Donnerstag, 19. Dezember 2013

[BUCHREZENSION] Wainwood House - Rachels Geheimnis


Titel: -
OT: Wainwood House –
Rachels Geheimnis
Autor/in: Sarah Stoffers
Genre: YA, Contemporary, Mystery
Buchreihe: ?
Quelle: Danke an cbj! :)







Sarah Stoffers, Jahrgang 1982, wuchs als Tochter zweier Journalisten in Hamburg und Schleswig-Holstein auf. Schon früh wusste sie, dass sie das Schreiben zu ihrem Beruf machen wollte. Für ihre Erzählungen erhielt sie bereits erste Auszeichnungen und Veröffentlichungen. Sie schrieb außerdem für Prinz, das Straßenmagazin Hinz&Kunzt und die Hamburger Morgenpost. Mit »Wainwood House - Rachels Geheimnis« legt Sarah Stoffers ihren ersten Jugendroman vor.



Deutsch
Gebunden/ 16,99€
Seiten: 526
Verlag: cbj


Englisch
Deutsche
Originalausgabe!





Historischer Roman, mal ganz romantisch und stilvoll.


Kurzbeschreibung

Strenge Regeln, dunkle Geheimnisse, große Gefühle

England, 1907. Die Ankunft des ägyptischen Waisenmädchens Jane am Landsitz der adeligen Familie Goodall sorgt für Aufruhr unter Herrschaft wie Dienerschaft. Butler Maxwell Frost sieht sich gezwungen, das Mädchen als Hausmädchen in die strenge Hierarchie der Angestellten zu integrieren, während der Earl of Derrington mit unangenehmen Erinnerungen an seine Militärzeit in Ägypten konfrontiert wird. Und es kündigen sich weitere Gäste an: Colonel Feltham, der mit dem Earl in Ägypten gekämpft hat, sowie der junge und reiche Erbe Ruben Crockford lassen das Herz von Lady Derrington höher schlagen, denn ihre Töchter Claire und Penelope sind im heiratsfähigen Alter …
Buchgestaltung
Die Gestaltung passt wunderbar zum Buch! Auf dem Cover ist ein altes, englisches Herrenhaus zu sehen, dass Wainwood House perfekt darstellen könnte. Die vielen kleinen Details sind auch sehr schön fürs Auge, z.B. das Mädchen im weißen Kleid, weil Jane genauso ihren ersten Auftritt hat, als sie sich bei den Godells vorstellt. Der Titel „Rachels Geheimnis“ umfasst das Mysterium der Handlung. Tja, alles in allem eine gelungene Aufmachung für ein gelungenes Buch! :)
Meinung

Sofort nach den ersten Seiten vom Buch wurde mir klar, dass Sarah Stoffers ein unglaubliches Talent dafür hat, Geschehnisse bunt und lebendig zu beschreiben. Die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts wurde hier sehr charmant und realistisch umgesetzt, wodurch ich rasch in die Handlung hinein gefunden habe. Obwohl das Buch mit seinen über 500 Seiten dicker ist als andere Jugendbücher, wollte ich gar nicht, dass es endet. Mit jedem Satz, jeder Zeile wurde meine Phantasie mehr beflügelt und ich habe die Art und Weise der Autorin sehr gern gewonnen. Bisher habe ich nur wenige historisch angehauchte Romane gelesen und auch nur aus einem anderen Genre. Das dieses Buch für Jugendliche konzipiert wurde ist ein Pluspunkt, wie ich finde, denn so lag großer Fokus aus den kleinen Liebesdingen und auch Freundschaften, die ich in so manch anderem Buch vermisst habe.

Wenn ich nachdem Lesen so darüber nachdenke, fällt mir auf Anhieb nichts ein, dass ich dem Buch als Schwäche zuteilen könnte. Ich hatte etwas andere Erwartungen an den Inhalt der Geschichte, aber ich wurde nicht enttäuscht. Vielmehr überrascht, denn in Wainwood House spielen sich viele Geschichten nebeneinander ab. Dabei rückten eine Charaktere mehr in den Fokus als andere und das war auch gut so. Zu den Protagonisten zählen Jane, die nachdem Tod ihrer Eltern von einem Freund derer nach Wainwood geschickt wird, um dort Arbeit zu finden und letzten Endes damit ein schweres Los gezogen hat, weil sie zuvor ein anderes Leben geführt hat. Die Tochter des Besitzers von Wainwood, Penelope, die im Schatten ihrer großen Schwester Claire steht und ziemlich wild und verrückt ist und ihr Cousin Julian, der mit ganz eigenen inneren Konflikten zu kämpfen hat. Am Anfang des Buches findet man ein kleines Glossar, da doch zu Beginn viele Namen fallen. Meiner Meinung nach hat die Autorin aber ganze Arbeit geleistet, weil man zügig die unterschiedlichen Charaktere gut auseinander halten kann.

