Montag, 10. November 2014

[BUCHREZENSION] Mein wahrhaft wirkliches Leben davor und danach


Titel: Mein wahrhaft wirkliches
Leben davor und danach
OT: The Beginning of Everything
Autor/in: Robyn Schneider
Genre: YA, Contemporary
Buchreihe: Einzelband!
Zur Verlagsseite:





Robyn Schneider ist Autorin, Schauspielerin und Videobloggerin. Sie studierte Kreatives Schreiben an der Columbia University und Medizinethik an der Pennsylvania School of Medicine. Sie lebt in Los Angeles - und im Internet.



Deutsch
Broschiert/ 14,95€
Seiten: 400
Verlag: dtv


Englisch
Taschenbuch/ 9,31€
Seiten: 352
Verlag: Katherine Tegan






Ein wahrhaft wirklich gelungener Roman! :)


Kurzbeschreibung

Ezra hat eigentlich alles: Er ist beliebt, ein Superathlet und hat eine hübsche Freundin. Welcher Sechzehnjährige würde nicht von so einem Leben träumen? Doch dann hat Ezra einen Autounfall und alles ändert sich: Er kann keinen Sport mehr machen, seine Freundin ist jetzt mit einem anderen zusammen – und er fragt sich, was er von seinem Leben wirklich will. Da trifft er auf Cassidy, die wunderbare, außergewöhnliche, unangepasste, intelligente Cassidy, und gemeinsam stürzen sie sich ins Abenteuer . .
Buchgestaltung
Wenn man die ersten Kapitel des Romans hinter sich hat versteht man auch die Ironie hinter dem Cover. Alles fing mit einer Achterbahn an und letzten Endes ist die Freundschaft, die deshalb zerstört wurde auch für alles andere verantwortlich, was in der Geschichte folgt. Nicht zu vergessen, dass man das Thema: Ein Leben wie eine Achterbahnfahrt damit auch wunderbar aufgreifen kann. Gelb ist auch einfach mal eine Farbe, die sich etwas von den Üblichen abgrenzt und sofort ins Auge sticht. Die Titelwahl finde ich in beiden Sprachen sehr gelungen. Passt einfach.
Meinung

Mein wahrhaft wirkliches Leben davor und danach ist im Gegensatz zu den meisten Contemporary Büchern aus der Sicht eines Kerls geschrieben. Robyn Schneider hätte keine bessere Wahl bei ihrem Protagonisten treffen können. Ezra war vielleicht der beste männliche MC, aus dessen Sicht ich jemals lesen durfte. Das ich ihn sympathisch fand, ist noch eine Untertreibung. Vielleicht liegt es auch daran, dass er all die Eigenschaften hatte, die ich an anderen Menschen schätze oder eben, dass er nicht perfekt und teilweise ein echter Arsch war, aber ich fand ihn große Klasse. Und ich rede hier nicht von der Sorte Charakter, die man anschmachtet, weil er oh-so-toll ist, sondern von jemanden, den man respektiert und dessen Geschichte man wahnsinnig gerne folgt. Ezra ist ein „golden boy“ - gut aussehend, beliebt und steht eigentlich für alles, was ich an Klischees nicht mag.

Die Sache ist aber die, er hat sie nie wie ein Klischee benommen. Eigentlich ist er zu Beginn des Buches ein regelrechter Mitläufer, der versucht den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Natürlich funktioniert das schlecht, besonders, wenn man einen eigenen Willen hat und keine hirnlose Marionette ist. Ezra steht sich die ganze Zeit also selber im Weg. Sein Leben geht nämlich ein wenig den Bach runter. Nach einem Unfall kann er keinen Sport mehr machen und fühlt sich im Gefüge und der Rangordnung seiner Schule Fehl am Platz. Seine Freundin ist weg, er will nicht mehr mit seinen alten Freunden abhängen und irgendwie drängt er sich selbst ins Aus.

Das Interessante an seiner Figur war definitiv die Entwicklung, die er durch macht. Die Autorin hat sehr realistisch beschrieben, wie sich Hoffnung und Träume aufbauen können und wie sich das Leben dank des Einflusses von neuen Perspektiven schnell verändern kann. Hauptgrund dafür ist eine alte Freundschaft, die zwischen Ezra und Toby auflebt. Die beiden waren früher einmal beste Freunde, bis sie etwas auseinander brachte. Toby war der totale Nerd und hat mit seiner frischen und lustigen Art ganz viel Schwung in die Handlung gebracht. Ich habe so oft gelacht und den Kopf geschüttelt, dass ich irgendwann nicht mehr mitzählen konnte, wie amüsant alles war.

