Sonntag, 30. Juli 2017

(M)ein Brief an die Buch-Community

Liebe Buch-Community,

mein Name ist Tanja und ich bin 28 Jahre alt. Ich blogge seit genau 7 Jahren auf „Tanjas Rezensionen“. In diesen 7 Jahren hat sich einiges um mich herum verändert. So ist das eben auf der Welt. Dinge verändern sich. Dabei passiert ebenso viel Positives, wie auch Negatives. Yin und Yang und der ganze Kram. Warum ich diesen Brief schreibe? Vielleicht nur für mich selbst. Um ein paar Gedanken in Worte zu fassen. Vielleicht auch für andere. Um ihren Gedanken eine Stimme zu geben.

Als ich 2011 meinen Blog eröffnete gab es noch nicht sehr viele von uns Bloggern. Wir waren Raritäten, eine seltene Spezies und das World Wide Web kam uns vor wie ein großer Ozean, in dem wir mit unseren kleinen Schiffen herum segelten. Irgendwann muss so ein Schiff jedoch mal an Land gehen und an Land überlebt man nur, wenn man mit anderen zusammenhält. Sozusagen Brücken von A nach B baut. Sich austauscht, gegenseitig hilft und unterstützt. Wusstet ihr, dass die Definition von „Community“ aus dem Satz besteht „eine Gruppe von Personen, die Erfahrungen teilt und dabei eine Identität aufbaut“? Jetzt schon. Genau das habe ich getan. Wie ein Baum habe ich Wurzeln geschlagen und mich mit anderen vernetzt. Unsere Community wurde immer größer. Wir reichten anderen, die wie wir hungrig nach Büchern und Austausch waren, die Hand. Wir öffneten Türen und wenn sich eine davon schloss, probierten wir es einfach ein weiteres Mal. Gemeinsam waren wir stark.

Dabei spielte Liebe eine große Rolle. Echte Liebe. Keine kitschige und ungesunde, wie aus irgendeinem ollen Teenie-Film. Liebe zu Büchern. Liebe zum geschriebenen Wort. Respekt und ein gutes Miteinander waren wie Zutaten eines Rezepts für Frieden in der Community. Wir waren eine Einheit, eine große Familie, aber vor allem eines: ECHT.

Wie in jeder Familie gab es natürlich ein paar schwarze Schafe, aber selbst die durften bleiben, weil jemanden Auszuschließen nicht unser Ding war. Wir gaben uns lieber der Illusion hin, dass in der Mehrheit die Stärke lag und wir jeden Sturm zusammen überstehen konnten. Ein paar negative Worte konnten uns nichts anhaben, wir zogen am selben Strang.

Für mich stand immer fest, dass sich daran nichts ändern sollte, doch je größer unsere Community wurde, umso deutlicher wurde auch, dass Zugehörigkeit für einige keine Selbstverständlichkeit sein sollte und sie lieben einen Abstecher in das Reich der Selbstgefälligkeit unternahmen.

Besser als andere.
Größer als andere.
Beliebter als andere.

Wie ein Virus schienen sich diese Statements plötzlich in den Köpfen einiger Leute abzulagern. Ich verstehe es bis heute nicht. Ich war 2011 eine Bloggerin. Ich bin 2017 eine Bloggerin. In den sieben Jahre, die ich blogge hat sich vieles verändert – ja. Aber eines bleibt doch immer gleich: Ein Blogger ist ein Blogger. Ob groß oder klein, ob kreativ oder festgefahren. Ob er nun tweetet, instagrammt, facebookt oder einfach nur in seinem stillen Kämmerlein sitzt und liest. Im Kern unseres Wesens sind wir alle gleich, ob das einigen nun passt oder nicht, daran kann man nichts ändern. Früher hat es auch gereicht einfach nur DU zu sein.

Kommentier mehr.
Veranstalte Gewinnspiele.
Vernetz dich besser.

