Sonntag, 26. Juli 2015

[BUCHREZENSION] Der Rithmatist


Titel: Der Rithmatist
OT: The Rithmatist
Autor/in: Brandon Sanderson
Illustrator: Ben McSweeney
Übersetzer/in: Jürgen Langowski
Genre: MG/YA Fantasy
Buchreihe: Rithmatist #1
Zur Verlagsseite:






Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, schreibt seit seiner Schulzeit phantastische Geschichten. Er studierte Englische Literatur und unterrichtet Kreatives Schreiben. Sein Debütroman »Elantris« avancierte in Amerika auf Anhieb zum Bestseller. Seit seinen »Kinder des Nebels«-Romanen und seinen Sturmlicht-Chroniken gilt Brandon Sanderson auch in Deutschland als einer der neuen Stars der Fantasy. Der Autor lebt mit seiner Familie in Provo, Utah.




Deutsch
Gebunden/ 14,99€
Seiten: 432
Verlag: Heyne (fliegt)


Englisch
Gebunden/ 17,82€
Taschenbuch/ 9,80€
Seiten: 384
Verlag: Tor







In sich abgeschlossener Auftakt einer originellen Buch-Idee.


Kurzbeschreibung

Abenteuer, Magie und unheimliche Kreidemonster!

Wie wird man Magier, wenn man nicht zaubern kann? Mit diesem Problem kämpft Joel tagtäglich, denn nichts wünscht er sich sehnlicher, als ein Rithmatist, ein berühmter Kreidemagier, zu werden. Doch so sehr er sich auch bemüht, seine Kreidefiguren bleiben leblos – bis zu dem Tag, an dem plötzlich das Schicksal aller Rithmatisten auf Joels Schultern ruht. Einem Tag, an dem eine lange verborgene Gabe in ihm erwacht …
Buchgestaltung
Mir gefällt das Cover wirklich gut und es passt auch zum Buch. Man sieht eines der Verteidigungsschilder gegen wilde Kreidlinge, mit einer Art „Special Effect“, das über der Stadt schwebt. Titel und Name des Autors nehmen die Hälfte des Platzes ein, aber ich finde die Proportionen ganz gut verteilt. Warum der Autorename in gelb gehalten ist weiß ich nicht und in weiß hätte mir das Ganze besser gefallen. Trotzdem sprechen die düsteren Farben für sich und die gesamte Aufmachung ist ein Blickfang für Fans des Fantasy Genres. Schön, dass das Originalcover übernommen wurde.
Meinung

Der Rithmatist ist das dritte Buch von Brandon Sanderson, das ich lese und neben Steelheart und Kinder des Nebels nicht unbedingt mein Favorit. Das bedeutet nicht, dass ich diesen Reihenauftakt nicht mochte, allerdings fehlte mir besonders im Vergleich zu Sandersons anderen Romanen etwas mehr durchgehende Spannung im Buch. Man kommt ja leider nie daran herum, gelesene Werke miteinander zu vergleichen. Dass es sich bei der Rithmatist um eine Mischung aus Kinder – und Jugendbuch handelte war mir allerdings von Anfang an klar, weshalb ich gar nicht mit dieser Art von Komplexität im Roman gerechnet hatte.

Die Geschichte dreht sich um den jungen Joel, der zusammen mit seiner Mutter in einer der Unterkünfte an einer renommierten Schule lebt, weil sein Vater dort eine Art Professor war und Joel nach dessen Tod dort umsonst „studieren“ darf. In Joels Welt gibt es eine dunkle Gefahr, die aus Magie und Kreide geschaffen – die Kreidlinge – immer wieder Menschen und Städte angreifen und eine echte Plage sind. Dagegen halten nur die Rithmatisten – Kreidemagier – welche mit ihrer Begabung Flüche und Banne gegen die kreidige Bedrohung aussprechen können. Joels größter Wunsch ist es einen von ihnen zu sein, aber das bleibt ihm leider verwehrt, da man zum Rithmatist auserwählt werden muss und nicht einfach so einer werden kann. Was Joel dafür hat ist seine Intelligenz, seine Gier nach Wissen und sein strategisches Können – Alles Attribute, die ihm zu Großem verhelfen könnten.

