Donnerstag, 28. August 2014

[BUCHREZENSION] Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam


Titel: Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam
OT: Girl Unmoored
Autor/in: Jennifer Gooch Hummer
Genre: YA, Contemporary
Buchreihe: Einzelband!
Zur Verlagsseite:






Jennifer Gooch Hummer hat nach ihrem Studium als Drehbuchanalystin gearbeitet und lebt mit ihrem Mann und drei Töchtern in Los Angeles und Maine. Für ihren Debütroman „Der Sommer, als Chad ging und Daisy kam“ wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mehr über sie unter www.jennifergoochhummer.com.




Deutsch
Gebunden/ 17,90€
Seiten: 352
Verlag: Carlsen


Englisch
Taschenbuch/ 12,95€
Seiten: 325
Verlag: Fiction






Gelungene Mischung aus Humor und Unglück.


Kurzbeschreibung

Aprons Leben ist in Aufruhr: Sie versucht, über den Tod ihrer Mutter hinwegzukommen, die neue Partnerin ihres Vater ist bei ihnen eingezogen und ihre beste Freundin Bennie hat sie fallen lassen. Ihr droht ein einsamer Sommer, aber dann nimmt sie einen Ferienjob in Mikes und Chads Blumenladen an. Die beiden stehen ihr freundschaftlich und väterlich zur Seite in Zeiten, in denen sich sonst niemand um sie kümmert, und ihr Blumenladen wird für Apron zu einem zweiten Zuhause. Doch das währt nicht lange, denn Chad ist todkrank …
Buchgestaltung
Mir gefallen beide Aufmachungen unheimlich gut. Das deutsche Cover hat einen Schwerpunkt auf die Blumen gelegt, denn im Buch spielt ein Blumenladen eine große Rolle und die Anordnung der Worte sehen klasse aus. Unter dem Schutzumschlag finden sich auch noch bunte Regentropfen wieder. Eine klasse Gestaltung des Hardcovers. Das englische Cover passt aber auch recht gut, sieht mit den hellen Akzenten aber auch eher wie ein Kinderbuch aus.
Meinung

Es gibt so einige Dinge, die man sich nach dem Lesen des Klappentextes sicher nicht vorstellen kann, deshalb möchte ich kurz etwas mehr zum Inhalt verraten. Das Buch spielt irgendwann in den 80er Jahren und daher ist das Setting auch ein wenig veraltet, besonders, was die Ansichten der Gesellschaft betrifft. Die Protagonistin Apron ist gerade mal dreizehn und in diesem Roman geht es nicht um eine Liebesgeschichte im herkömmlichen Sinne, sondern eher um eine Freundschaft. Zu Hause führt Apron den Kampf gegen M (ihre böse Stiefmutter, welche von ihr nur mit dem einen Buchstaben benannt wird) und ihr Vater kümmert sich mehr um seine neue Frau, als seine Tochter. Aufgrund dessen sucht Apron sich eigene Herausforderungen in der Welt und lernt so das schwule Pärchen Mike und Chad kennen. Die beiden führen einen Blumenladen, in dem Apron zu arbeiten beginnt und genau dort findet sie eine zweite Familie. Nur leider ist Chad krank und genau diese Krankheit zerstört später alles, was sich die Figuren aufbauen.

Man könnte das Buch wirklich als Drama bezeichnen, denn obwohl es viele lustige Stellen gibt, läuft in dem Leben unser Protagonistin wirklich alles schief, was schief gehen kann. Am Anfang fand ich das Buch etwas seltsam, dass muss ich schon sagen. Man wird so schnell und oft in komische Situationen gesteckt, dass man diese schwer zuordnen kann, aber mit der Zeit erschließt sich einem das Gesamtbild. Apron versucht so z.B. sich an die Familie ihrer besten Freundin zu klammern, die genau das irgendwann satt hat und sich von Apron abkapseln will. Apron war zu Beginn etwas scher zugänglich, weil man kaum verstehen konnte, was in ihrem Kopf vor sich geht, aber hat man sich in die Geschichte eingelesen, dann beginn man auch schnell zu begreifen, dass dies Teil ihrer Art ist. Ein Charakter, der einem ein Rätsel ist, dass man während des Lesen selber knacken muss. Das fand ich später ganz und gar ungewöhnlich und hat auch den Charme des Romans ausgemacht.

Für meinen Geschmack hat sich das Buch am Anfang, bis zur Mitte stark gezogen und ich muss gestehen, dass ich den Alltag nicht ganz so spannend fand, wie andere es vielleicht tun werden, aber als Chad und Mike ins Spiel kamen, war ich endlich gefesselt. Die Autorin hat eine wundervolle Art Figuren zu beschreiben und so schließt man die beiden rasend schnell ins Herz. Was ich klasse fand, waren die vielen Konflikte, die hier Kapitel für Kapitel mehr in den Vordergrund rückten. Die Homosexualität der beiden steht stark im Fokus des Hasses einiger Leute. Weil das Buch eben zu einer Zeit spielt, die nicht ganz so viel Akzeptanz aufbringt, wie wir es heute meistens tun, haben die Figuren es noch mal eine Ecke schwerer. Was mich daher umso mehr verwundert hat war, wie gut Apron sich zurecht fand, obwohl sie immer wieder durch ihre Freundschaft zu den beiden überall aneckte.

Die Autorin hat auf eine authentische Weise gezeigt, was es bedeutet sich selber zu finden und für Menschen, die einem am Herzen liegen, einzustehen, auch, wenn diese das selber nicht mehr können. Wegen Chads Krankheit wird das Buch stellenweise aber auch unglaublich traurig. Es schmerzt mit anzusehen, wie er und Mike alles verlieren, weil das Geld nicht reicht und sie am Ende praktisch völlig nackt dasitzen, weil das die harte Realität ist. Die ganze Geschichte hat viel Wert auf die Beziehungen der Charaktere untereinander gelegt und man konnte wunderbar die Entwicklung spüren, die besonders Apron genau dadurch gemacht hat. Die Dreizehnjährige ist eine sympathische Persönlichkeit, von der so mancher Erwachsener noch einiges lernen kann.

Vom Stil her hat das Buch auch einiges zu bieten. Ich weiß nicht, ob es nur persönliches Empfingen war oder eben die Magie der Wörter, aber mir kam es nach und nach so vor, als würde der Schreibstil an der Handlung wachsen. Zunächst war das Lesen noch eher etwas holpriger, zumal das Buch auch Aprons Sicht schildert, aber je mehr sich das Mädchen fängt, umso flüssiger ging alles ineinander über. Mehr Bücher sollten an echten Werten, wie Freundschaft und Liebe festhalten.



Der Sommer als Chad ging und Daisy kam ist ein schönes Debüt, dass auf tiefgreifende Art Vorurteile der Gesellschaft schildert und dabei immer auf einer authentischen Schiene bleibt. Die Charaktere strotzen nur so vor sympathischen Eigenschaften und besonders dank Protagonistin Apron hat man als Leser oft einen außergewöhnlichen Sichtpunkt. Für meinen Geschmack war besonders der Anfang viel zu langatmig, aber dennoch wurde ich gut unterhalten und habe die ein oder andere Träne verdrückt. 


Kommentare:

  1. Liebe Tanja, dieses Buch hat mich schon oft mit seinem schönen Cover angelächelt und deine tolle Rezi hat mich nochmal darin bestärkt, es von meine Wunschliste zu erlösen und bei mir einziehen zu lassen :)

    Liebste Grüße,
    Leslie <3

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  2. Genauso sehe ich es auch!!

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