Dienstag, 13. Oktober 2015

[BUCHREZENSION] Jenseits des Schattentores



Titel: -
OT: Jenseits des Schattentores
Autor/in: Beate Teresa und Susanne Hanika
Genre: YA Fantasy
Buchreihe: Einzelband
Zur Verlagsseite:






Beate Teresa Hanika, geboren 1976 in Regensburg, ist Fotografin. Ab 1997 arbeitete sie mehrere Jahre als Model in verschiedenen europäischen Städten. Bereits seit ihrem zehnten Lebensjahr schreibt sie Geschichten und Gedichte. Sie lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort in der Nähe von Regensburg. Ihr erster Roman ›Rotkäppchen muss weinen‹ wurde u.a. mit dem Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2007 und dem Bayerischen Kunstförderpreis 2009 ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2010 nominiert. Susanne Hanika lebt mit Mann und Kindern in Regensburg. Nach dem Studium der Biologie und Chemie promovierte sie in Verhaltensphysiologie und arbeitete als Wissenschaftlerin im Zoologischen Institut der Universität Regensburg. Sie hat bisher fünf Erwachsenenkrimis veröffentlicht und schreibt seit 2010 mit ihrer Schwester Beate Teresa Hanika im Jugendbuchbereich. Kindern und Jugendlichen die Begeisterung zum Lesen zu vermitteln, liegt ihr sehr am Herzen.




Deutsch
Gebunden/ 16,99€
Seiten: 480
Verlag: Sauerländer



Englisch
Deutsches
Original!





Interessantes Konzept, gewöhnungsbedürftige Umsetzung...


Kurzbeschreibung

Rom, die Ewige Stadt: Eigentlich sucht die siebzehnjährige Aurora nur eine Wohnung, doch die Besichtigung läuft anders als erwartet ... »Komm rein, wurde ja auch Zeit! Es ist was schiefgegangen, und jetzt liegt er tot da drin«, wird sie von der ein paar Jahre älteren Luna begrüßt. Und bevor Aurora das Missverständnis aufklären kann, hilft sie schon, die Leiche zu beseitigen. Hals über Kopf gerät sie in ein rasantes Abenteuer, das selbst vor den Toren der Unterwelt nicht haltmacht, und verliebt sich auch noch in einen ungehobelten Kerl. Das alles beobachtet die uralte Göttin Persephone – und kann einfach nicht anders, als in die Irrungen und Wirrungen dort unten einzugreifen!
Buchgestaltung
Mir gefällt das düstere Cover ausgesprochen gut und es ist zwischen all den typischen Jugendbuch-Covern voller Gesichter und knalligen Farben mal etwas anderes. Außerdem passt es meiner Meinung nach auch gut zum Roman und diese Mischung aus dunkel/mythisch spricht mich einfach sehr an. Der Titel hat einen tollen klang, allerdings hätte man diesen auch noch besser auswählen können.
Meinung

Die Hanika-Schwestern sind mir vor allem durch ihre Jugendbuch-Reihe „Dark Angels“ bekannt, die ich damals sehr gerne gelesen habe, auch, wenn ich sie nicht perfekt fand. Ähnlich erging es mir auch mit dem neusten Roman der Autorinnen. Das Buch war gut, ich mochte es irgendwie, aber ganz überzeugen konnte es mich nicht. Als erstes – das ist wohl der größte Pluspunkt! - sollte man aber erwähnen, dass in dem Roman eine Menge Recherche Arbeit zu stecken scheint, denn die Schauplätze und Beschreibungen waren authentisch und toll beschrieben. Vor so etwas habe ich grundsätzlich Respekt und dafür gibt es Extra-Punkte.

Im Buch geht es um Aurora, die kein normales Leben führt. Sie lebt zusammen mit ihrem Vater in Rom und erledigt dort für diesen immer seltsame Aufgaben. Weil ihr Vater Professor ist, hat auch unsere Protagonistin ein paar mehr Hintergrundinfos und Wissen zu Dingen aus der Mythologie usw. die man als Leser selber nicht hat. Aurora gerät dann eines Tages an die verrückte Luna, die gerade einen Mord vertuschen will – zumindest wirkt es auf den ersten Blick so. Ehe Aurora sich versieht erlebt die ein Abenteuer, welches das Schicksal geplant zu haben scheint. Während Aurora in der „menschlichen“ Welt durch ein Ereignis nach dem anderen stolpert, gibt es eine Zuschauerin, welche auch oftmals die Erzählung übernimmt: Persephone persönlich beobachtet das junge Mädchen dabei, wie sie ihrer Bestimmung folgt, denn Auroras Familie hat ein Geheimnis und Persephone mischt aus Langweile und Sympathie für das Mädchen immer wieder mal mit. Daher ist das Buch auch in verschiedenen Stilen geschrieben – einmal aus der Sicht von Aurora, dann aus der Sicht von Persephone. Ich bin nicht wirklich Fan von solchen Perspektiven-Wechsel und auch hier fiel es mir schwer, die „Sprünge“ gutzuheißen.

