Sonntag, 20. November 2016

Autoren und das Bewerten von Büchern oder auch: Ich bin SO VIEL BESSER als du!


Ich bin über andere Romane erhaben und wenn ich etwas scheiße finde, dann möchte ich der Welt damit gerne sagen, dass ich es so viel besser kann! #isso

Klingt ziemlich eingebildet, oder? Aber es ist gar nicht so lange her, da habe ich im Internet einen eben solchen Vorwurf als Reaktion auf eine Rezension gelesen. Eine Rezension, die von jemanden kam, der selber Romane schreibt und sich das "Recht" herausgenommen hat trotz seines Berufs ein anderes Buch subjektiv zu bewerten. Vielen Autoren/Autorinnen ist es tatsächlich ein Dorn im Auge, dass „Kollegen“ eine eigene Meinung haben und sich auch nicht davor scheuen diese zu äußern. Aber ist es denn wirklich so verwerflich, dass man seinen Gedanken eine Plattform bieten möchte? Und wieso darf man das nur als Normalsterblicher, der selber noch nie ein Buch beendet und veröffentlicht hat? Dies ist natürlich nur eine Verallgemeinerung. Es werden nicht täglich anklagende Finger erhoben und mit scharfer Kritik in die „eigenen Reihen“ geschossen. Aber nehmen wir einmal an, das würde zu unser aller Alltag dazu gehören … würde die Welt dann von einigen kritischen Stimmen untergehen? Würden manche Leute ihr Handwerk beiseite legen? Und was unterscheidet eigentlich die Kritik, die von einem Autor/einer Autorin kommt zu jener, die von einem Leser/einer Leserin ausgedrückt wird – egal in welcher Form?

Die Sache sollte eigentlich recht simpel sein.
Du hast eine Meinung? Äußere sie.
Du möchtest ein Buch bewerten? Tue dir keinen Zwang an.

Wieso also wird das Thema „sollten Autoren/Autorinnen Bücher bewerten dürfen“ immer wieder in den Fokus gerückt? Und was heißt eigentlich dürfen? Ich für meinen Teil bin ein eigenständiges Individuum und brauche nur meine eigene Erlaubnis, um zu sagen, wenn mir etwas nicht passt. Schließlich bin ich erwachsen.

Die Sache ist auf den zweiten Blick allerdings doch etwas verzwickter, als man vielleicht annimmt. Da ich als Buchbloggerin angefangen habe meine Liebe zu Büchern teils in Form von Rezensionen zu teilen, gleichzeitig aber auch Bücher schreibe und veröffentliche, habe ich mir über das Thema einmal Gedanken gemacht. Ich persönlich wurde noch nie angegriffen, weil mir ein Buch nicht gefallen hat oder ich mit einer Rezension jemanden auf den Fuß getreten bin, aber ich kenne dutzende Leute, die solch eine Erfahrung bereits machen mussten.

Meiner Meinung nach gibt es keinen Unterschied zwischen der Kritik eines Leser und der Kritik eines Autors. Wenn überhaupt, dann sollte man der Kritik eines Autors noch viel offener gegenüberstehen, denn immerhin weiß diese Person genau wie viel Arbeit es ist einen Text zu schreiben, Monate lang zu überarbeiten und den langen Prozess des Veröffentlichens zu durchlaufen. Aber Autoren sind auch nur Menschen und Menschen haben zwangsläufig eine Meinung zu allem. Wenn ich also ein Buch (schlecht) bewerte, dann sage ich damit keines Falls, dass ich es besser machen würde. Denn lese ich ein Buch, dann LESE ich es. Ich bin keine Autorin in diesem Moment, keine Lektorin, die einen Text auseinander nimmt und auch keine Spionin, die nach neuen Ideen Ausschau hält. Ich bin schlichtweg eine Leserin, jemand, der Geschichten mag und sich damit unterhalten möchte. Und wenn mir etwas nicht zusagt, ich Inhalte moralisch verwerflich finde oder mir ein Klischee mal wieder so richtig die Tränen der Verzweiflung in die Augen treibt, dann kann mir niemand verbieten meine Meinung in Worte zu fassen.

