Mittwoch, 2. September 2015

[BUCHREZENSION] Layers - Die Wahrheit ist vielschichtig


Titel: -
OT: Layers
Autor/in: Ursula Poznanski
Genre: YA, Thriller, Mystery
Buchreihe: Einzelband
Zur Verlagsseite:







Ursula  Poznanski wurde 1968 in Wien geboren. Sie war viele Jahre als Journalistin für medizinische Zeitschriften tätig. Nach dem Erfolg ihrer Jugendromane «Erebos», «Saeculum» und der Trilogie «Die Verratenen», «Die Verschworenen» und «Die Vernichteten» landete sie bereits mit ihrem ersten Thriller «Fünf» auf der Bestsellerliste. 2013 folgte «Blinde Vögel». «Stimmen» ist der dritte Fall des sympathischen Ermittlerduos Beatrice Kaspary und Florin Wenninger. Ursula Poznanski lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien.



Deutsch
Broschiert/ 14,99€
Seiten: 440
Verlag: Loewe


Englisch
Deutsches
Original




Ich werde mit Poznanskis Thrillern einfach nicht warm...

Kurzbeschreibung

Layers – die Wahrheit ist vielschichtig. Seit Dorian von zu Hause abgehauen ist, schlägt er sich auf der Straße durch – und das eigentlich recht gut. Als er jedoch eines Morgens neben einem toten Obdachlosen aufwacht, der offensichtlich ermordet wurde, gerät Dorian in Panik, weil er sich an nichts erinnert: Hat er selbst etwas mit der Tat zu tun? In dieser Situation bietet ihm ein Fremder unverhofft Hilfe an und Dorian ergreift die Gelegenheit beim Schopf – denn das ist seine Chance, sich vor der Polizei zu verstecken. Der Unbekannte engagiert sich für Jugendliche in Not und bringt Dorian in eine Villa, wo er neue Kleidung, Essen und sogar Schulunterricht erhält. Doch umsonst ist nichts im Leben, das erfährt Dorian recht schnell. Die Gegenleistung, die von ihm erwartet wird, besteht im Verteilen geheimnisvoller Werbegeschenke – sehr aufwendig versiegelt. Und als Dorian ein solches Geschenk nach einem unerwarteten Zwischenfall behält, wird er von diesem Zeitpunkt an gnadenlos gejagt. 
Buchgestaltung
Genau wie der Beititel „Die Wahrheit ist vielschichtig“ trifft das auch auf die Aufmachung des Romans zu. Die Klappenbroschur ist in verschiedene „Layers“ unterteilt – wenn man diese ausklappt entfaltet sich nach und nach etwas Neues (mehrere ineinander gesteckte Kästen), fast so, als wäre es von Lage zu Lage schwieriger die Wahrheit im Blick zu behalten – schaut richtig cool aus! Auch der Titel Layers zu deutsch „Lagen“ passt richtig gut zum Roman.
Meinung

Die Autorin ist wohl für die wenigstens Leser ein unbeschriebenes Blatt. Sie hat mehrere Jugendbücher und Romane für Erwachsene geschrieben und gilt auf dem deutschen Buchmarkt als eine der ganz großen. Bisher habe ich vier ihrer Bücher gelesen und als Layers rauskam, war das dieser typisch „die Autorin schreibt so toll, da muss ich das neue Buch unbedingt lesen“-Zwang. Dennoch habe ich schon nach den ersten 100 Seiten für mich persönlich festgestellt, dass Layers nicht wirklich das ist, was ich erwartet habe. Ich lese nicht besonders oft Jugendthriller und wenn ich dann mal wieder in das Genre abtauche möchte ich Mystery und mich gruseln und eine Atmosphäre, die zum Zerreißen gespannt ist. Vielleicht lag es an mir selbst, dass ich keine Verbindung zur Story aufbauen konnte, vielleicht auch an Elementen aus dem Buch. Ich jedenfalls war leider nicht begeistert von der Handlung.

Das Ganze beginnt damit, dass Protagonist Dorian in eine brenzlige Situation gerät. Er wacht neben einem Toten Obdachlosen auf und hat auch gleich einen Zeugen dabei – ein mysteriöser Mann, der Dorian aus irgendeinem Grund helfen und ihm vor der Polizei verstecken möchte. In seiner Panik nimmt Dorian seinen Vorschlag an und findet sich bald in einem merkwürdigem Haus voller Jugendlicher wieder. Doch was führt der Fremde im Schilde oder gibt es so etwas wie Nächstenliebe doch noch? Layer beginnt mit einem vielversprechendem Einstieg, wurde danach dann aber doch für lange Zeit sehr zäh. Ich mochte Dorians Einführung als Figur ziemlich gerne. Man erfährt nicht sofort, was seine Beweggründe sind auf der Straße zu leben, aber dafür ein gutes Gefühl für seine Persönlichkeit: etwas naiv und gutmütig, aber clever und ziemlich loyal, wenn er die Chance hat sich zu beweisen.

