Mittwoch, 18. September 2013

[BUCHREZENSION] Die drei Leben der Tomomi Ishikawa


Titel: Die drei Leben der Tomomi Ishikawa
OT: Three Lives Of Tomomo Ishikawa
Autor/in: Benjamin Constable
Genre: Mystery,Contemporary
Buchreihe: Nein!






Benjamin Constable wurde 1968 in Bristol geboren. Erst nachdem er in Bars und Clubs gearbeitet, in Bands gespielt, Bilder gemalt und Musik aufgenommen hatte, begann er, sich für Literatur zu interessieren. Im Alter von zweiunddreißig Jahren schrieb er sich für ein Creative-Writing-Studium ein, das er erfolgreich abschloss. Nun lebt er in Paris, wo er Englisch unterrichtet, Bücher schreibt und Cocktails genießt. 




Deutsch
Gebunden/ 18,95€
Seiten: 383
Verlag: Script5


Englisch
Taschenbuch/ 11,80€
Seiten: 352
Verlag: Gallery Books






Total abgedreht, anders und ziemlich mysteriös!


Kurzbeschreibung

Tomomi Ishikawa ist tot. Sie hat sich umgebracht, so steht es in dem Abschiedsbrief an ihren Freund Ben Constable. Doch Tomomi weigert sich hartnäckig, in Frieden zu ruhen. Stattdessen hinterlässt sie Ben eine Menge rätselhafte Botschaften, die ihn, ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd, durch Paris, New York und Tomomis Vergangenheit führen. Ben würde gerne glauben, dass es sich bloß um ein Spiel handelt, dass die Geschichten, die Tomomi ihm hinterlassen hat, nur Ausgeburt ihrer Fantasie sind, doch dann offenbaren sie ihm ein grausames Geheimnis. War Tomomi Ishikawa in Wahrheit eine Serienmörderin? Und ist sie tatsächlich tot? Bald weiß Ben nicht mehr, was Fiktion und was Realität ist
Buchgestaltung
Tomomi hat einen Spitznamen und zwar Butterfly z.D. Schmetterling, deshalb passt das englische Motiv wirklich gut. Trotzdem gefällt mir die Aufmachung von Scipt5 zu 100% besser. In dem Cover spiegeln sich so viele kleine Details von Benjamins Constables Reise wieder und machen das Gesamtbild zu einem echten Kunstwerk! :)
Meinung

Nachdem Lesen war ich erst einmal baff. Ich weiß einfach nicht, was ich von dem Buch halten soll, denn ein solches Extrem was meine Meinung angeht ist mir echt noch nicht untergekommen. Zu 50% habe ich das Buch geliebt und fanatisch jede Seite verschlungen und zu 50% habe ich mit offenem Mund etwas verstört die vielen Entwicklungen nicht immer gut geheißen. Egal, ob man sich entscheidet das Buch zu lesen oder nicht, ob man es mag oder nicht, eines muss man der Geschichte lassen: Sie polarisiert aufs Äußerste und zieht in einen Bann, der trotz Zwiespalt auf ganzer Linie unterhalten kann.

Die drei Leben der Tomomi Ishikawa erzählt die Geschichte von Benjamin Constable, dem Autor des Romans, der zunächst in einer Art Tagebuchform schildert, warum er seine Lebensgeschichte verfasst hat. Dabei spielt die zentrale Rolle die Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten, die merkwürdiger und mitreißender nicht sein könnte. Der Schreibstil in diesem Roman ist etwas ganz Einzigartiges. Das liegt besonders an der Art, wie die Geschichte aufgeteilt ist. Es gibt Ereignisse die in der Gegenwart geschehen, dann wieder Briefe oder Hinweise, die in die Vergangenheit entführen und zusätzlich bringen viele Nebencharaktere weitere Bruchstücke in die Erzählung mit ein. Das klingt nach einem etwas komplizierten Mischmasch, aber tatsächlich kann man als Leser immer dem Geschehen folgen, ohne dabei Probleme mit der Logik oder offenen Fragen zu haben. Obwohl hier nicht wirklich Dinge in chronologischer Reihenfolge wiedergegeben werden und vor allem Tomomis Hinweise an Benjamin durcheinander gewürfelt sind, war es gerade dieses Element der Überraschung, dass alles sehr spannend gemacht hat.

Zu meiner Verwunderung war Benjamin ein Charakter über den man kaum etwas erfährt. Man weiß nicht, was als vom Beruf her ist oder ob er eine Familie hat, eigentlich ist man nachdem Lesen kaum schlauer, was seine Person angeht. Das fand ich teils etwas schade, aber teils war dies auch ein stilistisches Mittel, um eben Die drei Leben der Tomomi Ishikawa in den Vordergrund zu stellen, Benjamin ist der Entdecker und Erzähler eines anderes Lebens oder eben dreier (was das genau bedeutet, wird hier nicht verraten, denn dabei handelt es sich um einen Spoiler).

