Dienstag, 22. Dezember 2015

Teilt die Bücher, wir schmeißen euch gerne unser Geld hin!




Die Überschrift klingt jetzt sicher etwas dramatisch, aber um dieses Thema soll es in diesem kurzem Gedanken-Post gehen. Es beschäftigt mich schon eine Weile, zumal ich als Bloggerin und Autorin von verschiedenen Seiten Einblicke erhalte und in meinem Kopf schwirren sehr viele Fragen herum, die jetzt einfach mal gestellt werden wollen. Irgendwie zeichnet sich - vor allem im Jugendbuchmarkt – doch verstärkt das Phänomen ab, dass Bücher geteilt und manchmal sogar zu mehrbändigen Reihen zusammengesetzt werden. Argumente gibt es dafür unterschiedliche, aber so wirklich logisch erscheinen sie mir nicht.

Ist es wirklich das, was die Leser wollen? Geteilte Geschichten, damit man „schneller“ lesen kann? Sind Leser wirklich dazu bereit das zehnfache an Geld zu zahlen, nur, weil es ihnen zu lange dauert mal 6-12 Monate auf einen neuen Roman zu warten?

Offenbar schon, denn viele dieser „Konzepte“ gehen auf. Die Ebook-Charts lügen nicht und Verkaufszahlen schon mal gar nicht. In Rezensionen steht allgemein oft der Satz: jetzt heißt es wieder ein Jahr auf den nächsten Band warten. Aber ist das denn wirklich so schlimm? Teilweise habe ich schon von Leuten gehört, die Reihen gar nicht erst anfangen, sondern sie lieber nach Erscheinen des letzten Bandes komplett lesen. Ist die ganze Sache mit dem Teilen dann also doch „leserfreundlich“? Wollen die Menschen genau das?


Wollen die Leute tatsächlich 3x einen Preis zahlen, anstatt sich in Geduld zu üben und dann ein „richtiges ganzes Buch“ in den Händen halten zu können? Ich muss ehrlich sagen, dass ich persönlich der absolute Verfechter bin und so etwas als Geldmacherei ansehe. Ich wäre nicht bereit für etwas Geld zu bezahlen, von dem man weiß, dass es getrennt wurden ist. So hart das jetzt auch klingen mag, aber teilweise macht es mich wütend. Viele meiner eigenen Romane sind an die 400 Seiten lang, wurden mit Mühe und Zeit geschrieben, damit die Leser am Ende eine vollständige Story vor sich haben. Dieser neue Trend ist mir daher echt ein Dorn im Auge. Während manche Autoren hart dafür arbeiten 1-2 Geschichten im Jahr zu veröffentlichen, sonnen andere sich im Ruhm einer ganzen Reihe, wobei diese in Wahrheit nur einem einzigen Buch zu Grunde liegt.

Bei Übersetzungen sieht das alles auch noch mal anders aus, wenn es um fette Klopper geht und Verlage Fans möglichst zeitnah das nächste Werk eines Autors präsentieren wollen. Aber auch hier gibt es einige Beispiele, die wieder neue Fragen aufwerfen. Ein gutes Beispiel wäre z.B. das Lied von Eis und Feuer Reihe. Die Romane wurde jeweils getrennt und pro Part 1 und Part 2 des „ganzen Buches“ blättert ein deutscher Leser schon mal knapp 30€ hin, während man das TB für 8€ komplett im Original bekommt.


So richtig das Fass zum Überlaufen gebracht hat das Ganze (und auch Auslöser für diesen Post) ein weiterer Artikel, in dem eine sehr bekannte deutsche Autorin sich ebenfalls für das Teilen von Romanen aussprach. Man würde dadurch den Fans schneller etwas bieten können und es ihnen ermöglichen nicht Jahre auf eine Fortsetzung warten zu müssen. Episoden also so gesehen. Aber steckt dahinter nicht auch ein bisschen die Wahrheit, dass man so eben auch mehr Geld verdienen kann? Dass man die Leute besser bei der Stange hält? Autoren haben nun einmal unterschiedliche Arbeitsweisen und bei einem George R.R.Martin werden immer Witze darüber gerissen, dass wir auf das neue Buch warten, bis wir schon im Sarg liegen...aber ein Buch zu schreiben bedeutet eben auch Arbeit. Es bedeutet, dass man sich die Zeit nehmen muss das Beste aus etwas herauszuholen und dass man Wert auf die Qualität legen möchte.

Ich bin mir zu 100% sicher, dass Leser das verstehen. Ich verstehe es. Du verstehst es sicher auch. Wir alle verstehen es. Der Buchmarkt ist doch groß genug – die SuBs von Bloggern sowieso – wieso also nicht die Wartezeit mit einem anderen Buch überbrücken?

