveröffentlichung.




Deutsch
Taschenbuch/ 11,95€
Seiten: 246
Verlag: Fhl


Englisch
Deutsche
Originalausgabe!






Außergewöhnlicher Roman mit Tiefgang und großem Gefühlskino!


Kurzbeschreibung

Seit er an seinem größten Traum gescheitert ist, hat Noel der Welt den Rücken zugekehrt. Die Sterne zu beobachten ist das einzige, wobei er noch Freude empfinden kann. Eines Nachts entdeckt er einen Kometen, der auf der Erde einschlagen und eine globale Katastrophe auslösen wird.

Noel beschließt, keinen vor der drohenden Gefahr zu warnen, denn weder sein eigenes noch das Leben eines anderen ist für ihn noch von Bedeutung. Doch dann lernt er Cassandra kennen. Cassandra, die alles verloren hat und die glaubt, das Leben nicht verdient zu haben.
Buchgestaltung
Zuerst wusste ich recht wenig mit Titel und Cover anzufangen, aber dahinter steckt eine ganz großartige Idee! "Die Seele des Stachelschweins" bezieht sich auf ein Zitat von Arthur Schopenhauer und ist eine Metapher für menschliches Verhalten, bei dem man sich gleichzeitig braucht und trotzdem wehtut. Diese passt perfekt zu Roman und dessen Inhalt – ich finde das ziemlich außergewöhnlich! :)
Meinung

Aufgrund der Beschreibung des Buches hatte ich eigentlich ganz andere Vorstellungen vom Inhalt. Es handelt sich hier nämlich nicht, um eine typische Liebesgeschichte, sondern vielmehr um die Geschichte zweier Menschen, deren Leben kaum noch Sinn macht, die zusammen finden und einander wieder Hoffnung schenken. Das Buch beginnt ziemlich trostlos, wodurch sofort eine melancholische Atmosphäre geschaffen wurde, welche auch den gesamten Roman über anhält. Wer also etwas düster angehauchte, ernste Geschichten nicht mag, der wird hier wohl nicht glücklich werden. Zuerst lernen wir Noel kennen, dessen Charakter ich von Anfang an sehr interessant fand. Er hängt was Ziele oder Träume betrifft richtig in den Seilen und weiß kaum noch etwas mit sich anzufangen, weshalb er beschließt Selbstmord zu begehen. Das ist zu Anfang wirklich beklemmend und das Verwunderliche an der Sache war, das die Autorin seine Gefühle so eindringlich beschreibt, das ich ihn sogar verstehen konnte. Der melancholische Touch der seiner Erzählung anhaftet, konnte mich teilweise tief berühren und hat mich zum Nachdenken angeregt. Besonders, da Noel nicht nur dieses Problem hat, sondern auch ein Geheimnis, dass das Ende der Welt bedeuten könnte! Er ist nämlich der Einzige, der um die Bedrohung mit dem Kometen Bescheid weiß...

Cassandra ist im Vergleich zu Noel sogar noch eine Ecke krasser. Ihr Leben ist gelinde gesagt beschissen. Sie hat alle Menschen verloren, die ihr etwas bedeutet haben, lebt in einem Heim für Jugendliche und steckt ständig in neuen Schwierigkeiten, weil sie es einfach nicht schafft ihren Weg im Leben zu finden. Dazu kommt, das sie zu Beginn etwas abgestumpft erscheint und gar nicht mehr in der Lage irgendetwas zu fühlen, eben wegen all der Schicksalsschläge. So trinkt sie, flucht und lässt sich wahllos von irgendwelchen Kerlen abschleppen, einfach, weil sie es zulässt und ihr das eigene Befinden die meiste Zeit egal ist.

