Samstag, 17. September 2016

[BUCHREZENSION] Für dich soll's tausend Tode regnen





Wer Emi auf die Nerven geht, dem verpasst sie in Gedanken eine Todesart. Und seit dem Umzug weiß sie nicht, wer mehr nervt: die Neue ihres Vaters, die sich ernsthaft in der Mutterrolle sieht, ihr Strahlemann von Bruder, der das auch noch gut findet (stirbt bestimmt mal, weil er auf seiner Schleimspur ausrutscht), oder Erik, Alphatier an ihrer neuen Schule, der einen auf cool macht und sie ständig provoziert (stirbt garantiert an einem Hirntumor wegen übermäßigen Handykonsums). Als sie sich in Chemie mit Alpha-Erik anlegt, kracht es wortwörtlich zwischen den beiden. Die Strafe dafür sind acht Samstage Graffiti schrubben. Mit Erik! Kann das Leben noch beschissener sein? Um aus der Nummer rauszukommen, schlägt Emi einen Wettstreit vor. Doch Erik ist nicht kleinzukriegen. Emi wünscht ihm tausend Tode an den Hals, bis sie merkt, dass es gar nicht so nervig ist, Zeit mit Erik zu verbringen …


► Deutsche Originalausgabe ► Autor/in: Anna Pfeffer (Pseudonym) ► Genre: Jugendbuch; Contemporary ► Einzelband ► Verlag: cbj ► Seiten: 320 ► Broschierte Ausgabe - 14,99€  ► Kaufen: bei Amazon /beim Verlag



Vorweg: Die Gestaltung des Buches finde ich wirklich unglaublich gelungen! Ich habe schon lange nicht mehr so ein tolles Cover gesehen und es passt perfekt zum Inhalt, ein wenig düster, aber immer noch ganz süß. Wer auch immer da am Werk war verdient auch ein Sternchen. In Kombination mit dem Titel klang das Buch mal nach etwas anderem ... und ich wurde auch nicht enttäuscht. Hinter dem Pseudonym Anna Pfeffer stecken zwei erfolgreiche Self-Publisherinnen, die mit ihrem ersten Jugendroman bewiesen haben, dass sie sich nicht verstecken müssen. Ganz im Gegenteil - ihr Buch gehört mit zu den besten Contemporary Geschichten, die ich dieses Jahr lesen durfte. Ich sage euch warum!

Ihr habt es satt, dass die Protagonistin eine jammernde, unsympathische Kuh ist?
Ihr habt einfach die Schnauze voll von Insta-Love, die schneller kalt wird als Suppe?
Ihr ertragt es nicht mehr, dass die Welt der Prota sich nur um sich selbst dreht? 

Ihr möchtet ein Buch, bei dem es auch um Familie geht?
Ein Buch mit Humor an genau den richtigen Stellen?
Und ihr möchtet endlich mal weniger Drama, mehr Story?

Ding, ding, ding! Gratulation, das hier ist EURER Buch.

Auf den ersten Blick mag der Klappentext die Geschichte in einem 0815 Licht hinstellen: Mädchen verliebt sich in Junge, den sie so gar nicht leiden kann, aber dahinter steckt einiges mehr. Schon die ersten Seiten sind einfach so erfrischend anders, so schwarz und so voller Referenzen zu den Dingen am Leben, die uns wohl alle irgendwie stören.

Für die Leser regnet es ... 

1) Einen schwungvollen, dynamischen Schreibstil, der Emis Stimme zu 100% gerecht wird. Keine Ahnung, wie diese zwei Autorinnen es geschafft haben gemeinsam zu schreiben, aber es ist ihnen gelungen. Emis Stimme ist unverwechselbar. Etwas düster, mürrisch, zynisch und absolut echt. Die Dinge mal negativ zu sehen hat nie so viel Spaß gemacht wie hier. Mal Gejammer der anderen Art, mit echten Problemen als Ursache. 

2) Ein originelles Hobby, das ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Todesanzeigen sammeln? Sich mit skurrilen Toden beschäftigen? Klingt im ersten Moment etwas abgedreht und verrückt, ist hier aber sehr witzig verpackt und lässt auch öfter mal staunen. Es gab viele Szenen, in denen ich mich nicht mehr eingekriegt habe, weil ich urkomisch war, wie Emi den Leuten in ihrem Kopf Tode verpasst und sich nach außen einfach nicht darum schert, was die Personen, die sie nicht mag sagen und denken. Für eine Protagonistin ist sie zwar sehr passiv und introvertiert, aber das war eine interessante Abwechslung zu den üblichen Mauerblümchen oder Überfliegern, die Jugendbücher immer so bieten.

3) Familienchaos, ganz dicht am Leben, denn Emis Vater und Bruder spielen eine große Rolle. Das fand ich schön. Es gibt zu selten Bücher, in denen man auch mal mitkommt, was hinter den Kulissen passiert. Von vielen Figuren würde man glatt denken, sie seien Waisenkinder, so wenig wird die Familie involviert. Hier gibt es aber typische Streits zwischen Geschwistern und auch der Konflikt mit dem Umzug und der neuen Freundin des Vaters wird zufriedenstellend angesprochen und behandelt. 

4) Das Zusammenspiel aus Hass und Liebe, denn diese Gefühle liegen bekanntlich sehr nah beieinander. Die Beziehung zwischen Emi und Erik hat mich überzeugen können. Emi ist nicht der Typ Mädchen, welches Erik anhimmelt und so baut sich während ein paar rasanter Wetten zuerst eine kleine Freundschaft zwischen Pessimistin und Ekelpaket auf, ehe es in Phase zwei geht. Die vielen kleinen Begegnungen und Gespräche mochte ich echt gerne und ich fand es auch nachvollziehbar, wie sich alles zum Ende hin umgedreht hat. Die Dialoge zwischen beiden waren so schön bissig und sarkastisch - das liebe ich an Contemporary mega und hier war das ebenfalls ein großer Pluspunkt. Außerdem gab es gegen Ende die ein oder andere wirklich niedliche Stelle *hach*

Dinge für mein schwarzes Büchlein? 

Ich hätte mir für den Abschluss einfach ein paar mehr Seiten gewünscht. Alles erschien mir doch etwas gehetzt und schnell abgeschlossen. Das mindert nicht den Lesespaß insgesamt, ist für mich aber schon ein kleiner Kritikpunkt. Und wie bei jeder Jugendbuch Liebesgeschichte muss man sich auch vor Augen halten, dass überraschende Wenden eher ausbleiben - das ist allerdings Genre bedingt typisch und auch nicht weiterhin schlimm. Wie sagt man immer so schön: Der Weg zählt und muss unterhaltsam sein.


Für dich soll's tausend Tode regnen bringt frischen Wind ins Jugendbuch Genre. Mit einer sympathischen Protagonistin, viel Pessimismus und originellen Einfällen macht das Buch einfach sehr viel Spaß und weist öfter Tiefgang auf, als erwartet. Für ein paar gelungene Stunden mit Lachern und ein wenig Herzschmerz bestens geeignet! 



Kommentare:

  1. Das ist doch eine gute Bewertung und eine tolle Rezi.

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  2. Das klingt, als wäre das Buch was für mich :) Danke, für die gelungene Rezi. Das Buch scheint ja gerade überall zu polarisieren. Da bin ich mal gespannt...

    Liebe Grüße,
    Jen

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