Natürlich kommt es dabei auf die Art und Weise an, den Weg, den man wählt sozusagen. Einer bekannten deutschen Autorin einen fetten Rant aufhalsen ist vielleicht nicht die umgänglichste Form. Es hat auch viel mit Respekt zu tun, dass man sich zurückhält und seine schlechte Meinung vielleicht nicht an die große Glocke hängt. Aber was tun, wenn ein Buch so unterirdisch ist und dabei noch gesellschaftliche Konflikte aufwirft, zu denen man einfach nicht schweigen möchte? Ich habe schon haarsträubende Storys gelesen, die ich am liebsten gegen die Wand geklatscht hätte und ja, manchmal halte ich es für meine Pflicht die Leute vor deren Inhalten zu warnen. Aber welche Auswirkungen hat eine miese Rezension seitens einer Autorin für eine andere Autorin? Wenn wir es mal genau nehmen, dann keine. Es rennen weder plötzlich Fans davon, noch kündigen Verlage einen Vertrag oder man verliert an Ansehen in seinem Freundeskreis. Und ist es nicht gerade das Umgehen mit Kritik, das sozusagen in der Jobbeschreibung eines Autors mit inbegriffen ist? Übt man nicht sogar die falsche Tätigkeit aus, wenn man bei einer einzigen Leserstimme am liebsten unter die Bettdecke kriechen mag?

Fakt ist jedenfalls: Kritik lauert an jeder Ecke. Sie kann hilfreich sein, aber auch gemein. Sie kann wütend machen, sinnloses Zeug beinhalten und manchmal trifft sie einen zur falschen Zeit mitten ins Herz. Aber, ob sie nun von einem Leser oder einem Autor kommt sollte dabei völlig nebensächlich sein. Und mit dem Finger auf Autoren/Autorinnen zu zeigen, die nach Lust und Laune Bücher (ehrlich) bewerten ist doch Kindergarten Niveau. Alles Neid, heißt es da. Oder auch, man will andere nur niedermachen, um sich selbst zu profilieren. Schreibt in einem anderen Genre und hat sowieso keine Ahnung, könnte man behaupten. Vielleicht von Größenwahn geplagt oder mit geheimen Plan einer Hetzjagd gegen unschuldige Schriftsteller. Ja, die Welt ist schon groß und gemein und wir müssen sie uns alle teilen.

Ich für meinen Teil werde Bücher weiter rezensieren und dabei auf Ehrlichkeit setzen. Denn wenn es etwas gibt, das weitaus weniger bringt als schlechte Kritik ist es eine noch schlechtere Lüge. Ich möchte hinter meinen Rezensionen stehen. Und wenn Leser mich fragen, wie ich Bücher von anderen Autoren/Autorinnen fand sagen können, was ich von ihnen halte. Möchte moralisch verwerfliche Inhalte kritisieren, möchte auf meinem Blog meiner Meinung Gehört verleihen, möchte manchmal einfach mit dem Finger anklagend auf verfluchten Blödsinn zeigen.

Möchte Bloggerin und Autorin sein und bleiben, weil ich beides bin.

Der Ton macht die Musik sagt man und wie es in den Wald schallt kommt es wieder heraus. Genau so ist es! Und das gilt ebenso für Blogger, BookTuber, Instagramer & Co, wie auch Autoren und Autorinnen, die meinen im Meer der Kritik gäbe es nur ein kleines Rettungsboot, über das sie nach Belieben verfügen können.

Liebe Autoren/Autorinnen, wenn dein Buch das nächste Mal von einem Autor/einer Autorin kritisiert wird einfach mal die Luft anhalten. Haben eure Eltern euch denn nicht beigebracht, dass man Kritik nicht mit Kritik bekämpfen kann, sondern nur mit Vernunft? Vernunft bedeutet in diesem Jahrhundert übrigens eine Prise Ignoranz, einen Löffelchen Selbstvertrauen und den starken Glauben an sich selbst.

