Freitag, 8. August 2014

[BUCHREZENSION] Wo ein bisschen Zeit ist...


Titel: Wo ein bisschen Zeit ist...
OT: The Paradox of Vertical Flight
Autor/in: Emil Ostrovski
Genre: YA, Contemporary
Buchreihe: Einzelband
Quelle: Danke an den Verlag!







Emil Ostrovski ist 23, er emigrierte mit seiner Familie aus Russland in die USA als er zwei Jahre alt war. Er mag Macarons, hat Philosophie studiert und verbringt mehr als ein bisschen Zeit auf langen Spaziergängen, beim Lesen von Kant und bei seinem Creative-Writing-Studium. Dies ist sein erster Roman.



Deutsch
Gebunden/ 16,99€
Seiten: 304
Verlag: FJB


Englisch
Gebunden/ 13,10€
Taschenbuch/ 10,01€
Seiten: 272
Verlag: Greenwillow





Unterhaltsamer, wenn auch schräger Road-Trip.


Kurzbeschreibung

DREI TEENAGER UND EIN BABY: AUF DER FLUCHT VOR DER POLIZEI
und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ein Roadmovie-Roman.

Der 18-jährige Jack Polovsky entführt seinen neugeborenen und zur Adoption freigegebenen Sohn, um ihn seiner dementen Großmutter zu zeigen. Und so gerät alles aus den Fugen. Jack kauft ein Auto, holt seinen besten Freund Tommy und später auch die Mutter des Kindes dazu, und gemeinsam sind sie zwei Tage lang auf der Flucht vor der Polizei. Jack bespricht dabei schon mal die ganz großen Themen des Lebens mit seinem Sohn. Der heißt nämlich Sokrates – zumindest für Jack. Am Ende wird alles gut: Jack bekommt Besuchsrecht, das Baby Sokrates bekommt einen richtigen Namen und sie finden (fast) den Sinn des Lebens.
Buchgestaltung
Ich saß ehrlich gesagt eine ganze Weile da und musste überlegen, was genau das englische Cover denn darstellen soll und erst nach dem Lesen des Buches habe ich eine leise Ahnung, was das angeht. Das deutsche Cover gefällt mir aber mit dem Titel und den Details einfach dreihundert mal besser! Ich finde man wirft einen Blick auf das Buch und kann sich eben bestens vorstellen, worum es geht. Das Auto, der Kinderwagen und dieses on-the-road-Gefühl – echt klasse geworden.
Meinung

Eigentlich hatte ich das Buch zuerst gar nicht auf dem Schirm, was ich nach dem Lesen dann schon wieder bereut habe :) Das Buch hat mich zwar nicht komplett überzeugen können, aber hat mir einige unterhaltsame und überraschend tiefgründige Lesestunden beschert. Im Grunde ist die Handlung einfach: Der Protagonist Jack findet heraus, dass seine Ex-Freundin ein Kind bekommen hat und er der Vater ist. Kurzerhand ändert sich sein ganzes Leben. Weil das Baby zur Adoption freigegebenen werden soll, entführt er den Kleinen und weil dieser keinen Namen hat wird er eben Sokrates getauft. Zuerst fängt das Buch ganz typisch an. Wir lernen Jack und sein chaotisches Leben kennen und denkt sich nichts Besonderes dabei. Schnell merkt man jedoch, dass Jack eine recht merkwürdige Art zu Leben hat. Immer im hier und jetzt, ohne wirklich zu wissen, was noch kommt. Natürlich ist die Sache mit dem Baby wie ein Schlag mitten ins Gesicht und er erfährt davon auch eher durch einen Zufall. Schon setzt sein Gehirn eine Sekunde aus und der Roadmovie-Roman legt so richtig los...mit dem Auto unterwegs...ja, wohin eigentlich?