An sich finde ich die Idee mit den Episoden auch gar nicht schlecht. Ein wenig wie eine TV-Serie oder eben auch die eShorts und Novellen, die viele Verlage anbieten (dementsprechend dann aber auch weniger kosten) sind ja eine nette Idee. Letzten Endes wird es mir aber wohl immer ein Rätsel bleiben, wie Leser das Teilen von Romanen unterstützen können. Schließlich sind es ihre Käufe und ihr Geld, die Verlagen das Bild vermitteln, dass es okay ist, gut ankommt, wirklich ein neuer Trend ist.


Vielleicht irre ich mich aber auch gewaltig. Bin mit meiner Meinung alleine. Mich würde es jedenfalls brennend interessieren, wie ihr das seht. Findet ihr es super, wenn eine Trilogie zerhackt wird und ihr schneller an neuen Lesestoff kommt? Beugt ihr euch widerwillig dem neuen Konzept, dass sich besonders in der digitalen Szene immer mehr durchsetzt? Oder seid ihr vielleicht – genau wie ich – ein wenig entsetzt darüber, mit welchen Methoden so manche Autoren ihren Lesern das Geld aus der Tasche ziehen wollen?

Das ganze ist ein schwieriges Thema, dass natürlich mit diesem Gedanken-Post meinerseits nicht einmal annähernd komplex erfasst wurden ist, aber diese Sachen lagen mir schon lange auf dem Herzen. Ich hoffe, ihr fühlt euch nicht persönlich angegriffen, wenn genau eurer Lieblingsautor auch gerne „Häppchen serviert“. Wer weiß? Vielleicht könnt ihr mir ja einen Einblick in eure Gedankenwelt geben und begründen, warum ihr das super findet? Ich bleibe nach wie vor dabei: Bücher sollte man nicht trennen. Vor allem nicht, wenn es dabei nur um das Geld geht. Das regiert eben nicht allein die Welt.


Kommentare:

  1. Sehr interessanter Post, der zum Nachdenken anregt.

    Ich sehe das wie du in erster Linie als Geldmacherei. Zweimal den Preis eines vollen Buches für EIN Buch zu bezahlen - als wären Bücher nicht schon teuer genug. Darüber beschwere ich mich nicht, weil ich den Wert eines Buches anerkenne. Aber welchen Wert hat ein zerstückeltes Buch?
    Natürlich sind lange Wartezeiten manchmal nervig, aber wie du sagst, es ist ja nicht so, als gäbe es zu wenig Bücher. Und dann kann ich mir auch statt zweimal den vollen Preis für zwei Teile eines Buches auszugeben, doch viel lieber gleich zwei volle Bücher kaufen. Umgekehrt bin ich gerne voll in der Geschichte drin, inklusive Vorwissen, weshalb ich Vorgänger oft re-reade - da ist es schöner, wenn ich gleich einen größeren Teil der Geschichte lesen kann, anstatt in Abschnitten immer wieder dareinfinden zu müssen.

    Generell finde ich es traurig, wie sehr Geld den Buchmarkt dominiert, obwohl es doch eigentlich um die Geschichten gehen sollte. Und eine Geschichte zu zerstückeln ist grausam - denn Enden (auch die eines Bandes innerhalb einer Reihe) werden schließlich nicht ohne Hintergedanken gemacht. Ein abgetrennter Teil bedeutet, dass man als Autor entweder seitenlange Informationen auffrischen muss, oder als Leser eben noch die Geschichte gut kennen.

    Ich lese lieber ein Buch in einem Rutsch, anstatt Geld für zwei Bücher mit einer zerstückelten Geschichte zu bekommen.

    Liebe Grüße
    Dana

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  2. Hey,

    ein guter Post, darüber habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht. Bei mir sieht es so aus: Wenn ein einzelner Band mehr als 400 Seiten hat, dann ist es völlig in Ordnung, das Ganze aufzuteilen. Die einzelnen Bände sollten aber schon in sich geschlossen sein und drängende Fragen aufklären anstatt mitten im Geschehen abzubrechen. Ganz besonders ärgert mich das im Moment bei der Royal-Reihe von Valentina Fast. Die wurde in 6 Einzelbände zu je 160-eBook-Seiten aufgespalten, die alle in einem Abstand von einem Monat erscheinen. Dabei wird teilweise mitten im Geschehen abgebrochen und die Bücher knüpfen nahtlos aneinander an. Im Nachhinein würde ich jedem empfehlen, auf die Gesamtbox zu warten (die übrigens schon in ein paar Monaten veröffentlicht wird), um einerseits Geld und Stress zu sparen, denn am Anfang der neuen Bücher gibt es eigentlich keine Einführung mehr. Als Käufer kam ich mir auch bei der Royal-Reihe vom Verlag veräppelt vor. So steht auf der Verlagsseite, ein Buch hätte so um die 240 Seiten, aber die Geschichte ist nach 67% meist zu Ende (also ca. 160 Seiten) und danach folgt eine ewig lange Leseprobe, die gar nichts mit dem Buch an sich zu tun hat. Wofür zahle ich denn bitte? Doch nicht für eine Leseprobe!