Ende.
Tanja, vom Aussterben bedrohter Blogger-Autorin-Hybrid.

Wie steht ihr dazu? Sollten Autoren/Autorinnen ihre „Kollegen“ bewerten? Ja/nein?

Und wie findet ihr es, dass Autoren/Autorinnen andere aufgrund einer persönlichen Meinung zu ihren Romanen manchmal richtig anfeinden? 

Kommentare:

  1. Ich finde auch, dass jeder Mensch das Recht hat seine Meinung kund zu tun. Somit dürfen natürlich auch Autoren und Autorinnen Rezensionen veröffentlichen.

    Liebe Grüße ♥

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  2. Hallo Tanja,

    ein toller, weil nachdenklich stimmender Post!

    Ich habe darüber auch schon nachgedacht, weil ich auch schreibe und hoffe, vielleicht eines Tage zu veröffentlichen. Noch steht das zwar in Himmelsferne, dennoch habe ich darüber nachgedacht.
    Und bin zu demselben Schluss gekommen wie du: Nur weil ich Autorin WÄRE, würde ich nicht aufhören wollen, eine Bloggerin zu sein. Denn im Endeffekt kritisieren wir ja immer nur die Werke und niemals die Person dahinter. Wenn Autoren damit nicht klarkommen, ist das, so hart das auch klingt, ihr Problem.

    Und natürlich ist es viel leichter, Kritik zu äußern, als es besser zu machen. Mich nerven Klischees, aber meine eigene Story ist alles andere als gefeit dagegen. Das sind letztendlich aber zwei unterschiedliche Welten, denn meine Rezensionen schreibe ich als Leser, und was mich nervt, nervt mich. Ganz unabhängig davon, ob ich es besser könnte oder nicht.
    Denn Autoren schreiben nicht für die, die es besser können. Sondern vielleicht gerade für die, die es nicht können und dann lieber durch fremde Hand träumen, wie Fernando Pessoa so schön gesagt hat. Dass in der Masse an Geschichten auch die Ansprüche wachsen, ist normal. Und wenn aus Lesern Schreibern werden, legen sie ihre Leser-Identität mit den Ansprüchen, die sie als Schreiber vielleicht nicht erfüllen, schließlich nicht ab. Und haben daher genauso das Recht, zu kritisieren, wie Nicht-Schreiber.
    Vielleicht sogar noch mehr, wie du sagst, weil sie auch die Strapazen des Veröffentlichungsprozesses kennen und wissen, wie viel Arbeit dahinter steckt. Das rechtfertigt trotzdem keine Schwächen. Schließlich ist Kritik letztendlich auch ein Anstoß dafür, was in anderen Werken besser gemacht werden kann. Denn auch Schreiben ist doch letztendlich ein nie endender Lernprozess.
    Umgekehrt hilft es mir, dass ich weiß, was Ansprüche sind und was ich selbst kritisiere, um meine eigenen Geschichten reflektieren zu können.
    Von daher denke ich, dass du auch als kritische Rezensentin neben deiner Autorentätigkeit deine volle Daseinsberechtigung hast, denn du wirst dadurch ja nicht abwertender, im Gegenteil. Und du bist genauso eine Leserin wie vorher. Und wenn Autoren mit Kritik nicht klarkommen, sollen sie sich vielleicht das nächste Mal noch mal überlegen, ob sie wirklich veröffentlichen wollen - denn das bedeutet zwangsläufig, auch mit Kritik konfrontiert zu werden.

    Liebe Grüße
    Dana

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  3. Verbieten? Natürlich nicht. Aber der Futterneid ist groß, und eine negative Rezension von einem Autor wird sofort als Angriff empfunden. Ich habe das erlebt, und ich schreibe keine Rezensionen mehr, einfach, weil ich diesem Hickhack aus dem Weg gehen will. Ich brauche meine Zeit fürs Schreiben, und dazu benötige ich meinen Seelenfrieden.