Lange Zeit wusste ich gar nicht, um was es in Layers eigentlich gehen sollte. Kapitel um Kapitel verstreicht, in dem Dorian in seinem neuem Haus lebt, mit seinen neuen Freunden spricht, sich in ein neues Mädchen verliebt und ein neues Ich entdeckt. Das alles plätschert doch eher gemächlich vor sich her und Informationen zum Wohltäter der Jugendlichen oder anderen Hintergrund Dingen gibt es zunächst nicht. Irgendwann wird Dorian dann in komische Aufgaben verwickelt, wie z.B. Nachrichten überbringen oder an einem Platz ausharren, egal, was kommt – Ereignisse die mir nur wieder mehrere Fragezeichen ins Gesicht gemalt haben. Irgendwie habe ich vergeblich auf die Spannung und Action gewartet oder zumindest mal ein paar kleine Schocker und Wenden, die alles etwas aufpeppen.

Die Figuren neben Dorian sind dazu noch sehr blass geblieben. Es gibt da diesen Wohltäter mit seinen guten Absichten, einen rebellischen Freund, dieses nette Mädchen, das Dorian mag, aber für mich waren die Charaktere leider nicht richtig greifbar. Ich konnte nicht verstehen, wieso sie waren, wie sie waren oder ihre Handlungen nachvollziehen, geschweige denn eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Besonders Melvin war für mich jemand, der immer wieder 180° Wendungen gemacht hat und dessen Benehmen mir die ganze Zeit ein großes Rätsel war. Dorian selbst fand ich allerdings ganz cool. Meiner Meinung nach hätte er mal mehr hinterfragen oder sich mehr fürchten müssen, aber ansonsten mochte ich ihn. Da das Buch eher neutraler geschrieben ist und nicht sehr stark auf sein Gefühlsleben eingeht, hatte ich auch keine Probleme damit seiner Geschichte zu folgen.

Was sind eigentlich die Layers in „Layers? Nun, auch das war eine Sache, die mir nicht wirklich begreiflich war. Erst kurz vor Schluss konnte ich endlich einen Eindruck davon gewinnen, was die Autorin sich mit ihrer Idee eigentlich vorgestellt hat. Es wird zwar immer wieder von den Hightech-Brillen gesprochen und ab und an fällt auch der Vergleich zu Google Glasses, aber wie Layers funktionieren, welche tragende Rolle sie für das Gesamtbild haben und wie diese eigentlich technisch/neurologisch gesehen funktionieren wurde zumindest für mich nicht befriedigend genug erklärt. Das ich erst nach über 300 Seiten einen kleinen Aha-Effekt vorzuweisen hatte, gefiel mir nicht – vielleicht habe ich aber auch einfach nur das Konzept von Layers nicht begriffen. Wer weiß das schon?

Auch das Ende war so gar nicht nach meinem Geschmack. Für mich war es eines dieser Enden, dass die Idee des Buches etwas zunichte machen. Im Grunde balanciert der Protagonist die Handlung hindurch um viele Konflikte herum und am Ende wird dann alles auf eine Art und Weise gelöst, die mich fragen lässt: wieso das ganze Drama, wenn es doch so einfach sein konnte? Man muss der Autorin allerdings zu Gute halten, dass sie kurz vor der Auflösung noch mal einen ordentlichen Showdown eingeleitet hat, der doch recht spannend zu verfolgen – und auch die erste richtige Gefahr – im Buch war. Die letzten Seiten lassen mich recht nachdenklich zurück. Ende gut alles gut? Und wo kommen eigentlich die Gefühle zwischen Dorian und seiner Angebeteten her, wo sie doch die meiste Zeit getrennt waren? Ich werde wohl noch eine Weile die Layers in Layers in meinem Kopf durchgehen.


Layers ist der neue Poznanski Roman und ein Buch von dem ich mir wirklich mehr erhofft hatte. Es ist schwer einzuschätzen, ob es an meinem persönlichem Empfinden lag, dass mir die Geschichte so lang und unverständlich vorkam oder das eben die neue Art von Thrillern ist, mit der ich einfach nicht klarkomme. Die Idee hinter Layers ist ziemlich interessant und auch viele Ansätze mochte ich sehr gerne, im Großen und Ganzen war ich aber doch enttäuscht und habe den „Thrill“ einfach nicht gespürt. Wirklich sehr schade. 


1 Kommentar:

  1. So unterschiedlich kann es laufen :) Ich hatte das Buch an einem Tag durchgelesen und mochte es wirklich gerne. Es war zwar nicht so gut wie "Die Verratenen" Reihe, aber die Autorin schafft es einfach immer mich zu fesseln. Ich fand das Ende zwar interessant gemacht mit der Wendung, aber dann ging doch irgendwie alles ziemlich glatt. Auch insgesamt sehe ich es auch so, dass man da schon noch mehr in die Tiefe hätte gehen können. An der Spannung kann ich aber gar nicht meckern :) Das kann gut sein, dass das dann einfach persönliche Vorlieben sind.

    Liebe Grüße,
    Tina

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