Was bringt einem schon ein Netz aus Menschen, die alle für sich stehen? Wenn man fällt, dann durch die Lücken, die losen Maschen, die niemand mehr festzieht und auch niemand festziehen möchte. Nicht für andere. Der Fehler darin liegt nur, wenn man nicht bereit ist aus der Güte seines Herzens etwas für andere zu tun, steht man am Ende ganz alleine da. Und eine Community ist nur eine Community, wenn wir alle in dieselbe Richtung gehen. Trennen wir uns gehen wir höchstens als eine Gruppe durch. Eine, die sich irgendwann eh wieder auflöst, um für das eigene höhere Wohl auf den nächsten Gipfel zu steigen. Dabei wird nur nach vorne geschaut, nicht zurück auf die vielen Schritte, die man niemals ohne andere Menschen hätte gehen können. Die Idee zu Bloggen ist einem schließlich nicht nachts im Traum erschienen wie ein Geist. Sie wurde inspiriert durch das, was andere vor uns erschaffen haben. Wie kann man sich also anmaßen bei einem Blick in den Spiegel zu denken, man wäre besonders und origineller als der Rest? Solche Adjektive bauen nicht darauf auf, dass eine andere Person langweilig und dumm ist.

Bloggen ist wie Jenga. Je mehr man will, umso mehr läuft man Gefahr, dass der Turm aus den sogenannten Erfolgen einfach umkippt. Und wer ist dann da, um beim Aufräumen zu helfen? Das große Ego. Vielleicht.

Back to the roots.
Auf Anfang zurück.

Man drückt doch sonst auch immer schnellstmöglich den Reset-Knopf, mit etwas Glück zieht man die Notbremse an oder streut ein bisschen Salz vors Fenster, damit die Dämonen draußen bleiben. Ohne Vergangenheit gäbe es keine Gegenwart gäbe es keine Zukunft gäbe es kein Jetzt. Also vielleicht mal innehalten und nachdenken. Weniger mit dem Finger auf andere zeigen und mehr reflektieren. Beobachten statt zu werten.

Für mehr Offenheit und Verstand.
Für mehr Freundlichkeit und eine helfende Hand.
Für mehr Spaß an der Sache und Hate-freies Bloggerland.

Ja. Der letzte Absatz hat sich gereimt.
Ich kann reimen nämlich besser als schleimen.
Wir sind doch alle „young, scrappy and hungry“, sollten aber darauf achten, dass wir dabei die Community bestimmen und nicht die Community uns. #ANiceBloggerDoesItBetter

Over & out!
Deine Tanja

P.S. Bitte schaff endlich die Elfenwald Musik und den Glitzerstaub auf einigen Blogs ab. Es gibt nämlich Dinge, die sind noch uncooler als Trump.

Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Tanja!

    Ein sehr schöner "Brief". Ich stecke, bilde ich mir zumindest ein, noch nicht richtig drin in der Community, weil ich erst seit 2014 solo blogge und bis dahin Teil eines Teams war. Da habe ich die solo-Bloggerlandschaft noch nicht so richtig wahrgenommen und auch jetzt tue ich mich noch schwer mich als Teil des Ganzen zu sehen. Seit ich alleine blogge habe ich mich natürlich umgesehen und nach und nach Blogs gefunden die mir gefallen, denen ich mal lauter, mal leiser folge und deren Artikel ich einfach gerne lese. Nach allem was ich die letzten Wochen so mitbekomme, habe ich allerdings Zweifel daran bekommen ob ich zu dieser Community gehören möchte. Was ein völlig unfairer Eindruck denen gegenüber ist, die einfach nur ruhig ihr Ding machen und Spaß an ihren Blogs haben. Ich finde es schade, dass sich über so vieles aufgeregt wird und auch auf so viele Kleinigkeiten sehr empfindlich reagiert wird. Offenbar liegen die Nerven bei einigen ganz schön blank. Da kann man nur hoffen, dass sich die Gemüter bald wieder beruhigen und bis dahin bleibt vor allem Twitter mal eine Weile aus. ;-)

    Liebe Grüße
    Sam

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  2. Hallo Tanja,

    danke für die ehrlichen Worte.

