Dienstag, 9. September 2014

[BUCHREZENSION] Das Haus der verschwundenen Kinder


Titel: Das Haus der verschwundenen Kinder
OT: The Cavendish Home for Boys and Girls
Autor/in: Claire LeGrand
Genre: MG, Fantasy
Buchreihe: Einzelband!
Zur Verlagsseite:





Claire Legrand war Musikerin, bevor sie entdeckte, dass ihr das Schreiben noch mehr Spaß macht. DAS HAUS DER VERSCHWUNDENEN KINDER ist ihr Debütroman, der mit dem Preis der New York Public Library als bestes Jugendbuch 2012 ausgezeichnet wurde. Die Autorin lebt und arbeitet in New Jersey.



Deutsch
Gebunden/ 14,95€
Seiten: 320
Verlag: Heyne (fliegt)


Englisch
Gebunden/ 12,30€
Taschenbuch/ 5,70€
Seiten: 386
Verlag: Simon & Schuster






Interessante Geschichte mit tollen Zeichnungen...


Kurzbeschreibung

Alle Erwachsenen können dir gefährlich werden – und Mrs. Cavendish besonders!
Das Leben in der beschaulichen Kleinstadt Belleville ist genau so, wie die zwölfjährige Victoria es gern hat: übersichtlich, vorhersehbar und aufgeräumt. Und Victoria mit ihrem strengen Zopf, den ordentlichen Kleidern und den hervorragenden Noten passt perfekt nach Belleville. Eine einzige Unregelmäßigkeit erlaubt sie sich: den verträumten und vergesslichen Lawrence, der so ganz das Gegenteil von ihr ist. Lawrence ist ihr bester Freund. Als er plötzlich spurlos verschwindet, ist es allerdings vorbei mit Victorias geordnetem Alltag. Sie würde es nie zugeben, aber sie vermisst ihn furchtbar. Daher stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Was Victoria entdeckt, gefällt ihr gar nicht: Unter der glatten Oberfläche von Belleville verbirgt sich ein dunkles Geheimnis. Eines, das offenbar in der Erziehungsanstalt von Mrs. Cavendish seinen Ausgang nimmt. Die rebellischen Kinder, die dorthin geschickt werden, kommen ungewöhnlich still und brav zurück – oder gar nicht mehr. Steckt Mrs. Cavendish hinter Lawrences Verschwinden?
Buchgestaltung
Die Aufmachung des Buches ist einfach genial! Mir gefällt auch das deutsche Cover eindeutig besser, da es mit den hellen Farben viel schöner aussieht, als dieses öde braun, welches wie ein Film über dem Englischen liegt. Das Buch hat keinen Schutzumschlag, aber trotzdem ist die Gestaltung einfach toll. Überall finden sich kleine Details und silberne Akzente wieder, die sich vom Buchdeckel abheben. Im Inneren befinden sich tolle Zeichnungen, die zur Geschichte passen. Für den Preis von 15€ bekommt man hier also eine absolute Top-Gestaltung.
Meinung

Der Roman „Das Haus der verschwundenen Kinder“ hat eine ganze Menge Preise abgesahnt und wurde mir von allen Seiten her empfohlen. Ähnlich wie bei Coraline sollte man sich hier gehörig gruseln können und in eine abstruse Welt voller Mysterien und Wunder abtauchen dürfen. Meine Lesestunden sahen allerdings etwas anders aus, weshalb ich auch klipp und klar sagen muss, dass ich im Nachhinein doch etwas enttäuscht wurde. Claire LeGrand hat eine tolle Art zu schreiben, dass ist mir sofort aufgefallen. Im Gegensatz zu den trillionen Jugendbüchern, die auf dem Markt sind, war der Erzählstil in der dritten Person mal wieder eine Abwechslung. Die Beschreibungen im Buch waren weder zu viel, noch zu wenig und ich fand, dass die Eigenarten des Settings dadurch gut zur Geltung kamen.

Die Protagonistin lebt in einem kleinem Dorf/Stadt, welche sich sehr enorm an Regeln orientiert. Ein wenig wie im Film Pleasantville erscheint einem alles ziemlich trist und grau, denn die Leute haben ihre Gefühle unter Kontrolle, die Kinder sind gut erzogen und niemand erlaubt sich Fehler oder benimmt sich gar rebellisch. Und sollte das doch mal jemand tun, dann wird er eben in das Cavendish Heim gesteckt. Jeder, der einmal dort war, kehrt nicht mehr zurück, denn die soziale Umschulung scheint jegliche Zeit zu fressen. Victoria war eine Protagonistin, die mir eigentlich ganz gut gefallen hat. Aufgrund ihres Alters konnte ich mich nicht wirklich in sie hineinversetzten, aber ich fand die Entwicklung, welche sie durchmacht sehr gelungen. Zu Beginn erscheint sie wie ein Roboter, der nichts hinterfragt und seine Eltern stolz machen will – das perfekte Kind in diesem Buch also. Nach und nach geschehen jedoch außergewöhnliche Dinge, die Victoria nicht mehr hinnehmen kann und als ihr bester Freund verschwindet, wird sie zur Rätsel-Erforscherin.

