Mittwoch, 26. April 2017

[BUCHREZENSION] Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte




Flo hat viele schlagfertige Antworten parat, doch leider immer erst, wenn es zu spät ist. Ob in der Schule oder im Streit mit Moritz von nebenan: Im entscheidenden Moment fehlen ihr die Worte. Zum Glück sind ihre BFFs, Anouk und Julia, da ganz anders. Julia liebt das Drama und Anouk lieben alle. Anscheinend auch Ben, Flos Schwarm, denn Anouk hat ihn geküsst! Auf einer Kummerkastenwebsite schreibt Flo sich ihren Ärger von der Seele. Eine gepfefferte Mail über Verräter-Anouk, Moritz und die doofe Deutschlehrerin. Natürlich wird sie das nie abschicken. Doch ein falscher Klick – und die Mail ist raus. Plötzlich steht sie im Netz und ein Shitstorm bricht los. Der einzige Lichtblick ist, dass Ben Flo auf einmal beachtet …

► Deutsche Originalausgabe ► Autor/in: Anna Pfeffer ►Buchreihe: Einzelband 
► Verlag: cbj ► Seiten: 256 ► Gebundene Ausgabe, ohne Schutzumschlag - 12,99€ 
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In "Flo oder der Tag, an dem die Maus verrutschte" geht es um Flo, die aus Versehen eine fiese Email über eine ihrer besten Freundinnen in Umlauf bringt, nachdem es einen großen Streit gab. Schnell ist raus, dass Flo die Schuld an der Mail trägt und ihre Mitschüler behandeln sie deshalb nicht gerade nett. Das Buch beschäftigt sich, trotz des jüngeren Zielpublikums, mit dem Thema Mobbing in der Schule, aber auch Freundschaft und ein klitzekleines bisschen Liebesgeschichte gibt es am Rand auch noch. Alles in allem also keine schlechte Mischung. Da das Buch nur knapp 250 Seiten hat ist die Geschichte schnell ausgelesen und sorgt für ein paar gute Stunden Unterhaltung, besonders für Leserinnen ab 10 Jahren aufwärts. Ich als Erwachsene mochte das Buch aber auch. 

Der Schreibstil von Anna Pfeffer ist sehr flüssig, spritzig-frech und locker-leicht zu lesen. Hut ab dafür, steht der Name für ein Pseudonym hinter dem sich zwei Autorinnen verbergen. Man merkt der Geschichte keineswegs an, dass hier mehr als eine Autorin am Werk war und ich finde es toll, dass beide Autorinnen sich so gut ergänzen, dass eine durchgehend unterhaltsame Story dabei herum kam. Es gibt ja so Bücher, da ist selbst der Perspektivenwechsel nicht sehr gelungen, aber hier hat das alles super gepasst.

Flo ist ein ganz normales Mädchen, das unter ihrer Tollpatschigkeit leidet und wirklich gerne mal den Mund aufbekommen würde, wenn sie in peinliche Situationen gerät. Doch leider findet ihre Schlagfertigkeit nur in ihrem Kopf statt und Flo blamiert sich öfter mal bis auf die Knochen. Was für unsere Protagonistin fürchterlich ist, ist für uns als Leser zum Schießen komisch. Der Einstieg ins Buch ist gleich eine besonders peinlich-lustige Szene, von denen im Buch noch viele folgen und mich sehr oft zum Lachen gebracht haben. Der Humor von Anna Pfeffer war mir schon aus "Für dich soll's tausend Tode regnen" bekannt und auch bei ihrem Kinderbuch müssen sich die cleveren Sprüche und Schlagabtausche nicht verstecken. Insbesondere jüngere Leserinnen werden hier ihren Spaß haben.

Was mir sehr gut gefiel war, wie gezeigt wurde, dass ein einziger Fehler das Leben gehörig auf den Kopf stellen kann und das einzig richtige in solch einer Lage ist dann Augen zu und durch oder aber zu seinem Fehler stehen und Rückgrat beweisen. Das hatte eine sehr starke moralische Aussage, die ich wichtig fand und auch toll umgesetzt. Etwas zwiegespalten war ich allerdings bei dem ganzen Mobbing Thema. Auf der einen Seite wurde gut in Szene gesetzt, wie schnell man zum Opfer werden kann und das Kleinigkeiten anderen und einem selber übel mitspielen können. Auf der anderen Seite wurde das Thema für mich persönlich aber nicht ausführlich genug behandelt. Das war hier vorgeht ist eindeutig Mobbing, wird aber leider nicht offen angesprochen und mit einer richtigen Aussage als "falsch" abgestempelt. Es gibt z.B. so eine Szene, in der einer von Flos Mitschülern gleiches mit gleichem vergelten möchte und mit keinem Wort wird erwähnt, dass solch ein Verhalten nicht richtig ist und nur in einen Teufelskreis führt. 

Zwar ist Flo eine starke Protagonistin, die sich gedanklich viel mit ihrem Handeln und jenem anderer Charaktere auseinandersetzte, aber mir fehlte einfach dieser Wendepunkt, an dem von einer Autoritätsperson aufgegriffen wird, das die Vorkommnisse verwerflich sind und es Lösungswege gibt, um mit Frust, Ärger, Eifersucht und andere negative Gefühle umzugehen. Das Buch hatte jedoch auch seine guten Momente diesbezüglich, weil Flo beweist wie wichtig Ehrlichkeit ist - anderen gegenüber und auch sich selbst. Da hat eine klasse Entwicklung stattgefunden, die als positives Beispiel für junge Mädchen wirkt.

Auch, wenn es jetzt ein wenig schwermütig klingt, das Buch hat eine sonnige Seite. Es geht viel um Freundschaft, süße Jungs und doofe Eltern. In den Kapitel gab es witzige Dialoge, schöne Gespräche über alles, was im Kopf junger Mädchen eben so vorgeht und haufenweise Humor und Sarkasmus. Das Lesen hat wirklich Freude gemacht. Ein großer Pluspunkt waren für mich auch die Kabbeleien zwischen Flo und Moritz. Die waren einfach super süß und als Leser weiß man sowieso wie es ausgeht, auch, wenn die Sturköpfe da erstmal selbst hinmüssen. Natürlich wurden Flo einige Steine auf ihren Weg gelegt und so ist die Liebesgeschichte turbulenter, als man zunächst denkt ... am Ende wird man zwar nicht überrascht, aber mir gefiel der Ausgang sehr gut und hat mir ein Schmunzeln entlockt. Ich für meinen Teil hätte gut und gerne noch ein paar Kapitel mehr haben können.


Das Kinderbuch von Anna Pfeffer muss sich nicht verstecken. Flo und die böse, böse Maus erzählen eine witzige Geschichte über Freundschaft und erste Liebe, lassen aber auch ein ernsteres Thema wie Mobbing nicht aus. Zwar wird dieses nicht zu 100% zufriedenstellend abgewickelt, das Buch gibt einem jedoch eine gute Message mit auf den Weg. Spaßige Unterhaltung - besonders für jüngere Leserinnen - mit einem süßen Ende. 


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