    Ich habe 2013 mit dem Bloggen angefangen, in einer ganz anderen Gemeinschaft als sie es heute ist. Manchmal habe ich da Gefühl, ich habe für eine andere Gemeinschaft angefangen zu bloggen, als die, in der ich jetzt blogge. Was nicht immer leicht ist, denn obwohl ich die von dir beschriebene Community eher passiv miterlebt habe, ist es doch die gewesen, die mich zum Bloggen gebracht hat. Und sie hat sich verändert.
    Und das fällt mir auf, obwohl ich glücklicherweise nie direkt von Hating betroffen war. Oder ähnlichem. Dennoch ist alles irgendwie erfolgsorientier geworden. Professioneller.

    Dabei stecken doch hinter (fast?) allen Blogs liebe Buchliebhaber*innen, andere Menschen mit ähnlichen Interessen. So viel Potenzial für tolle Bekanntschaften, inspirierenden Austausch. Für eine Gemeinschaft.
    Etwas, was glücklicherweise immer noch den meisten Blogger*innen wichtig ist.

    Und sich selbst anschaltende Musik fand ich schon immer nervig. Weil ich erstens immer total verwirrt bin, wenn mein Laptop ewig losplärrt und zweitens dann verzweifelt danach suche, wie ich da wieder ausbekomme. ^^

    Liebe Grüße
    Dana

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  3. Hi Tanja,

    das hast du viele wahre Worte geschrieben und ich muss sagen früher gab es viel mehr Zusammenhalt in der Community als heute. Ich habe auch den Eindruck gewonnen das früher zum Beispiel Tags untereinander gemacht wurden, einfach nur um Spaß zu haben und heute sehe ich das ehrlioch gesagt kaum noch irgendwo. Es ist eben alles viel kapitalistischer geworden. Marketing orientiertert, das scheint heute für viele Blogger die Devise zu sein. Doch dadurch geht die Gemeinschaft verloren und das finde ich echt schade.

    Beste Grüße
    Twineety

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  4. Liebe Tanja,
    Schöne Worte, wie ich finde. Ich bin erst 2013 zu den Bloggern dazugestoßen und da wurden es dann auch schon immer mehr und mehr wie ich bemerkt habe. Ich habe nicht gedacht, dass ich kleines Licht überhaupt einmal Aufmerksamkeit bekommen werde und doch eben durch großartige Vernetzung und Aktionen bin ich ein Teil der Community geworden und das wünsche ich mir auch für neue Blogger, die jetzt anfangen und die einen Weg suchen sich Gehör zu verschaffen.

    Liebst, Lotta

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  5. Huhu!

    Sieben Jahre ist schon eine echte Hausnummer! Meinen Blog gibt es seit etwas über 4 Jahren, und ich habe das Gefühl, das sich auch seit damals einiges verändert hat.

    Ich arbeite seit ein paar Monaten daran, mich wieder mehr zu vernetzen, mehr zu kommentiere und mehr zu interagieren, denn das finde ich auch sehr wichtig.

    Als "young" würde ich mich vielleicht nicht mehr unbedingt bezeichnen, so als "Bloggerin mittleren Alters", aber ich finde deinen Beitrag sehr interessant und wichtig – aber ehrlich jetzt, es gibt Dinge, die sind uncooler als Trump? Für mich ist der so das Unterste vom Untersten vom Untersten. ;-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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  6. Oh, gerade deinen letzten Punkt kann ich nur unterstreichen! Sobald ich bei so was lande, schließe ich sofort wieder die Seite.

    Ansonsten kann ich deine Worte auch unterstreichen. Das Höher, Weiter, BESSER! Ist bei manchen heftig geworden. Guck ich like dich - like mich zurück. Guck mal, ich hab dich schon wieder geliked - jetzt abonnier mich ENDLICH. Das Gefühl hab ich zumindest manchmal...
    Zum Glück bekomme ich aber von dem meisten "Stress" nix mit, Nur wenn ein Blogger mal wieder seinem Frust freien Lauf lässt (was ja auch sien muss!) ;)

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