    Natürlich finde ich es schade, auf ein Buch ein Jahr lang zu warten, aber ein Teil sollte schon eine gewisse Anzahl an Seiten haben. Dann warte ich auch lieber etwas länger. Bei Reihen, bei denen ich den "Anfang" verpasst habe, warte ich auch meistens ab, bis der Rest der Reihe erschienen ist, um dann alle direkt hintereinander zu lesen.

    Genau wie meine Vorposterin lese ich lieber ein gescheites Buch als auseinander gestückelte Geschichten.

    PS: Ich finde es auch schrecklich, wie Novellen und Zusatzbücher vermarktet werden, obwohl sie meist nur das eigentlich schonmal erzählte nochmal durchkauen.

    Liebe Grüße,
    Sanja

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  3. Ich bekomme die Hintergründe oft gar nicht so mit. Aber wenn ein Band offensichtlich mitten in der Handlung abgebrochen wird, um einen Folgeband zu veröffentlichen, ärgert mich das schon sehr.
    Ein ganz anders Beispiel war "Die Seiten der Welt" von Kai Meyer. Das war als Einzelband dB geplant,dann aber so erfolgreich, dass in kurzer zeit 2 und 3 folgen. Das hat mich schon geärgert, weil ich es mal Spam fand, dass es keine Trilogie gab und die Geschichte auch in sich abgeschlossen war. Andererseits will ich natürlich schon wissen, wie Meyer die Geschichte weiter erzählt.

    Aus Sicht der Verlage würde ich sagen, so lange die Nachfrage stimmt, warum dann mit dem Konzept aufhören?

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  4. hey,
    Also ich hab mir darüber auch schon Gedanken gemacht, weil ich das Gefühl habe, das wird immer mehr. Lustigerweise wollte ich auch irgendwann einen Blogbeirag dazu schreiben :D
    Ich finde es absolut dämlich, dass Bücher einfach geteilt werden. Ja, okay, wenn eine Buchreihe als Buchreihe geschrieben wird, jedes Buch für sich eine Geschichte ist und so, kann ich ja mit leben. Aber wenn einfach die Geschichte etwas gestreckt wird und eine Geschichte dann in zwei bis drei Teile gestückelt wird, nervt mich das einfach...
    Und GoT ist das schrecklichste Beispiel überhaupt. Einfach mal doppelt so viel verdienen mit dem deutschen Buch wie mit dem englischen. Mit uns kann mans ja machen -.-
    Ebenso würde ich hier aber auch die Edelsteintrilogie drunter fassen. Ich liebe die Bücher, keine Frage, aber den Inhalt hätte man locker in ein buch packen können (wenn man nicht die größte Schriftgröße gewählt und den Zeilenabstand verringert hätte). Dann hätte man aber nicht 3 Bücher für rund 20 Euro verkauft, sondern nur eines.

    Und von ebook-Serien bin ich auch kein Fan. Ich lese eine Geschichte einfach gerne am Stück und will mir nicht jedes Kapitel extra kaufen.

    Ah ich glaub ich muss wirklich einen eigenen Beitrag dazu schreiben, es gibt nämlich noch andere Bereiche, über die ich mich mega in dem Zusammenhang aufrege, aber die jetzt hier auch zu weit führen würden... Du musst das ja alles auch noch lesen^^

    Liebe Grüße und tolles Thema ;D
    Lena

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  5. Hey Tanja!
    Ein wirklich toller Post! Ich hatte gar nicht vor bis zum Ende zu lesen, aber dann war es doch zu interessant! :D Ich bin eigentlich total deiner Meinung, aber dann auch wieder nicht :D Also, was ich schlimm finde ist der besagte Trend. Warum muss jedes Buch heutzutage ein Mehrteiler sein? Warum kann man seine Story denn nicht mehr in ein Buch packen??? Das nervt mich ehrlich und ich stimme dir absolut zu, dass das nur Geldmacherei ist. Was mir zum Beispiel absolut nicht gefällt ist die "Weil ich Layken liebe-Reihe"...warum der dritte Teil? Es ist nicht mal ne neue Story...
    Aber bei manchen Reihen finde ich es auch gut, dass es einfach noch nicht vorbei ist! Bei der Lux- Reihe warte ich gern. Das Warten ist zwar hart, aber irgendwie doch auch wieder cool?!
    Besonders kann ich dich verstehen, da du ja Autorin bist! Und ich finde es super, dass du das mal aussprichst! Ich hab mich zum Beispiel bei der Night School Reihe mega geärgert, weil es einfach nichts Neues in der Handlung gab...
    Gegen so ein paar Einteiler ist also beim besten Willen nichts einzusetzen! Aber leider...gegen den Trend...:/