Zusammen mit Benjamin blickt man nach Tomomis Selbstmord hinter die Fassade ihres Lebens und entdeckt dabei Geheimnisse, die wirkliche Schocker sind. Zieht die Geschichte einen schnell in den Bann sobald man auf einer heißen Spur ist, so wird man immer wieder vor den Kopf gestoßen, wenn es an die Bedeutung von Tomomis wahrem Ichs geht. Ich war mehrmals perplex, ja sogar etwas verstört, aber auch faziniert, denn die Art und Weise wie hier über Leben und Tod, Möglichkeiten und Grenzen geschrieben und nachgedacht wird konnte mich sehr oft packen. Zudem regt die Handlung mit ihrer Atmosphäre immer viel zum Nachdenken an. Man müsste auch meinen, dass ein solches Buch vielleicht in Traurigkeit oder Melancholie versinkt, aber das genaue Gegenteil war der Fall. Mit einem sehr feinen Gespür für Humor und Wortwitz gibt es hier sehr viele Stellen, die erheitern.

Der größte Plupunkt an dem Roman ist, dass er eindeutig ein Abenteuer zu bieten hat. Man muss sich auf diese seltsame und bizarre Reise einlassen können, denn ich glaube, Leser, die nicht viel Geduld haben, werden hier keinen Spaß dran haben. Damit meine ich nicht, dass das Buch langatmig oder gar langweilig war, der Autor hat eben eine sehr eigensinnige Weise an Dinge und Informationen heranzugehen und das gefällt sicher nicht jedem. Bevor man sich hier an etwas Tiefgründiges wagt, folgt immer eine Überleitung, fast wie eine Vorsichtsmaßnahme.

Es fällt mir auch wirklich schwer mehr über den Inhalt des Buches zu verraten, ohne zu viel zu sagen. Der Klappentext tut das meiner Meinung nach leider auch. Ich bin wirklich davon überzeugt, dass man unvoreingenommen sehr viel mehr Gefallen an der Geschichte haben wird! Dafür kann ich verraten, das Spannung und Mystery nie auf der Strecke bleiben. Innovativ ist auch so ein Wort, dass man sehr groß im Bezug auf Benjamin Constables Ideen schreiben kann :P

Zudem lernt man hier verschiedene Orte kennen, so z.B. Paris oder New York und die Beschreibungen waren einfach ein Traum. Ich liebe Bücher, in die man sich förmlich hinein knien kann, weil man sich an die Seite der Charaktere versetzt fühlt. Hier ist das alles sehr gelungen dargestellt worden. Das Beste ist, dass man sogar mehr als einmal etwas lernt. Viele Fakten zu Dingen, über die man in seinem Leben wahrscheinlich niemals nachgedacht hätte, werden hier sehr schmackhaft in den Fluss des Romans mit eingebunden, nicht zuletzt, weil das eines von Tomomis Hobbies war.

Doch so sehr ich das alles mochte, kommen wir jetzt mal zu dem Teil, der mir nicht so gefiel. Ich bin jemand, der sich beim Lesen immer sehr viel fragt. Unzählige Fragen über Fragen zu Benjamins Person haben mich sehr beschäftigt. Allgemein fand ich es sehr schade, dass man hier einfach so verdammt wenig über ihn erfahren hat. Zudem waren viele Stellen im Buch blutig, unverblümt und sicher nichts für schwache Nerven und das fand ich teilweise wirklich übertrieben und zugegeben etwas verstörend. Das größte Problem, das ich mit dem Roman hatte waren jedoch die Wendungen zum Ende hin. Mir persönlich haben sie einfach nicht so gut gefallen, was besonders an Benjamins lag. Er ist ein Mensch, der schnell alles akzeptiert, was man ihm vor die Nase setzte - im Gegensatz zu mir. Hier hat mir das hinterfragen von Sinn und Motiven genauso gefehlt wie die Infos zu seiner Person.




Die drei Leben der Tomomi Ishikawa ist ein sehr innovativer und absolut spannender Roman für junge Erwachsene, die Lust auf eine abenteuerliche und überraschende Reise haben. Gleichzeitig schwimmt das Buch oft so extrem gegen den Strom, dass man sicher nicht an allem Gefallen finden wird. Besonders offene Denkansätze und Wendungen, ohne Hintergrund mochte ich nicht. Hin und her gerissen gibt es aber trotzdem eine klare Leseempfehlung von mir, denn der Roman ist einfach anders. Gut anders und so herrlich makaber!





Für dieses Rezensionsexemplar! :)

Kommentare:

  1. Uh das klingt ja cool! Ich mag Bücher die "anders" sind, also ab auf die WL :)
    Lauri :)
    taste-of-books.blogspot.de

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  2. Wie ich ja schon meinte, klingt das nicht, als wäre das so meins. Schlecht klingts zwar nicht, aber eben nicht so als wär das mein Tee... Ich mag keinen Tee... Das macht keinen Sinn, ich weiß xD

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