Mittwoch, 12. Februar 2014

[BUCHREZENSION] Ich bin Tess


Titel: Ich bin Tess
OT: Kiss Me First
Autor/in: Lottie Moggach
Genre: YA, Contemporary, Mystery
Buchreihe: Einzelband!
Quelle: Danke an Vorablesen.de
und den Verlag! :)






Erscheint am 17. Februar!



Lottie Moggach ist freiberufliche Journalistin, liebt ihre Heimatstadt London und hat ein Faible für das 18. Jahrhundert. In ihrer Freizeit spaziert sie am liebsten mit ihrem Sohn durch die Straßen der britischen Hauptstadt und träumt davon, in einem der georgianischen Häuser zu wohnen. Die Idee zu ihrem ersten Roman Ich bin Tess kam ihr vor einigen Jahren, als sie viel zu viel Zeit mit Facebook verbrachte.




Deutsch
Gebunden/ 17,95€
Seiten: 352
Verlag: Script5


Englisch
Gebunden/ 17,08€
Taschenbuch/ 7,80€
Seiten: 352
Verlag: Picador







Mehr Erzählung als spannender Roman...


Kurzbeschreibung

Würdest du dein Leben aufgeben, um das eines anderen zu übernehmen?
Leila hat Tess nie zuvor getroffen. Doch sie weiß mehr über sie als irgendjemand sonst.
Tess hat Leila nie zuvor getroffen. Doch wenn sie unbemerkt aus der Welt scheiden will,
muss sie Leila ihr Leben anvertrauen. Zu Beginn ist es leicht für Leila, sich online als Tess auszugeben. Niemand durchschaut ihr Spiel. Doch wie lange lässt sich eine solche Lüge aufrechterhalten? Okay, nehmen wir uns einmal dieses hypothetische Dilemma vor: Eine Frau leidet an einer Krankheit, die an und für sich nicht lebensbedrohlich ist, aber ihre Lebensqualität stark einschränkt und auch nicht heilbar ist. Nach reiflicher Überlegung kommt sie zu dem Schluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aber sie weiß, dass sie damit ihrer Familie und ihren Freunden großen Kummer bereiten würde und handelt daher nicht. Dennoch wünscht sie sich verzweifelt den Tod und an dieser Einstellung ändert sich auch über die Jahre nichts. Irgendwann kommt sie zu dir und sagt, ihr sei ein Weg eingefallen, wie sie ihren Plan in die Tat umsetzen kann, ohne ihre Familie und ihre Freunde unglücklich zu machen, aber dafür brauche sie deine Hilfe. Was würdest du tun? Würdest du ihr helfen?
Buchgestaltung
Die englische Aufmachung gefällt mir recht gut. Der Titel Kiss Me First ist eine Art Zitat und spielt besonders gegen Ende des Buches eine große Rolle. Die Wahl des deutschen Titels Ich bin Tess finde ich jedoch um einiges passender, denn das ist wirklich der Satz mit dem man alles im Buch beschreiben kann. Außerdem finde ich die Gestaltung der deutsche Ausgabe um einiges kreativer und ansprechender.
Meinung

Kennt ihr das? Nach Beenden eines Romans seid ihr euch nicht ganz sicher, ob ihr ihn mochtet oder nicht und wählt daher die goldene Mitte bei der Wertung? Genau so erging es mir mit Ich Bin Tess, denn obwohl ich ganz andere Vorstellungen von der Geschichte hatte, so gab es viele Dinge, die mich am Buch positiv überrascht haben.

Der Anfang war sehr vielversprechend. Wir lernen Leila kennen, die Protagonistin, welche zunächst die komplette Story erzählt, wie sie dazugekommen ist, zu einer anderer Person zu werden, bzw. deren Identität anzunehmen. Dabei zeigt das Buch abwechselnd verschiedene Szenarien. Zum einen sitzt Leila bei einem Verhör der Polizei und gibt bereits geschehene Ereignisse wieder, zum anderen befindet sie sich auf der Such nach der echten Tess und klappert dabei Orte ab, an denen sie Spuren dieser Frau versucht zu folgen. Dem Leser erschließt sich dadurch nach und nach die Situation. Es war wie ein Puzzle aufgebaut, bei dem einen erst zum richtigen Zeitpunkt, richtige Teile zugespielt wurden – das fand ich große klasse!