Zu Beginn wird man eiskalt in das System hineingeworfen. An Joels Seite lernt man, wie die Welt funktioniert und der Autor hat es einem erstaunlich leicht gemacht, den Dialogen und Beschreibungen zu folgen. Gerade, weil man mit Joel unterwegs ist, erhält man viele Einblicke in aktives Geschehen und reimt sich viel zusammen, als mit Informationen bombardiert zu werden. Allerdings ändert sich das im Verlauf des Buches sehr schnell, was ich wirklich schade fand. Besonders am Anfang fand ich es klasse, wie Brandon Sanderson sich bemüht hat, die Leser in das Abenteuer einzuführen, aber danach folgte den Rest des Buches über nur trockene Theorie.

Nach den ersten 100 Seiten ließ meine Begeisterung über die sehr originelle Idee deshalb leider etwas nach. Vor jedem Kapitel gibt es sehr coole Zeichnungen, welche einem immer schwieriger werdende Künste der Kreidemagier erläutern und dazu kommen die endlosen Schmökereien in Büchern, das Austauschen in Dialogen und Joels innere Gedankengänge, die von einer Besessenheit an Rithmatisten zeugen. Was ich nach vielen Informationen noch als interessant empfand wuchs mir schnell über den Kopf. Dafür, dass Joel noch sehr jung war, kam ich mir neben ihm manchmal richtig doof vor, weil ich seinen Gedankengängen auch nicht immer zu 100% folgen konnte. Es war stellenweise echt so, als wolle der Autor einem sämtliches Rithmatisten Wissen auf den 400 Seiten in den Kopf hämmern. Dazu kommt, dass vieles davon für die Handlung auch tatsächlich irrelevant gewesen ist. Natürlich war es schön, dass die Geschichte so durchdacht gestützt wurde und vielleicht ist dieses Wissen für den zweiten Band auch nützlicher, aber mir hätte es einfach besser gefallen, wenn es deutlich weniger gewesen wäre.

Joel an sich mochte ich allerdings echt gerne. Er hatte eine etwas verquerte Art das Leben und sein Umfeld zu betrachten und fiel damit aus dem Rahmen. Seinen Wunsch ein Rithmatist zu werden habe ich auch gut verstehen können und ich hoffe, dass sich irgendwann für ihn mehr als nur eine Tür öffnet. Was die Nebenfiguren betrifft, so habe ich etwas länger gebraucht, um mit ihnen warm zu werden. Der kauzige und etwas wirre Professor gefiel mir auf Anhieb, aber seine Figur lernt man erst nach und nach besser kennen – Ebenso bei Melody, die eine Rithmatistin ist, aber eigentlich keine sein möchte. Besonders dieser starke Kontrast in dem was man hat und dem was man will war in der Freundschaft zwischen Joel und Melody sehr spannend gemacht. Ich fand die Entwicklung ihrer Freundschaft wirklich gelungen und habe mich mit jedem Kapitel mehr mit beiden verbunden gefühlt.

Meiner Meinung nach ist das Buch ruhiger, als es den Anschein erweckt. Es gibt zwar gleich zu Beginn ein Kreideduell und auch ab der Mitte wird es durch die Entführungen an Schülern der Academy etwas spannender, aber mir war es einfach nicht spannend genug. Meinem Empfinden nach gab das Buch 70% Theorie her und 30% richtige Spannung und Kämpfe. Das Ganze ist eher wie eine lange Suche voller Hinweise aufgebaut und Zwischenfälle und Höhepunkte lassen auf sich warten. Wenn es sich dann aber einmal zuspitzt dann war ich vollends gefesselt. Das ist auch einer der Gründe, warum ich der Geschichte so zwiegespalten gegenüber stehe. Ich mochte sie wirklich, aber die Handlung war mir nicht stramm genug erzählt.

Das Ende hat mir dafür aber umso besser gefallen. Es hatte eine Prise Humor, viele Offenbarungen, einen guten Kampf und Erkenntnisse, die man in dem Ausmaß nicht hat kommen sehen. Zudem ist die Geschichte auch abgeschlossen, was das warten auf den Folgeband (der erst 2017 auf englisch erscheinen soll) recht leicht macht.




Der Rithmatist ist nicht Sandersons bestes Werk. Die Idee ist wahnsinnig originell, das Setting ausführlich beschrieben und die Figuren gelungen – Dennoch war mir die Handlung einfach zu theoretisch, zu zäh und ich hätte mir mehr Spannung und Wenden gewünscht, als die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Wer jedoch gerne Fantasybücher liest, die etwas detailreicher ausfallen dürfen und nicht vor langen Lektionen zurückschreckt, der wird mit Joel mehr Spaß haben, als ich. 


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