Mittwoch, 26. August 2015

[BUCHREZENSION] Go Set A Watchman


Titel: Go Set A Watchman
OT: Geh hin, stelle einen Wächter
Autor/in: Harper Lee
Genre: All Age, Fiction
Buchreihe: To Kill A Mocking Bird #2
(Eigentlich keine direkte Fortsetzung)
Zur Verlagsseite und BDB:






Harper Lee wurde 1926 in Monroeville/Alabama geboren. Sie studierte ab 1945 Jura an der Universität von Alabama, ging aber vor dem Abschluss nach New York und arbeitete bei einer internationalen Luftverkehrsgesellschaft. Für das 1960 veröffentlichte Debüt und ihr bisher einziges Buch "Wer die Nachtigall stört" erhielt sie mehrere Preise u.a. den Pulitzer-Preis. Der Roman zählt zu den bedeutendsten US-amerikanischen Romanen des 20. Jahrhunderts, wurde in 40 Sprachen übersetzt und hat sich international rund 40 Millionen Mal verkauft. "Gehe hin, stelle einen Wächter" wurde von Harper Lee vor ihrem Weltbestseller "Wer die Nachtigall stört" geschrieben. Der Roman galt bisher als verschollen und erscheint nun, fast sechzig Jahre später, weltweit zeitgleich. Harper Lee, 2007 mit der amerikanischen Freiheitsmedaille des Präsidenten ausgezeichnet, lebt heute zurückgezogen in ihrem Heimatort Monroeville/Alabama.




Deutsch
Gebunden/ 19,99€
Seiten: 320
Verlag: DVA


Englisch
Gebunden/ 14,95€
Taschenbuch/ 14,99€
Seiten: 288
Verlag: Penguin





Hat sich das Warten dafür wirklich gelohnt?


Kurzbeschreibung

In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“, kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend – ein Roman, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht.

Buchgestaltung
Ich bin mir eigentlich gar nicht so sicher, wie genau ich die Gestaltung der verschiedenen Ausgaben finden soll. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan von diesem „To Kill A Mocking Bird“ Aufdruck, den man überall findet und bei der englischen Ausgabe sogar ins Cover eingearbeitet ist. Es weiß doch echt jeder, wozu das Buch gehört, oder nicht? Das englische Cover finde ich mit seinem Orange und der großen Schrift allerdings ganz schön. Das deutsche Cover trifft nicht wirklich meinen persönlichen Geschmack, hat aber irgendwie Bezug zum Buch.
Meinung

Ich war nie eine der Leserinnen, die in der Schule genötigt wurden To Kill A Mocking Bird zu lesen, sondern habe das irgendwann aus Neugier dann einfach so getan. Ich hatte damals keine Erwartungen und wurde vielleicht deshalb auch so positiv überrascht. Geben wir es doch mal zu – schon allein das Wort „Klassiker“ ruft bei meiner Generation Leser nicht unbedingt dieses „Must-Read“ Gefühl hervor (ich bin 26 Jahre alt), aber ich finde echt, es gehört zu Allgemeinbildung den Roman zu kennen, ist er doch einer der meistverkauftesten weltweit und dabei auch noch auf eine wirklich unterhaltsame Weise lehrreich und einprägsam. Als es plötzlich hieß, es gäbe eine „Fortsetzung“ da konnte ich nicht anders, als diese lesen. Ich habe im Vorfeld schon so unglaublich viel Schlechtes gehört, dass ich richtig Angst hatte, zu dem Buch zu greifen, aber die Neugier hat (wieder) gesiegt und so habe ich mich auf eine neue Reise begeben, die 20 Jahre nach dem ersten Buch spielt.

Atticus Finch ist wohl die Figur der Literatur, die damals als ein Symbol für Recht und Ebenbürtigkeit stand und es heute noch tut. Einer der Gründe, warum ich das Buch damals mochte und es mich auch beeindruckt hat war, dass zu einer Zeit, in der ich kaum etwas über den Bürgerkrieg und Diskriminierung und Rassismus wusste (vor allem nicht in englischsprachigen Ländern), der Roman die Umstände gezeigt hat, unter denen damals viele Leute leben mussten. Einige Erkenntnisse davon fand ich ziemlich hart und viele der Einblicke in die Gesellschaft, Politik und das alte System haben mir echt kalte Schauer den Rücken herunter gejagt. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, was es bedeutet verquerte Ansichten zu bekämpfen und für etwas einzustehen, von dem man weiß, das es rechtens ist, das es sein muss.