Besonders die Phase, in der man selber noch kein Bild von den Begebenheiten hat, war für mich sehr interessant. Man versucht zu begreifen, von was genau der Roman handelt und rätselt dabei eine ganze Weile mit. Leider ist Ich bin Tess nicht die Geschichte eines Mädchen, das auf spannende Weise jemand anderen sucht, vollgepackt mit rasanten Wenden, sondern die Geschichte eines Mädchen, das kaum ein eigenes Leben hat und sich deshalb aus dem Glauben heraus, jemand anderen helfen zu können, ein anderes Leben annimmt. Tess möchte nämlich sterben und Leila soll die Rolle übernehmen, nach ihrem Tod, Tess´ Familie via Internet etc. vorzugaukeln, dass diese noch lebt. Das klingt alles etwas seltsam, ist aber verständlicher als man vielleicht annehmen mag. Das Buch beschäftigt sich besonders auf den ersten hundert Seiten wahnsinnig viel mit Philosophie, Moral und Ethik. Es kommen nicht nur tiefgründige Themen wie Beihilfe zum Selbstmord vor, sondern auch etwas banalere wie z.B. dass das Internet einen zu hohen Stellenwert einnimmt. Ich fand die Sichtweise von Leila und ihre stillen Monologe sehr interessant und wurde dadurch extrem viel zum Nachdenken angeregt.

Die Autorin hegt eine große Liebe zu Details jeglicher Art. So wird nicht nur das Leben, welches angenommen wird (Tess), sondern auch Leilas komplette Hintergrundgeschichte und Einstellung durchleuchtet. Damit hatte ich bereits nach kurzer Zeit das wohl größte Problem an diesem Roman. Der Input, der dem Leser aufgedrückt wird ist wahnsinnig hoch. Dabei handelt es sich leider die meiste Zeit nicht einmal um Informationen, die wirklich relevant gewesen wären, sondern um Erzählungen und eben Details, Details, Details aus dem Alltag und der Vergangenheit beider Charaktere. Ich muss gestehen, dass ich mich ab der Hälfte des Buches fast gelangweilt habe, als immer mehr solcher Briefe, Beschreibungen oder Situationen kamen und das Buch mehr und mehr zur sachlichen Biografie wurde.

Die Szenen, in denen Leila Tess sucht, sind einfach zu knapp. Die Sache mit der Polizei läuft eher nebensächlich ab und fördert nichts zu Tage. Erst gegen Ende nimmt das Buch wieder etwas an Fahrt auf und die Handlung wird wieder abwechslungsreicher. Ich möchte nicht spoilern, aber trotz der etwas schnelleren Erzählgeschwindigkeit, fand ich die Entwicklungen doch sehr unrealistisch, die Autorin Lottie Mogach sich so ausgedacht hat. Das Buch war bis dahin nämlich sehr authentisch, wenn man nach dem bloßen Prinzip geht und besonders Leilas Beziehung zu einer bestimmten Person war einfach...unnötig vielleicht.



Eine spannende Idee, die anders umgesetzt wurde als ihr gut getan hätte. Zu viel Input und flache Beschreibungen lassen den Roman schnell zu einer Erzählung werden, nicht zu etwas, dass spannend und abwechslungsreich unterhält. Ich war lange Zeit fasziniert von dem Konzept, das einem immer näher gebracht wurde, aber ab der Mitte kam viel Langeweile auf und das Ende konnte mich nicht überzeugen.

Ich bin Tess ist weder Thriller, noch Mystery, noch wirklich Fiktion. Es fällt mir daher sehr schwer die Geschichte in ein Genre einzuordnen. Fans von langen, detailreichen Geschichten, mit Tiefgang bezüglich Hintergründen, werden das Buch sicher mehr mögen als ich es getan habe. Schlecht war es jedenfalls nicht.


1 Kommentar:

  1. Also erstmal eine schöne Rezi!
    Das Konzept des Buches ist mir auch schon aufgefallen, aber ich finde grade das macht es so spannend, will mir das Buch selbst auch noch holen (wenn ich es nicht zufällig noch vor verkaufstart irgendwo herbekomme :D), und bin dann mal gespannt wie das Ganz auf mich wirkt.

    LG Piglet ♥

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