Sonntag, 12. April 2015

[BUCHREZENSION] Amy & Matthew – Was ist schon normal?


Titel: Amy & Matthew –
Was ist schon normal?
OT: Say What You Will
Autor/in: Cammie McGovern
Genre: YA, Contemporary
Buchreihe: Einzelband
Zur Verlagsseite:





Cammie McGovern hat bereits Kurzgeschichten und drei Romane für Erwachsene geschrieben, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. AMY UND MATTHEW ist ihr erstes Jugendbuch. Die Autorin ist Mitbegründerin von WHOLE CHILDREN, eine Organisation, die Kinder mit einer Behinderung im Alltag unterstützt. Cammie McGovern lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Amherst, Massachusetts.




Deutsch
Gebunden/ 14,99€
Seiten: 352
Verlag: Heyne (fliegt)


Englisch
Gebunden/ 18,25€
Taschenbuch/ 7,30€
Seiten: 352
Verlag: Harper Teen






Ein Buch, das so gut hätte sein können...


Kurzbeschreibung

Die Geschichte einer großen Liebe, die sich gegen alle Widerstände behauptet.

Die 17-jährige Amy ist ein besonderes Mädchen. Sie kann nicht sprechen und nicht ohne Hilfe laufen. Aber sie ist unglaublich klug und wahnsinnig hübsch – zumindest in den Augen ihres Klassenkameraden Matthew, der auch nicht so ist wie die anderen. Vor allem mit Nähe hat Matthew ein Problem. Doch genau die sucht Amy, die genug davon hat, wie ein rohes Ei behandelt zu werden. Im letzten Jahr der Highschool beschließt sie, dass das Leben jetzt beginnen muss. Und sie verliebt sich in den sensiblen Matthew. Dann aber begeht sie auf dem Abschlussball einen verhängnisvollen Fehler und verletzt Matthew zutiefst. Wird er ihr verzeihen?
Buchgestaltung
Ich finde die Aufmachung von beiden Versionen nicht so ganz überzeugend. Warum das Buch im englischen Original „Say What You Will“ heißt, habe ich auch nicht verstanden. Die Idee mit den „Sprechblasen“ ist süß, aber leider auch sehr nichtssagend. Man kann sich darunter einfach nichts zum Inhalt vorstellen. Die Aufmachung von Heyne gefällt mir da schon besser. Zwar bin ich kein Fan von Titel in denen Paarnamen vorkommen, aber er passt deutlich besser zum Roman, besonders „was ist schon normal?“, weil man sich diese Frage als Leser doch häufiger stellt. Die Farben vom Cover sind auch nett, allerdings hat das Bild für mich irgendwie „Blickfehler“. Wo ist z.B. der Kopf von Matthew? Müsste der da nicht rausschauen? Und wieso ist Amys Arm so dunkel? Seltsam xD
Meinung

Ich habe erst vor kurzem ein Buch über Zerebralparese gelesen bzw. einen Roman, bei dem die Protagonistin daran erkrankt war (Flieg, so hoch du kannst von Berry Jonsberg) und da habe ich natürlich den Vergleich gezogen. In „Amy und Matthew“ hat Protagonistin Amy eine abgeschwächte Form davon, aber meiner Meinung nach wurde ihre Krankheit ohne viele Informationen vorgestellt. Leute, die noch nie davon gehört (oder gelesen) haben, können sich nach diesem Buch sicher nicht vorstellen, was genau Amy hatte. Sie als spezielles Mädchen zu bezeichnen, reicht einfach nicht auf. Zwar werden Kleinigkeit erwähnt, zu dem, was Amy nicht kann, aber irgendwie hat sich ihre Geschichte nicht so gelesen, wie ich es mir gewünscht hätte. Stattdessen hat die Autorin richtig Mitleid in mir geweckt, weil die vielen Nebenfiguren ständig auf dieser Tatsache herumgeritten haben. Sollte ich nicht lieber zu Amy aufsehen oder Respekt vor ihr haben, als Mitleid? Das hat hier leider nicht funktioniert. Ich fand das total schade, konnte meine Gedanken aber nicht ändern.

Dazu kommt außerdem, dass Amy ihre Krankheit einfach bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Ausrede benutzt hat. Besonders, nachdem das Buch für mich einige Wenden genommen hat, hätte ich Amy gerne mal geschüttelt und gefragt, was nicht mit ihr stimmt. So etwas als Ausrede zu benutzten, fand ich wirklich verwerflich.