Jack weiß das selber nicht so genau. Während er ziellos umher fährt kommt er dem kleinen Sokrates näher und entwickelt eine richtig lebhafte Beziehung zu seinem Sohn. Es gab ein paar sehr süße, aber auch traurige Szenen, weil das Kind Jack eben dazu bringt über alles, was ihm jemals etwas bedeutet hatte, in Frage zu stellen. Er als Protagonist muss erst mal damit zurecht kommen, was er aufgedeckt hat und natürlich darf man die Tatsache, dass er Sokrates praktisch entführt hat nicht außer Acht lassen, denn das gibt später mächtig Probleme. Jack merkt auch ziemlich schnell, dass er eher auf der Flucht ist und dabei Hilfe braucht. An der Stelle kommt auch sein bester Freund dazu, der den beiden hilft. Aus der Geschichte wird nach und nach ein festeres Gebilde, als Entscheidungen getroffen werden und Dinge ins Rollen kommen. So suchen die Jugendlichen Hilfe bei Verwandten und Freunden.

Der junge Autor hat hier gar nicht so viel Wert auf die Figuren gelegt, sondern mehr auf das philosophische Thema: Warum und für was leben wir? Man stellt sich jetzt vielleicht vor, dass das Buch sehr schwermütig erzählt ist, aber das stimmt nicht. Der Roman ist nämlich sehr humorvoll und sarkastisch gehalten und die Dialoge trotzen nur so vor Wahrheit und Realismus und sind von Melancholie weit entfernt. Auf eine sehr lockere Art wird dem Leser ein Denkanstoß gegeben und ja, am Ende des Buches hat man sogar noch 1-2 Sachen dazu gelernt und das bei einem 23-jährigen Autor finde ich schon beeindruckend. Genau diese Mischung war es auch, die mir am Roman mit am besten gefallen hat. Man lebt einfach mit den Figuren mit.

Im Großen und Ganzen ist die Geschichte aber doch eher ruhig gehalten. Es gibt ein paar brenzlige Situationen, in denen es knapp für Jack und Sokrates wird, aber allgemein ist der Plot eher daraus aus, von einer Reise zu sich selbst zu erzählen. Das war auch so eine Sache, weshalb sich das Buch für mich beim Lesen ab und an etwas gezogen hat. Ein paar mehr Highlight hätte ich mir doch gewünscht.

Auch das Ende war so eine Sache für sich. Im Klappentext steht ja im Grunde, dass es ein Happy End gibt, aber das verwirrt nur, denn das Ende ist sehr offen. Ich fand zudem dass das Buch sehr abrupt geendet hat und einige Kapitel dazu, wären in meinen Augen besser gewesen. Mir hat das gewisse Extra gefehlt, dass die Story hat rund werden lassen, abgeschlossen. Ich frage mich die ganze Zeit, was an den Charakteren nun geworden ist und ob Jack wirklich das Sorgerecht für das Baby bekommen hat. Irgendwie war mir das gar nicht wirklich klar am Ende.

Wer jetzt eventuell eine Liebesgeschichte erwartet, wird wohl auch eher enttäuscht werden. Zwar kommt Jacks Ex-Freundin öfter vor als man denkt und auch hier ganz es wunderbar beschriebene Konflikte, aber Liebe ist nicht wirklich in der Luft – mal abgesehen von der die Jack zu seinem Sohn Sokrates entwickelt.




Wo ein bisschen Zeit ist...der Titel ist einfach das Motto des Buches: Wenn ihr ein bisschen Zeit habt, lehnt euch zurück und lasst euch auf diesen Roadmovie-Roman ein. Man darf nicht zu viel erwarten oder auf Spannung setzten, sondern einfach die Leichtigkeit der Geschichte genießen und die Charaktere die Sichtweise auf die Welt und das Leben ändern lassen. Definitiv ein unterhaltsames Buch, für meinen Geschmack etwas zu kurz.

1 Kommentar:

  1. Danke fuer diese interessante Rezension. Allerdings bin ich eher ein Fan von Buechern, die mich fesseln oder die verschiedensten Emotionen hervorrufen. Also werde ich mir dieses Buch hier wohl eher nicht zulegen...

    Liebe Grüße,
    die Leseeule

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