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  4. AMEN ♥!

    (Mehr Worte braucht es eigentlich nicht :D)

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  5. Kann deinem Beitrag nur zustimmen. Jeder darf seine Meinung äußern so wie er möchte. Die Reaktion eines Autors auf eine schlechte Rezension kann ich teilweise nachvollziehen, da man als Autor im ersten Moment natürlich sein Werk in das viele Stunden Arbeit geflossen sind, erstmal verteidigen möchte. Trotzdem gehört es halt zum Beruf eines Autors auch schlechte Meinungen ertragen zu müssen, dazu gehören auch schlechte Meinungen sowohl konstruktiver Art als auch ein Rant.
    Rants können zwar sehr hart sein, sollten aber trotzdem erlaubt sein. Zudem würde ich als Blogleserin ungern auf solche verzichten, da deine Rantposts so unglaublich lustig sind und ich mich schön öfter vor lachen gekugelt habe.

    Ich wollte dich als Autorin fragen, wie du selbst mit Kritik an deinen Werken umgehst? Liest du dir sowohl gute als auch schlechte Kritiken durch? Versuchst du konstruktive Kritik für deine nächsten Werke zu beachten? Wie würdest du mit Rants zu deinem Werken umgehen, lesen oder lieber meiden?

    Liebe Grüße
    Valerie

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    1. Hallo Valerie,

      ich kann die Reaktion von Autoren/Autorinnen auf schlechte Rezensionen natürlich bis zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen. Es ist niemals leicht mit Kritik in solch subjektiver Form umzugehen und an schlechten Tagen trifft sie einen ja auch unbeabsichtigt hart. Aber das Verhalten einiger Schreiber überschreitet da ebenfalls eine Grenze und ist nicht okay!

      Wie ich mit Kritik umgehe? Das ist immer unterschiedlich. Ich habe ziemlich viele Romane veröffentlicht und daher auch von 1-5 Sternen schon mal alles "einkassiert". Ich schaue mich hin und wieder um, weil ich schon neugierig bin, wie meine Bücher ankommen :-) Da stößt man dann auch auf keine so schönen Worte. Ich lese diese Rezensionen/Rants aber trotzdem. Klar, ich gehe nicht willentlich in die Welt hinaus und suche danach, aber ich drüber stolperte, kann ich auch schlecht wegsehen. Ich habe schon ein paar sehr nützliche Dinge aus solchen Meinungen ziehen können, aber meistens lese ich sie, hake es ab und mache weiter. Bei Goodreads habe ich sogar mal eine miese Rezension gefunden, die mich selber köstlich amüsiert hat. Man darf sich selbst halt nicht zu ernst nehmen :-D

      Liebe Grüße,
      Tanja

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  6. Ich kann deinem gute durchdachten Post nur zustimmen. Für mich würde es ehrlich gesagt auch eher der Logik entsprechen, die Kritik von Kollegen ernster zu nehmen als die eines Lesers, der vllt. nur nach dem Kriterium “hat mir gefallen“ entscheidet,weil jemand, der selber weiß, wie viel Zeit und Energie in ein Buch geflossen ist, wie die Charakterentwicklung und das Ploting vonstatten geht, tiefere Einblicke und mehr Informationen hat als zum Beispiel ich. Aber ich würde auch nicht zwingend sagen “hier rezensiert ein Autor/eine Autorin“, sondern wie du auch sagst, ein Leser. Und der ist eben nun mal zufällig mein Kollege, so wie der nächste Rezensent Zahnarzt. Aber vllt fällt es aufh schwerer,Kritik von Kollegen wegzustecken, eben WEIL sie wissen und verstehen. Bei jemsndem, der wesentlich weniger Ahnung hat kann msn dann vllt wirklich eher sagen “derhst js keine Ahnung“. Beim Kollegen funktioniert das nicht so leicht.

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Dankeschön, dass du so lieb bist und Feedback, deine Meinung oder Anregungen hinterlässt! :D

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