Die Autorin hat eine ganz besondere Art den Alltag der Charaktere zu gestalten. Ihre Einfälle waren wirklich genial und durch die vielen Ups-and-downs wurde es mir nie langweilig. Ich fand es einfach wunderbar, wie viel Freundschaft eine Rolle gespielt hat und wie toll alle Figuren zusammen gepasst haben. Denn Toby ist im Debattier-Club und hat eine Menge Freunde im Schlepptau, darunter auch Cassidy. Die war ein Fall für sich und wie erwartet Ezras Love-Interest. Es war ziemlich witzig mal aus der Sicht eines Jungen zu lesen, wie ein Mädchen ein wahres Mysterium in seinem Leben darstellt. Das Tolle war auch, dass die beiden sich merklich ineinander verlieben und sich diese Gefühle über das gesamte Buch hinweg aufbauen. Nichts mit gesehen-und-gefunden und das war einfach genau mein Ding. Es gab sarkastische Dialoge, eine ordentliche Portion Streit, aber auch die Zeit, in der beide zusammen waren und in der man als Leserin einfach genießen konnte, wie süß die beiden doch waren. Ihre Liebe war herrlich unkompliziert und gleichzeitig ein einziges Rätsel.

Der Roman hat einfach von der ersten Seite an Spaß gemacht. Die Autorin bedient noch einige andere Klischee, besonders, was die High School betrifft, aber sie hat jedes mal die Kurve bekommen, damit es nicht zu stereotypisch wird. Natürlich konnten die lockeren Sprüche und der Humor am meisten bei mir punkten. Ezra liegt Sarkasmus im Bezug auf sich und sein Leben einfach im Blut. Das Faszinierende daran war aber auch, dass vieles, dass zuerst witzig erschien auch eine tiefer gehende Bedeutung hatte. Kapitel für Kapitel saß ich selber in einer Achterbahn und wusste manchmal gar nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte.

Das, was eine gute Geschichte letzten Endes trägt, sind die Steine, die Autoren ihren Figuren in den Weg legen und hier waren die Steine stellenweise Felsbrocken. Die Konflikte von Ezra und seiner Identitätskrise, seine Eltern, Cassidy...manchmal hat er es einfach mächtig versaut und ich war froh, dass seine Freunde zur Stelle waren, um ihn den Kopf zu waschen oder ihn einfach einen Arsch zu nennen. Dabei verliert die Autorin nie das Gesamtbild aus den Augen. Cassidy selbst hat auch einige Geheimnisse und hin und wieder erfuhr man mehr über die Nebencharaktere, die ich alle in mein Leserherz geschlossen habe.

Gegen Ende kommt die Spannung dann noch einmal voll in Fahrt. Es gibt Drama und Herzschmerz, Erkenntnisse und einen Blick auf die Zukunft und *schnief* nicht alle bekommen ein Happy End *schnief* aber so ist das halt, wenn man ein wahrhaft wirkliches Leben lebt und das tun wir im Grunde doch alle, nicht wahr?



Mit ihrem Debüt konnte mich Robyn Schneider vollends überzeugen. Genau wegen solchen Büchern liebe ich Contemporary. Die Geschichte war echt, witzig, dramatisch und hatte so viel Charme und Herz, dass ich sie sofort ein zweites Mal lesen könnte. Mein wahrhaft wirkliches Leben davor und danach ist nicht nur eine Liebesgeschichte. Der Roman behandelt Freundschaft, Humor, Familie und in gewissen Sinne auch Verlust, weil es nie leicht ist auf dem Weg des Lebens gradlinig weiter zu gehen. Oder, um es mal mit dem passendem Zitat aus dem Buch zu sagen:


Oscar Wilde sagte einmal, nichts sei seltener auf der Welt, als dass jemand sein Leben wirklich lebe, da die meisten Menschen nur existieren. Keine Ahnung, ob er damit wirklich recht hatte oder nicht, aber ich weiß, dass ich lange Zeit bloß existiert habe und dass ich von nun an leben will.“ - S. 395


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