Das lag besonders daran, dass ich kaum Bezug zu der Göttin herstellen konnte und immer dann, wenn ich mich Aurora annäherte wurde der Wechsel wieder vollzogen. So machten es mir die Autorinnen echt schwer, mich für eine der Figuren zu begeistern. Aurora war für mich ganz in Ordnung, aber so wirklich, richtig mögen konnte ich sie bis zum Schluss nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass man eigentlich so wenig über sie weiß und sie ständig irgendwo durch die Gegend rennt, anstatt dem Leser ihre familiären Verhältnisse, Wünsche und Ängste näher zu bringen. Es wurde sehr oft betont, wie gebildet die Protagonistin ist, allerdings bewiesen verschiedene Situationen immer das Gegenteil. Oft wurde Auroras „Wissen“ benötigt, aber sie verstand – genau wie der Leser – die Zusammenhänge der Ereignisse nicht.

Das war übrigens so eine Sache, die mich am meisten gestört hat: mangelnde Erklärungen. Viele Rezensenten haben geschrieben „halten bis zum Ende durch, es lohnt sich“ und das kann ich auch so unterschreiben, aber – muss ein Leser wirklich „durchhalten“ müssen? Sollte ein Buch einen nicht lieber so fesseln und außer Atem bringen, dass es einen nicht stört, kaum etwas zu wissen? Das war hier leider nicht der Fall. Durch das langsame Erzähltempo bleibt viel zu viel Zeit sich Unmengen an Dingen zu fragen, die einfach nicht – oder erst zum Schluss – beantwortet werden. Ein Leser sollte an dem Plot und den Figuren hängen. Es gibt schließlich auch Geschichten, wie z.B. Post-Apokalypsen oder Gedächtnisverlust-Idee, bei denen die Charaktere auch keinen Schimmer haben, aber die Spannung ist eben da und lenkt die Gedanken des Leser sozusagen um. Jenseits des Schattentores hatte seine guten Momente, aber mehr Infos und Verständnis hätten der Story gut getan.

Die Sache mit der Mythologie war allerdings echt interessant. Es gibt ja gar nicht so viele gute Bücher über Mythologie und ich fand die Einwürfe dazu immer super. Allerdings hätte man Persephone auch noch besser darstellen können. Teilweise kam sie mir wie eine zickige 16-jährige vor, nicht wie eine weise alte Göttin eben. Allgemein haben die Figuren viele nichtige Probleme über das Wesentliche gestellt und das hat mich hin und wieder den Kopf schütteln lassen.

Dafür ist das Setting mit Rom und den mythologisch angehauchten Hintergründen wundervoll atmosphärisch gewesen. Das Buch hat einen schon vom Gefühl her irgendwie in eine andere Welt entführt und das mochte ich sehr, sehr gerne. Gegen Ende laufen dann viele Stränge zusammen und man konnte doch zufriedenstellend mit der Geschichte abschließen.




Jenseits des Schattentores ist ein Roman mit viel Potenzial. Die Mythologie ist gut recherchiert, das Setting atmosphärisch und die Idee hinter dem Konzept interessant. Leider mangelt es dem Buch an sympathischen Figuren, zu denen man als Leser echten Bezug herstellen kann und die lange Suche nach Antworten ist sehr ermüdend. Etwas mehr Pepp und Action und das Buch hätte mich mehr überzeugen können. Auf der anderen Seite meiner Kritikpunkte steht allerdings, dass die Hanika-Schwestern zweifelsohne großes Talent besitzen und super schreiben können. Wenn man also etwas mehr Geduld mitbringt als ich, kann man sicher besser in die Geschichte rund um Aurora und Persephone eintauchen. 


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