Die Atmosphäre im Buch hat mir auch recht gut gefallen. Das Heim von Mrs. Cavendish thronte wie etwas Böses über der Stadt und das hat man auch gespürt. Als Victoria das erste mal dort einbricht, um Lawrence zu suchen, hat man auch einfach das Gefühl: Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. Leider lässt das im Verlauf der Geschichte stark nach, denn die Rätsel und Geheimnisse erscheinen einem auf den zweiten Blick gar nicht mehr so rätselhaft oder eben geheimnisvoll.

Ab der Mitte fand ich das Buch auch eher uninteressant. Eigentlich hätte genau dieser Teil der spannendeste sein müssen, ging es doch um das Heim und darum, Lawrence und die anderen Kinder zu retten. Die Autorin lässt sich jedoch Unmengen an Zeit, um Victorias Pläne zu erläutern und das Mädchen hat es auch nicht gerade eilig, endlich mal loszulegen, um gegen das Böse zu kämpfen. Es war wirklich schade. Das, was als Fantasyabenteuer begonnen hatte, wurde für mich mehr zu einer Geschichte über ein unentschlossenes Mädchen, dass es lieber ihren Eltern recht machen will, als alles andere. Eine wirklich Moral stand auch nicht dahinter. Ich hätte mir gewünscht, dass Freundschaft mehr ein Thema gewesen wäre.

Victoria war durch ihre teils egoistische Art doch etwas unsympathisch und ich konnte nicht ganz verstehen, was ihre Beziehung zu Lawrence denn ausgemacht hat. Genau das war wohl auch mein größtes Problem. Waren der Schreibstil und auch die Idee noch ein großes Plus, so konnten die Charaktere da einfach nicht mithalten. Besonders die Randfiguren erschienen mir blass und lieblos beschrieben. Mir fiel es wirklich schwer für die „Mission“ Begeisterung aufzubringen.

Das Ende des Romans konnte dafür wieder einiges rausholen. Ich fand es ziemlich gut gemacht und einer der stärksten Punkte war dort eben der rote Faden, den man als Leser wieder zu greifen bekommen hat. Obwohl es sich bei dem Buch wirklich um eine Geschichte für jüngere Kinder handelt, so denke ich schon fast, dass er für ältere Leser besser geeignet wäre. Kinder würden sich vielleicht noch schneller langweilen, als ich es zeitlich getan habe. Wunderschöne Ergänzung sind aber die Zeichnungen, die an vielen Stellen noch mal einiges rausholen, weil man sich Momente nimmt, um Situationen mehr auf sich einwirken zu lassen, als beim bloßen lesen.




Das Haus der verschwundenen Kinder ist ein Debüt, dass sich sehen lasen kann. Die Idee hinter der Geschichte ist gut und auch die Umsetzung bleibt die meiste Zeit gelungen. Ein großes Manko sind aber allesamt die Figuren, die kaum greifbar sind und einen teilweise gar nicht interessieren. Dazu kommen die Längen im Plot, die Spannung nehmen. Wer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Geschichte ist und Geduld und Zeit mitbringt, der wird vielleicht überrascht werden.


Kommentare:

  1. Ich kann deine Meinung gut verstehen, fand das Buch aber ein bisschen besser. Das lag auch daran, dass ich es toll fand, dass unsere "Heldin" eben keine typische Heldin war, sondern eher das totale Gegenteil. Sie wollte perfekt sein, es allen - besonders ihren Eltern - recht machen und war anfangs ziemlich im Zwiespalt, ob sie nun die Regeln brechen sollte, oder lieber nicht.
    Während es bei anderen, vielleicht sympathischeren Protagonisten natürlich klar ist, dass sie sofort alles für ihre Freunde aufs Spiel setzen würden und dass sie mutig und selbstlos sind, kostet es Victoria eine beträchtliche Menge an Überwindung ihren Plan in die Tat umzusetzen. Das mochte ich, denn es zeigt auch ihre Entwicklung und macht aus dem Roman mehr als ein einfaches Kinderbuch :)

    Aber ich hatte mit den Längen in der Mitte auch zu kämpfen, was recht schade ist, wenn man das Potential des Buches doch sofort erkennt :/

    AntwortenLöschen
  2. War halt so ein mittelmäßiges Buch, positives und negativ sing ungefähr gleich und bei der Rezi wusste ich gar nicht, was ich schreiben soll :D

    AntwortenLöschen

Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...