Donnerstag, 4. Mai 2017

[ABGEBROCHEN] Mein Sommer in Brighton


Hallo, ihr Lieben! Heute gibt es (leider) keine Rezension zu einem Buch, sondern einen Post darüber, warum ich diese Geschichte abgebrochen habe. Ich breche eher selten Bücher ab, weil es meist doch 1-2 Dinge gibt, die mich dazu bringen, erfahren zu wollen, wie es weitergeht. MEIN SOMMER IN BRIGHTON und ich waren allerdings keine gute Mischung. Von meinem Standpunkt aus, der natürlich rein subjektiv ist, hat das Buch einige sehr problematische Szenen, die ich so nicht vertreten kann und auch möchte. Ich habe lange überlegt, ob ich das Buch noch zu Ende lese, weil es ja sein könnte, dass sich das Blatt noch wendet, aber dazu fehlte mir der nötige Elan. 




Worum geht es in dem Buch überhaupt?

Es ist der schönste Sommer in Noras Leben! Mit der besten Freundin Lisa in der Hippiestadt Brighton. Bei herrlich durchgeknallten Gasteltern, die alles erlauben, und in einem Haus nicht weit vom Pier. Und dann ist da noch Tim, der strubbelige Surfer, der am Strand campt und sie in seinen Bulli zum Schoko-Fondue einlädt. Tim, der ihre chaotischen Gedanken liest und sie ohne Worte versteht. Doch dann ziehen plötzlich Wolken auf, und es scheint, als würde Nora ihre erste große Liebe und ihre beste Freundin gleichzeitig verlieren. Oder ist alles nur ein riesiges Missverständnis? via cbt

Der Klappentext und das Cover senden eindeutige Signale: Süßes Sommerbuch! Ich hatte mich sehr auf die Geschichte gefreut, klang sie nach etwas, das ich absolut lieben könnte. Ich mag Contemporary und ganz besonders diese zuckersüßen Liebesgeschichten. Doch schon nach 11 (!) Seiten ist meine Euphorie verpufft. Falls die Autorin meinen Text jemals liest, würde ich dazu gerne sagen: Es tut mir ehrlich leid. Ich schreibe selber und nichts liegt mir ferner als schlecht über eine deutsche Autorin zu reden, aber wie bereits gesagt, gibt es in diesem Roman für mich persönlich richtig problematische Inhalte und ich möchte und kann dieses Buch daher nicht gut bewerten oder irgendwem weiterempfehlen. 

Was hat mich also dazu gebracht, das Buch abzubrechen?

Die Protagonistin. Nora war mir unsympathisch. Das ging relativ schnell. Sie ist stets nur am meckern, hat Unmengen an Vorurteilen, wertet über alles und jeden und lässt dabei nicht mal ihre beste Freundin aus. Nora hat ihre eigene Meinung und es scheint, als würde diese über allen anderen stehen. Sie ist unfreundlich, undankbar und respektlos.

Nora macht zusammen mit Lisa so eine Art Schüleraustausch in Brighton und lebt deshalb bei einer Gastfamilie. Dort gibt es auch noch einen anderen Gastschüler, der japanischer Abstammung ist. Ab Seite 11 des Buch - durchgehend bis dort, wo ich gelesen habe, hackt Nora auf seiner Kultur herum. Sie macht Bemerkungen, die ich als rassistisch empfunden habe. Über seine Augen, seine Kultur und seine Kleider. Besonders gestört hat mich dabei, die sich wiederholende Faszination dafür, dass der Japaner alles mit Essstäbchen ist und sogar Cornflakes aus seiner Milchschale fischt. Alles, was er tut wird von Nora als "faszinierend" abgestempelt, als wäre er ein exotisches Tier. Es wird sich in keinster Weise wirklich für ihn als Menschen interessiert und kein japanisches Klischee wird ausgespart. Hinter der japanischen Kultur steckt mehr als Karaoke und Essstäbchen. Man kann der Autorin zwar anrechnen, dass sie versucht hat etwas "Diversity" in die Geschichte zu mixen, aber bitte nicht so. Noras Kommentare fand ich einfach fürchterlich. 

Auf S. 19 geht das Werten direkt weiter. Nora kommt in ihre neue Klasse und sieht ihre Klassenkameradinnen. SIEHT. Sie hat bis dato kein Wort mit ihnen gewechselt. Wortwörtlich steht dort, ich zitiere "... die Mädchen sehen soweit okay aus. Ich denke mit denen können wir Spaß haben ..." Nora geht es stets nur um das Aussehen. Was soll mir als Leserin diese Aussage bringen? Dass Mädchen, die "OK" aussehen keine guten Freundinnen sein können? Dass man mit "hässlichen" Mädchen keine Freundschaft schließen kann? Schon eine Pest diese unterdurchschnittlichen Menschen, oder? 