Man liest sich gut zweihundert Seiten durch das Buch, ohne, dass dabei groß über Ägypten und das Rätsel um Jane gesprochen wird, aber das hat der Geschichte keinen Abbruch getan. Viel zu spannend waren die sozialen Verstrickungen aufgebaut, die man nach und nach kennen lernt. Junge Damen, die einen Ehemann finden müssen, verschwörerisches Geflüster unter den Dienstboten und die Beschreibungen der Zeit selbst, in der alles so anders war als in unserer Gegenwart, machen das Buch sehr unterhaltsam. Dabei gefiel mir besonders gut, wie die Autorin immer wieder die Perspektive wechselt und man Einblicke in alle Bereiche der Erzählung erhält. Folgt man Jane, lernt man etwas über Wainwood kennen, bei Penelope bekommt man immer etwas zu lachen und eine süße Romanze gleich mit und bei Julius erfährt man ziemlich unheimliche Dinge und einen Blickwinkel, der etwas neutraler, aber wachsamer ist. Die Mischung hat wunderbar funktioniert!

Hin und wieder wurden kleine Details in die Geschichte gestreut, die viele Gefühle beim Lesen wecken. Einerseits verachtet man manche der Figuren, anderseits kann man die Motive und Gedanken jener immer nachvollziehen. Sarah Stoffers hat ein Gebilde geschaffen, dass zu faszinieren weiß, weil es zwischen lehrreich und fesselnd schwankt und einen deshalb kaum noch los lässt.

Der Teil in dem Ägypten, die Ausgrabungen und die Arbeit von Janes Eltern zur Sprache kommt waren gut erklärt und haben mich was das ganze Thema angeht unheimlich neugierig gemacht. Als die erste Wende dies betreffend im Buch auftaucht, war ich wirklich hin und weg, weil man als Leser zunächst gar nicht weiß, ob man sich Dinge nun falsch zusammenreimt oder sie doch wahr sind. Wie bei einem Mystery-Thriller wird hier mit dem Glaube an die Realität gespielt.

Ab der Mitte sammeln sich immer wieder kleine Spannungsmomente an und das Ende wurde sehr logisch gestaltet. Es gibt kein übermäßiges Drama, sondern eine runde Aufklärung, über die man staunen und bei der man mitfiebern kann. Die Einbindung mehrere Handlungen und Charaktere fand ich sehr eindrucksvoll. Die vielen Konflikte zwischen den Schichten, innerhalb der Familie und mit anderen Außenstehenden setzten dem Ganze noch eine Krone auf. Gefallen hat mir auch, dass man am Ende gut mit dem Roman abschließen kann, aber sich eben nicht alles zu 100% zum Guten wendet, weil das Leben eben nicht in schwarz oder weiß zu unterteilen ist. Besonders zur damaligen Zeit wäre das unrealistisch gewesen.

Ein paar kleine Abzüge bekommt das Buch trotzdem bei mir. Ich fand das der Handlungsstrang mit Julien leider viel zu schnell abgehandelt wurde und auch was Claire betrifft hatte ich am Ende noch ein paar Fragen. Sicher, kann man sich denken, wie in etwa die Geschichten der beiden weiter gehen, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn das noch kurz gesagt worden wäre. Dann gab es da die Stelle mit der Entführung (mehr verrate ich jetzt nicht) und die fand ich leider ein klein wenig problematisch beschrieben, weil ich einfach nicht verstehen konnte, was Begleitperson X sich dabei dachte, die andere Person einfach stehen zu lassen.



Eine wundervolle Geschichte um eine Familie mit vielen Geheimnissen, eingepackt in den alten Charme eines Englands im 19. Jahrhundert und einem Herrenhaus in dem es dank facettenreicher Charaktere jeden Tag drunter und drüber geht. Obwohl man das Buch so stehen lassen kann, bin ich mir sicher, dass wir irgendwann nach Wainwood House zurückkehren werden – ich freue mich schon! :)


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