Samstag, 24. September 2016

[BUCHREZENSION] Erdbeersommer



Erdbeerwettessen mit Kumpel Finn, Tagträumen in den Dünen mit ihrer besten Freundin Mareike und lange Ausritte auf dem geliebten Schimmel Hauke - Liv freut sich riesig auf die Ferien an der Nordsee! Auf dem Pferdehof ihrer Tante kann der Sommer nur perfekt werden. Als sie dann auch noch Jan kennenlernt, schlägt nicht nur ihr Pferdeherz höher. Auch wenn den Fußballstar und Mädchenheld sonst keiner so wirklich leiden kann, ist Liv sofort bis über beide Ohren verliebt. Doch Jan scheint ein Geheimnis zu haben, über das niemand im Ort reden will. Erst bei einem Ausflug ins nebelige Watt kommt Dinge ans Licht, mit denen Liv nie gerechnet hätte.

► Deutsche Originalausgabe ► Autor/in: Ilona Einwohlt ► Genre: Jugendbuch; Contemporary ► Einzelband ► Verlag: Arena ► Seiten: 232 ► Gebundene Ausgabe, ohne Schutzumschlag - 12,99€  ► Kaufen: bei Amazon /beim Verlag



Unter dem Roman hatte ich mir eine sehr süße Liebesgeschichte vorgestellt, die etwas schön-locker-leichtes für zwischendurch sein würde. Allerdings wurden meine Erwartungen weitgehend enttäuscht und es gab auch ein paar Dinge, die mir persönlich nicht so ganz in den Kram gepasst haben. Dabei versprach der Klappentext zu „Erdbeersommer“ etwas richtig Tolles: Liv macht wie immer Ferien bei ihrer Tante und ihren Onkel und ihrem geliebten Pferd Hauke. Im Ferienort hat sie auch zwei beste Freunde, mit denen sie immer ihren Sommer verbringt und erste Liebe ist auch im Spiel … das ist für mich DAS Rezept für ein niedliches Contemporary Buch, aber mhhh … wo fangen wir an? Vielleicht beim Prolog. Dieser war sehr mysteriös und hat auch gleich Lust auf mehr gemacht. Es wird angedeutet, dass im Moor seltsame Dinge vor sich gehen, die sogar magischer Ursache sein könnten. Jedenfalls war ich sehr gespannt, welche Rolle genau diese Legende im Verlauf der Geschichte spielen würde, aber die Antwort war: Kaum eine. Denn leider kommt die Autorin auf den Prolog gar nicht mehr zu sprechen. Nur eine klitzekleine Szene zu Ende des Buches lässt ein paar Vermutungen aufkommen, was zu wenig war.

Liv als Protagonistin fand ich ganz okay. Sie war ein liebes Mädchen, das recht sympathisch war, aber ständig falsche Entscheidungen (zumindest in meinen Augen) trifft. Das fängt schon mit dieser blöden Insta-Love an. Sie sieht Jan, sie streitet sich mit Jan und dann gibt es EINEN Moment – schwupps ist sie in ihn verliebt. Das habe ich echt nicht begriffen. Was mich auch extrem gestört hat, ist wie Jan Liv behandelt. Nämlich nicht auf diese süße „wir streiten uns ein bisschen, obwohl wir einander“ Weise, sondern auf die „ich bin ein waschechter Bad Boy Arsch und du bist mir egal“. Dabei ist Liv wirklich noch SEHR JUNG, der Roman kratzt gerade so an der Grenze vom Kinderbuch zum Jugendbuch und so etwas als „okay“ zu vermitteln, finde ich nicht richtig. Später stellt sich sogar heraus, dass Jan (SPOILER!) Liv die ganze Zeit nur veräppelt hat und nebenbei noch ein anderes Mädchen am Start hatte. Das alles wird im Buch nicht thematisiert. Ich finde es wirklich in Ordnung, wenn Autoren solche Sachen in ihre Storys einbauen, aber dann MÜSSEN sie wirklich als „falsch“ aufgezeigt werden. Was soll denn sonst die Moral von der Geschichte sein? Liv hat ein gebrochenes Herz und macht weiter – Ende? Nein.

Leider blieben auch die Nebenfiguren sehr blass und ich wurde mit ihnen einfach nicht warm. Das liegt vielleicht auch daran, dass man kaum etwas über diese erfährt, nicht mal über Livs zwei beste Freunde. Stattdessen gab es hier auch noch etwas verzwicktere „Liebes-Vibes“, zwischen Liv und Finn, dann zwischen Finn und einem anderen Mädchen, diesem Mädchen und Jan … mir war das einfach alles zu viel, zumal es dann noch so oberflächlich und schnell abgehandelt wurde. Ich habe da absolut keine Gefühle/Chemie gespürt.

Was ich allerdings am Buch sehr mochte war, dass Liv ihr Pferd so sehr liebt und man das tatsächlich spürt. Es gibt viele schöne Momente, in denen es nur um Liv und Hauke (der Name ist aber auch zu ulkig!) geht und ja, manchmal ist mir da echt warm ums Herz geworden. Tierliebe konnte also bei mir punkten. Außerdem ist der Schreibstil zwar eigen, aber flüssig zu lesen gewesen und ich hatte das Gefühl, die Autorin habe einen originellen Ton getroffen, den man eben nicht in tausend anderen Büchern liest.

An sich war der Plot sehr einfach gestrickt. Es ging hauptsächlich um die Ferien, die Irrungen und Wirrungen der vielen Teenies und … das war es schon. Mir hat ehrlich gesagt etwas der rote Faden gefehlt. Ich hatte wirklich erwartet, dass das Moor und die Legende eine tragende Rolle spielen würden. Das Ende kam dazu noch sehr abrupt und ich weiß nicht so ganz, was da eigentlich passiert ist. Plötzlich ging alles Schlag auf Schlag und als Leser steht man mit vielen offenen Fragen da, die nicht beantwortet wurden. Vielleicht folgt irgendwann noch ein zweiter Band? Ich weiß es nicht. Lese werde ich ihn trotz ein wenig Neugier wenn auch nicht mehr. Dafür konnte mich Erdbeersommer insgesamt einfach zu wenig packen – sehr schade!



Erdbeersommer schien auf den ersten Blick eine süße und leichte Geschichte für den Sommer zu sein, aber meinen Geschmack hat das Buch nicht getroffen. Mir waren die Figuren zu platt, die Handlung zu öde und vor allem dieses Gefühls-Chaos too much, nicht zu vergessen, die merkwürdig verdrehte Moral der Beziehung zwischen Liv und Jan. Auch der gute Schreibstil konnte wenig herausreißen. Ich bin enttäuscht und immer noch sehr zwiegespalten. Von mir gibt es deshalb keine Empfehlung, trotz des bezaubernden Covers. 


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