Aber kommen wir mal zum Anfang zurück – der war nämlich super toll! Als ich anfing das Buch zu lesen, war ich richtig begeistert. Cammie McGovern hat einen schön bildlichen Schreibstil, der trotz der ernsten Themen sehr leicht daherkommt. Man findet sich dank den Emails zu Beginn total schnell ins Buch hinein und die Autorin weiß definitiv, wie sie Spannung und Neugier erzeugen kann. Man beginnt die Story an einem Punkt, wo Amy und Matthew sich bereits kennen und fragt sich natürlich, wie es dazu kam und was die Beziehung der beiden bereithält. Dabei fand ich die Schilderung von Amys Umfeld und Familie sehr gelungen, aber auch ihr Innenleben, ihre Gedanken, Sorgen und Ängste gingen mir echt nahe.

Das Buch dümpelt dann eine Weile vor sich hin, weil wir dem Alltag der beiden folgen. Die Perspektive wechselt öfter mal in der dritten Person zwischen Amy und Matthew, was ich mochte, da man so kurze Einblicke in die Köpfe beider bekommen hat. Ich denke, bei einem Buch, bei dem die Figuren mit echten Problemen kämpfen ist das immer besonders gut. Matthew war mir vom ersten Auftritt an auch recht sympathisch. Er ist ein untypischer Charakter mit vielen Unsicherheiten gewesen und es war doch interessant zu sehen, dass Amy den stärkeren Part des Gespanns ausgemacht hat. So eine Dynamik gibt es in Jugendbüchern nicht so oft.

War ich anfangs noch angetan von den Figuren und der Handlung, so hat sich das Blatt leider schnell gewendet. Nach kaum 100 Seiten, habe ich an meiner Sympathie für Amy sehr gezweifelt. Trotz ihrer Einschränkungen war sie ein Mädchen, das mit allen Mitteln versucht hat, das zu bekommen, was sie wollte. Das klingt nicht nur egoistisch, im Buch war die Umsetzung dessen richtig schlimm. Es war, als würde Amy bemerken, dass Leute ihr aufgrund der Zerebralparese bei allem helfen, ihr jeglichen Wunsch erfüllen würde. So begann sie nach kaum der Hälfte des Buches Matthew arg auszunutzen und seine Gefühle zu verletzten. Er war so ein lieber Kerl und sie hat das nicht gewürdigt. Dazu kommt, dass ihre Dialog-Parts teilweise richtig seltsam waren. Es gab z.B. eine Szene, in der Matthew Amy küssen wollte und sie ihn mit der Begründung zurückweist, dass sie lieber mehr von ihm hätte, sprich Sex. Stellenweise kam dieses Motiv auch immer wieder durch.

Amy wollte keine Liebesbeziehung, sondern eine schnelle Nummer, um es mal grob auszudrücken. Das ist auch absolut nicht schlimm, ich meine, auch Mädchen dürfen so etwas gerne von sich geben, aber die Art und Weise, wie sie Matthew genötigt hat, war schon fast lächerlich. Übrigens führt auch genau dieser Konfliktpunkt später zu einem Ende, dass für mich ein absolutes Desaster geworden ist.

Mal abgesehen von meinen großen Problemen mit Amy, hat das Buch schnell das atmosphärische Gefühl für mich verloren. Das hier keine süße Liebesgeschichte, in der zwei gebrochene Menschen finden, sondern eine unausgegorene Beziehung, bei der ein Teil den anderen richtig verletzt, betrügt und fertig macht. Schon allein aus persönlichen, moralischen Ansichten fand ich das einfach unter aller Sau.

Die Handlung beschäftigte sich ab der Mitte fast nur noch mit dem üblichem Teenie-Drama, Familienkonflikten und nicht mehr mit der Suche nach sich selbst oder der Leitfrage: Was ist schon normal? Es tut mir wirklich leid, dass ich so empfunden habe, aber die Autorin hat das Potenzial nicht nur verschenkt, sondern aus dem Fenster geschmissen. Dabei war ich nach dem tollen Start so angetan von dem Konzept und auch den Figuren. Ich habe echt selten erlebt, wie ein Buch so eine negative Wende für mich hingelegt hat. Wirklich sehr, sehr traurig.




Uff...ich bin einfach nur enttäuscht von dem Buch. Der super Start geht zu einer Parade an Ereignissen über, die ich alle nicht mochte. Eine längere Plot-Flaute war nicht mein einziges Problem mit dem Buch. Protagonistin Amy schießt sich durch ihre egoistische Art schnell selbst ins Aus und besonders das ganze Ende war der pure Horror für mein Romantiker-Herz. Ich hatte so hohe Erwartungen an „Amy & Matthew“ und bin teilweise richtig geschockt, wie die Autorin ihre eigene Geschichte abgefertigt hat. Da helfen leider auch schöner Schreibstil und der gut gemeinte Humor nicht mehr weiter. Ein Absturz-Buch für mich. 


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