    Liebe Grüße,
    Julia
    geschichtentaenzer.blogspot.de

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  6. Ich stimme dir da total zu. Bücher, die einfach mittendrin geteilt werden, sind nervig. Nicht nur, dass man deutlich mehr bezahlen muss, sondern auch, dass die Teilung meistens überhaupt keinen Sinn macht. Wenn die gewählte Stelle für die Trennung mitten in einer spannenden Stelle ist, wird das warten auf den nächsten Teil noch viel schlimmer, wenn die Geschichte bis zu dem Punkt eher langweilig war, will man vielleicht gar nicht erst weiterlesen. Ich würde mir auf jeden Fall kein "halbes" Buch kaufen. Game of Thrones habe ich beispielsweise auch noch nicht gelesen, weil ich den Preis für die deutschen Bücher einfach nicht einsehe.
    Von mir aus kann der Trend direkt wieder beendet sein!

    Liebe Grüße
    Jacqueline

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  7. Hallo,

    ich lese jetzt zum ersten Mal das es soetwas überhaupt gibt. Ich muss auf meine Fortsetzungen immer lange warte und das ist ja irgendwie normal, der autor muss die Geschichte ja auch erst schreiben.
    Aber ich würde auf keinen Fall das doppelte zahlen, he? Versteh ich gar nicht, da würde ich lieber warten.

    Viele Grüße
    Twineety

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  8. Mir geht es wie Melissa, meistens kriege ich das "von außen" gar nicht mit. Dass da irgendwas nicht stimmt merke ich dann, wenn das Buch einfach so aufhört (was mir aber nicht oft passiert, weil ich wenig lese und davon noch weniger (neue) Reihen sind). Das mag ich auch bei Filmen nicht. Erst neulich bei Mockingjay II - ich hab mir nicht dieses Special angeschaut und Mockingjay I war ein Jahr lang her, nichts wurde wiederholt, natürlich hab ich mich erstmal Nüsse ausgekannt und das nervt mich. Ich hab es am liebsten, wenn jedes Buch eigenständig und in sich selbst schlüssig ist, wie du auch schon geschrieben hast. Ich lese nämlich Reihen oft in großen Abständen (daher macht es mir auch nix, auf Erscheinungen zu warten), und da ist es halt kacke, wenn es eigentlich eine fortlaufende Geschichte ist, in die man vielleicht trotz Wiederholungen am Anfang nicht mehr so gut reinfindet ... :/

    Also wie gesagt, dafür, mich jetzt richtig darüber aufzuregen, betrifft mich das Thema zu wenig (eBooks z.B. lese ich so gut wie gar nicht ^^). Aber ich versteh natürlich, dass es dich als Vielleserin und vor allem natürlich auch als Autorin sehr aufregt! Erinnert mich ein bisschen an Gruppenarbeiten in der Schule, wo ein paar Leute die Arbeit machen und ein paar fast nichts - die aber die selbe Note bekommen. Und das Preisbeispiel bei Das Lied von Eis und Feuer ist natürlich, ja, ein Hammer, keine Frage ...

    Alles Liebe,
    Sandra

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  9. Hey,
    ich bin genau deiner Meinung, dass man Bücher nicht "Zerteilen" sollte. Schockiert hat mich das schon bei den Bücher von Martin. Im Amerika sind es 6 Teile. In Deutschland 12? Nur damit man mit dickeren Seiten mehr "Masse" erzeugt und somit nicht nur 90€ einnehmen kann, sondern 180€? Das finde ich nicht so toll. Ich bin tatsächlich auch jemand, der manchmal auf das Ende der bspw. Trilogie wartet, um dann auch einen schönen Schuber oder sowas zu holen. Über das Layout machen sich einige Verlage ja auch erst nach Beendigung der Reihe Gedanken :(

    Übrigens habe ich dein Post hier mal in meinen Linktipps verlinkt.http://fortunamajor.de/linklist-december-2015/
    LG Cörnchen

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Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D

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