Doch es sind nicht nur die Menschen in ihrer Umgebung, die Nora nicht passen. Auch das Essen in Brighton besteht nur aus fett und ist ja sooo widerlich. Dass die Gastmutter ihr Bestes gibt, um die Mädchen zu bewirten, über Noras Verhalten enttäuscht und auch davon verletzt wird ist egal. Die arme Nora muss schließlich verhungern, denn in Brighton gibt es kein "normales" oder gar "gesundes" Essen. Ich bin selber schon in England gewesen und weiß, dass das Essen dort etwas anders als bei uns in Deutschland ist, aber das ist einem klar, bevor man in ein fremdes Land reist. Und es gibt Alternativen. 

Richtig schlimm wurde es für mich dann, als Nora über das Aussehen ihrer Gastmutter lästert. Diese ist etwas korpulenter und leicht übergewichtig. Als Nora und Lisa auf eine Party wollen, wird darüber nachgedacht, dass die Gastmutter niemals etwas in der Größe der beiden haben könnte, es sei denn sie habe noch etwas aus ihrer Zeit vor ihrem "runden Bauch und Hintern" ihm Schrank, was ja auch so lustig ist. Das #BodyShaming geht aber noch einen Schritt weiter. Die hilfsbereite Gastmutter, die zu Nora immer nur freundlich war, wird von Nora mit abschätzigen Blicken gemustert und als diese sagt "In euer Größe habe ich nichts da" wird dies gedanklich mit "wundert mich jetzt nicht" kommentiert. Ich bin selber übergewichtig und ich finde es unter aller Sau, wenn über Charaktere aufgrund ihres Gewichts hergezogen wird. Es wird auch kein Wort darüber verloren, wie hilfsbereit und nett die Gastmutter ist und den Mädchen einen coolen Trick verrät, wie sie an Klamotten kommen. 

Die Stelle, an der ich das Buch dann endgültig abgebrochen habe war so um den Dreh Seite 130 etwa. Nora und ihre beste Freundin Lisa waren auf der Party. Lisa ist aufgelöst, da der Junge, auf den sie steht, sie angegrabscht hat und gegen ihren Willen weiter befummelt und geküsst hat. Man merkt Lisa deutlich an, dass diese Erfahrung keine schöne für sie war. Nora äußert sich daraufhin mit dem Satz "vielleicht hast du ihm falsche Signale gesendet". Ich will nicht lügen, kurz davor sagt Nora ebenfalls noch, dass niemand Lisa anfassen sollte, wenn sie dies nicht möchte, allerdings ist mir bei dem Satz echt die Spucke weggeblieben. Man sollte sexuelle Belästigung niemals mit solch einem Satz herabsetzen. Es gibt genug junge Mädchen, die bereits Opfer von solchen Jungs/Kerlen geworden sind. Die unsittlich berührt und belästigt wurden. Welches Bild setzt sich da wohl in den Köpfen junger Leserinnen ab, wenn die Protagonistin zu ihrer besten Freundin sagt "vielleicht hast du ihm falsche Signale gesendet"? Das geht einfach mal gar nicht. 

Danach hat mich reichlich wenig interessiert, wie es mit Nora weitergeht. 

Das Buch war vielversprechend, die Idee interessant. Die Ausführung jedoch hat mich mit jedem Satz mehr, den ich gelesen habe, den Kopf schütteln lassen. Sicher empfinden einige Leser/innen dies komplett anders als ich. Sollen sie. Ich für meinen Teil würde in Jugendbüchern von Frauen für junge Mädchen/Frauen lieber etwas darüber lesen, wie andere Kulturen wertgeschätzt werden, wie Menschen auf ihre inneren Werte reduziert werden, nicht ihr Aussehen und ihr Gewicht. Und ich würde gerne darüber lesen, wie grabbelnden Jungs eine gescheuert wird, wenn sie sich daneben benehmen. 

Das Buch bleibt ohne Wertung. 

Kommentare:

  1. Wow. Da bleibt mir etwas die Spucke weg und ich frage mich, wer winkt solche Bücher durch? Es kann doch unmöglich sein, dass da zig Leute im Verlag sitzen und keinem davon auffällt, wie viele bedenkliche Stellen es da gibt. Ich meine, ok, vielleicht macht Nora am Ende eine 180° Kehrtwende von der wir jetzt nichts wissen, aber dann müsste man die Tendenz dazu nach 130 Seiten schon mal aufblitzen sehen. Ich glaube das Buch hätte ich gnadenlos in der Luft zerrissen, wenn es mir in die Hände gefallen wäre.

    Sprachlose Grüße,
    Sam

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  2. Hey Tanja :)
    ich habe heute noch das Buch in der Buchhandlung gesehen und hätte es fast mitgenommen, gereizt hat es mich aus denselben Gründen.
    Doch jetzt bin ich froh es nicht getan zu haben. Diese ganze Mischung an Ignoranz und Oberflächlichkeit finde ich furchtbar.
    Dein Abbruchbericht hingegen ist sehr angenehm zu lesen & ich finde es toll, dass du nicht gleich einen dramatischen Verriss machst^^

    LG ♥
    Anna

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  3. Ich kann völlig verstehen, dass du das Buch abgebrochen hast, das hätte ich auch nicht okay gefunden. Danke für die "Warnung"! Ich finde auch nicht dass das irgendwie gemein rüberkommt, sondern du hast es sachlich begründet und das finde ich super!

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