Als Einzelkämpfer gegen ein eingefleischtes System zu stehen ist nicht leicht und ich begreife auch, dass Menschen (oder Buchfiguren) sich ändern, aber es gleicht schon fast einer gewissen Ironie, dass Harper Lee ausgerechnet Finch zu jemanden hat werden lassen, der irgendwie gegen das steht, was zuvor noch wichtig erschien. In der Zeit, die vergangen ist, haben Bitterkeit und andere Umstände aus dem Symbol etwas gemacht, das mich irgendwie geschockt hat. Es ist schon ziemlich schwer, wenn man Figuren meint zu kennen, nur um dann von Autoren das Bild, das man Jahre – JAHRE VERDAMMT – vor Augen hatte, wieder zerstören zu lassen.

Viele der Handlungen im Buch haben mir das, was ich an To Kill A Mockingbird so geschätzt habe leider kaputt gemacht. Das finde ich ungemein schade und kann es auch schwer in Worte fassen. Manchmal glaube ich einfach, dass Bücher so stehen bleiben sollten, wie man sie als Einzelband kennt – Ich war jedenfalls von den meisten Geschehnissen im Buch doch arg vor den Kopf gestoßen. Harper Lee kann natürlich schreiben und auch ihr bestimmter Tonfall zwischen den Zeilen regt noch immer zum Nachdenken an, aber dennoch musste ich oft den Kopf schütteln. Ich meine, viele Menschen haben Finch als DAS Vorbild schlechthin gesehen und nun hat das Leben an sich alles kaputt gemacht wofür der Name stand? Wirklich?

Das Buch hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Es ist kein Werk, bei dem man sich anmaßen kann die Figuren oder den Inhalten groß zu analysieren, dafür wiegt de ganze Thematik irgendwie zu schwer. Jean Louise aka Scout ist ebenfalls mit von der Partie und spielt eine tragende Rolle und sie ist ihrem Charakter auch irgendwie treu geblieben. Sie ist noch immer rebellisch, extrovertiert und einfach offen und wild. Das hat der Story auch etwas das Gefühl des anderen Buches wieder geholt und es war schön etwas Vertrautes in der Geschichte wiederzufinden.

Die Dialoge sind meistens keine leichte Kost. Viel politisches Geplänkel, aber auch sehr gewichtige Worte und Schlagabtausche, die anregen selber mitzudenken und verschiedene Blickwinkel zu betrachten. Stellenweise war mir das alles etwas zu viel, da es nicht so abwechslungsreich untermalt wurde wie im Erstlingswerk der Autorin. Wenn man natürlich sehr interessiert an der ganzen politischen und gesellschaftskritischen Seite, dann wird man den etwas zäheren Passagen des Buches auch mehr abgewinnen können als ich. Ich sage es nur ungern, aber irgendwie hatte ich in dieser Hinsicht etwas mehr erwartet, neue Thematik, mehr Input, weniger historische Fakten – Für mich gab es schon sehr oft diese Szenen, in denen ich irgendwie den Faden verloren habe, weil sie extrem ausgeschlachtet wurden.




Alles in allem ein Roman, der mich wirklich zwiegespalten zurücklässt. Ich würde fast sagen, man muss ihn nicht lesen, weil besonders Finch als Figur sein altes Selbst und alles, wofür dieses gestanden hat irgendwie tötet. Es gibt viele Elemente, die unverkennbar Harper Lee sind und mir gefielen, aber meistens war das politische Oberthema doch präsenter als die Gesellschaftskritik oder die Hintergrundinfos zu den Figuren. Ich will mir allerdings nicht anmaßen bei der schweren Thematik ein allgemeines Urteil zu fällen – Ob das Buch nun gut ist oder nicht, muss man wohl selber herausfinden. Ich für meinen Teil bin allerdings schon enttäuscht und weiß nicht, ob ich Harper Lee nun bewundern oder hassen soll. 


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