Die beiden Charaktere sind alles andere als stereotypisch, sondern sehr authentisch. Ich fand es wirklich unglaublich gut, das man hier mehr oder weniger Anti-Helden als Protagonisten hat. Es ist eben so: Menschen sind egoistisch, nicht alle haben ein erfolgreiches oder schönes Leben und manchmal gibt es keine Hoffnung mehr, egal, wie sehr man danach auch sucht oder verlangt. Durch die schwerwiegenden Themen, mit denen man sich hier befasst, fragt man sich auch gleichzeitig, was man selber in solchen Situationen tun würde und der Gedanke war stellenweise richtig unerträglich. Umso besser fand ich, wie die Geschichten dieser zweier hoffnungsloser Menschen durch das Schicksal zusammengeführt werden und sich danach alles ändert. Auch die erste Begegnung zwischen Noel und Cassandra kam alles andere als erwartet und ich fand es gut, wie unvorhersehbar alles zustande kam.

Dabei ist das Buch in erster Linie Contemporary (zeitgenössische Literatur) und alles andere steht hinten an. Es geht viel um den Sinn des Lebens, Werte wie Respekt, Vertrauen und Freundschaft und all das baut die Autorin mit einem wundervoll poetischen Schreibstil in dieses Buch ein. Es gab in fast jedem Kapitel eine Stelle, die mich mitreißen konnte, weil sie einfach so schrecklich echt war! Man muss das wirklich selber gelesen haben, um es verstehen zu können :)

Die Charaktere entwickeln sich auch enorm im Verlauf des Plots, was mich beeindruckt hat, denn das Buch ist mit seinen wenigen Seiten ja eher ein kurzes und das es da geschafft wurde auf so viel Tiefgang wert zu legen, fand ich große Klasse!

Die Handlung hat auch was von einem-Traum-hinterher-jagen und das war der wirklich spannende Teil! Noel und Cassandra unternehmen trotz Altersunterschied, trotz Streiterein und anderer Konflikte, eine Art Road-Trip, um die Polarlichter zu sehen, weil das etwas ist, das Cassandra unbedingt tun möchte, bevor sie stirbt. Dabei hat Noel ständig die Frist im Hinterkopf, nach der besagter Komet ein Unglück mit der Kollision der Erde verursachen soll. Als Leser ist man neben ihm der Einzige/die Einzige, die von diesem Aspekt der Handlung weiß und das löst ein Gefühl der Bedrohung aus. Oft habe ich mich gefragt: wie mag das wohl ausgehen?

Die Autorin schreckt auch nicht davor zurück Themen wie Sex anzusprechen und die Weise, wie dies im Roman beschrieben wurde, gefiel mir ebenfalls gut. Es waren sehr realistische Situationen wiederzufinden und genau deswegen, würde ich das Buch auch für eine höhere Altersklasse einstufen.

Spannend wird es auch, als der Sozialarbeiter, der für Cassandra zuständig ist Noel eine Art Entführung unterstellt und aus dem netten Road-Trip eine Flucht wird. Besonders das Ende vermochte mich zu fesseln, denn da lag ich tatsächlich mit dem Ausgang der Geschichte falsch :P Der kommt nämlich sehr überraschend daher und vermittelt eine tolle Botschaft!

Tja, was soll ich sagen? Einen winzigen Kritikpunkt habe ich allerdings doch. Mir persönlich war das Buch an einigen Stellen zu kurz. Besonders viele der Dialoge, die ich sehr mochte, endeten zu schnell und mir hat in einigen Kapitel etwas mehr Handlung gefehlt. Immerhin musste man sich nie über lange Beschreibungen oder dergleichen ärgern ;)



Ein außergewöhnliches Debüt, das durch melancholisch gewebte Atmosphäre, sehr interessante und authentische Charakter und viel Spannung besticht. Ich habe mich beim Lesen auf eine ganz neue Weise unterhalten gefühlt. Es muss eben nicht immer lustig oder romantisch oder actionreich sein, sondern gerne nachdenklich und poetisch. Klare Leseempfehlung für alle die abseits des Mainstreams eine düstere Liebesgeschichte suchen! :)




An Autorin und Verlag für dieses Buch :)




Kommentare:

  1. Hey,

    Sehr positive Rezension. Der Roman liegt auch schon bei mir und da kann ich dann ja beruhigt demnächst ans Werk gehen!

    LG
    Nazurka

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  2. Das klingt toll :D Und genau nach meinem Geschmack. Super rezi tanjamausihasipupsi!

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Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D

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