Freitag, 24. Februar 2017

[BUCHREZENSION] Pusteblumentage



Livs Mutter beginnt plötzlich, ihr die wichtigen Dinge des Lebens näherzubringen. Deshalb muss Liv jetzt - ob sie will oder nicht – den ersten BH kaufen (obwohl sie noch keinen braucht),  lernen, wie man Spaghetti Bolognese kocht (obwohl ihre Mutter nicht kochen kann), ein Schminktutorial mit ihrer Mum absolvieren (obwohl sie sich erst mit 16 richtig schminken darf) . Doch als ihre Mutter Liv sogar erlaubt, sich endlich Ohrringe stechen zu lassen, weiß sie, dass irgendetwas nicht stimmt. Bisher war ihre Mutter strikt dagegen. Außerdem ist sie nun immer öfter erschöpft und schläft viel. Liv spürt, dass sie ihr etwas verheimlicht, etwas, was ihr Leben für immer verändern wird …

► Originaltitel: Dandelion Clocks  Übersetzerin: Barbara Lehnerer 
► Autor/in: Rebecca Westcott   Genre: Kinderbuch, Contemporary
►Einzelband ► Verlag: dtv Junior ► Seiten: 208 ► Gebunden, mit
Schutzumschlag - 13,95€ ► Kaufen: bei Amazon /beim Verlag



Pusteblumentage erzählt die Geschichte von Liv und ihrer großen Reise durchs Leben. Wir lernen sie dreizehn Wochen vor dem Tod ihrer Mutter kennen und sehen, was sechs Monate danach passiert. Das Buch ist nicht in normale Kapitel aufgeteilt, sondern zeigt immer wieder kleine Abschnitte aus dem Leben unserer jungen Protagonistin. So ist der Einstieg in das Buch bereits sehr mitnehmend, erfährt man gleich, dass Liv einen geliebten Menschen verloren hat und nun vor einem Scherbenhaufen sitzt. Doch wie kam es dazu? Und war war Livs Mutter für ein Mensch? Das sind nur zwei der Fragen, die im Verlauf der Geschichte beantwortet werden. Wir erleben Liv hautnah: Ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, ihren Bruder, der Asperger hat, die Regeln ihrer Familie und die doofe Schule. Das Buch erscheint wie eine Ansammlung einzelner Momente. Schöner Momente, trauriger Momente, witziger Momente und Momente, die einfach ans Herz gehen.

Ich lese immer recht viele Kinder - und Jugendbücher, aber an diesem hier war etwas Besonderes, das sich gar nicht festmachen lässt. Vielleicht ist es die Art und Weise, wie die Autorin ihre Geschichte erzählt oder diese Szenen, in denen man angeregt wird selber über sich und das Leben nachzudenken, darüber wie vergänglich jeder Mensch auf der Welt ist ... aber es gab etwas - dieses gewisse ETWAS - das beim Lesen einen Teil von mir wirklich berührt hat. Insbesondere das Ende hat mich mit so viel Gefühl überrumpelt, dass ich erstmal tief durchatmen musste. Liv lernt nämlich eine wichtige Botschaft: Leben bedeutet nicht am Leben zu sein. Und sind wir es nicht allen Menschen, die viel zu früh von dieser Welt gehen mussten schuldig, jede Minute auszukosten, so lange sie uns gehören?

Obwohl Liv sehr jung ist und das Buch eher für Kinder gedacht, fand ich es unheimlich schön und bin auch davon überzeugt, dass jeder etwas daraus lernen oder mitnehmen kann. Die Handlung startet chaotisch: Wir lernen Liv und ihre Familie kennen. Es ist nicht alles in Butter. Liv will mehr Freiheiten, weniger Verantwortung für ihren Bruder und raus, um jeden Augenblick durch ihre Kamera festhalten zu können. Sie rebelliert und sie ist frustriert, wie das bei einem Teenie nun einmal so ist. Ich glaube, viele junge Mädchen werden sich bestens mit ihr identifizieren können - aber auch ältere Leser erkennen sicher ein wenig ihres jüngeren Ichs in Liv und ihrer Einstellung wieder. Bei mir war das so.

Die Grundthematik ist zwar eine sehr emotionale, allerdings ist nicht alles nur grau und traurig. Es gab viel Wortwitz und Humor, der sich vor allem in Livs Gedanken wiederspiegelt. Sie schlägt sich eben mit jeder Menge Mumm durch den Alltag. Interessant war auch, dass ihr Bruder unter Asperger leidet und ich finde die Autorin hat hier noch mal ein anderes Fass aufgemacht, in dem sie zeigt wie wichtig familiärer Zusammenhalt ist.

Nicht jedes Kapitel konnte mich überzeugen und ansprechen. Meistens war das Buch sehr unterhaltsam, manchmal jedoch auch etwas monoton. Doch im Großen und Ganzen fliegt man schnell durch die Seiten und hat seinen Spaß damit. Bis alles kippt und der Kernpunkt sich herauskristallisiert: Livs Mutter ist krank und wird bald sterben. Eine schlimme Vorstellung. Mit Gefühl und Verstand wird über Trauer und Angst gesprochen - Rebecca Westcott hat wirklich einen guten Job geleistet die unterschiedlichen Seiten eines solchen Schicksal zu durchleuchten, was es für die Kinder und den Vater/Ehemann bedeutet.

Je weiter man liest, umso mitgenommener wird man. Doch das Ende gibt einem ein wenig die Hoffnung mit auf den Weg, dass was auch immer geschieht, geliebte Menschen in unseren Erinnerungen weiterleben. Das fand ich einen sehr schönen Gedanken. 


Pusteblumentage ist ein Buch, das eine ernste Thematik in eine schöne und lebendige Geschichte verpackt. Mit viel Herz und Gefühl ist die Geschichte von Liv und ihrer Familie auf eine einzigartige Weise geschrieben und gibt dem Leser am Ende eine wichtige Botschaft mit auf dem Weg. Aufgrund der interessanten Aufteilung der Kapitel lässt sich das Buch schwer weglegen und trotz der traurigen Stimmung, die aufkommt, gibt es auch eine Portion Witz und Charme, die altersgerecht verpackt wurde. Klare Empfehlung!



Kommentare:

  1. Guten Morgen!

    Ich hab heute einen TAG für dich und würde mich freuen, wenn du mitmachst :)
    http://blog4aleshanee.blogspot.de/2017/02/tag-buch-planeten.html

    Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Danke für die tolle Rezension! Ich hab von dem Buch noch nichts gehört und möchte es jetzt auf jeden Fall lesen. :)

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